2 Jahre Namibia, Rückblick und Ausblick

Schon bald sind wir 2 Jahre in Namibia. Zeit für einen kurzen Rückblick und einen Ausblick in unser 3. Jahr in Afrika.

Wie in der Schweiz besteht das Leben auch hier hauptsächlich aus Arbeit, essen und schlafen. Gearbeitet wird in der Regel von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr abends mit einer Stunde Mittagspause. Unser Direktorat ist ähnlich aufgestellt wie eine staatliche Stelle in der Schweiz. Wir haben nebst dem Advisory Team, dass für die fachliche Unterstützung der Lehrer zuständig ist, die üblichen Abteilungen wie z. B. die Logistik-, die Personal- & die Finanzabteilung. Die meisten Kollegen haben einen Uni-Abschluss. Auch solche, die einen Sachbearbeiter-Job verrichten. Viele der KollegInnen sind in einer Weiterbildung. Und zwar nicht nur die Jungen, sondern auch die ältere Semester. Oftmals absolvieren sie ein Fernstudium. Beliebt sind etwa die Angebote von südafrikanischen Universitäten. Dabei muss gesagt werden, dass der Staat solche Angebote sehr grosszügig unterstützt. Solche Teilzeit-Studien werden oft ohne Lohn-Reduktion bewilligt und auch das Lernen während der Arbeitszeit ist gang und gäbe. Teilweise werden sogar Vollzeitstudien im Ausland finanziert. Zum Beispiel in Russland für angehende Ingenieure, in Kuba für angehende Ärzte und Zahnärzte oder in anderen sozialistischen Ländern. Aus meiner Sicht ist das oft eine Ausbildung auf Vorrat, da die Zurückkehrenden nach Abschluss des Studiums in Namibia meist keinen Job in ihrem Fach finden.

Im Unterschied zur Schweiz sind die Mitarbeiter hier vielfach „Einzelkämpfer“. Obwohl der Spruch ‚In Africa we share‘ oft gehört wird, trifft dies bei der Arbeit eher nicht zu. Es ist sogar innerhalb eines Teams unüblich, sich auszutauschen. Ganz zu schweigen von einem team-übergreifendem Austausch. Fragen zu stellen, wird eher als Schwäche angesehen. Vor einem Jahr habe ich beispielsweise vorgeschlagen, dass wir eine Schulung für die Inspektoren der Schul-Finanzen durchführen sollten um ein einheitliches Vorgehen gewähren zu können. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, dass ein Buchhalter dieses Wissen mitbringen muss. Einige KollegInnen waren zum ersten Mal auf Inspektion und haben diese auf Gutdünken durchgeführt und auch bei Unsicherheiten nicht im Team nachgefragt. Mit dem Resultat, dass nun einige Inspektoren von den Schulen unter Beschuss gerieten, da ihre Berichte fehlerhaft waren.

Schwierig ist auch das Thema Korruption. Obwohl Namibia in der weltweiten Korruptions-Rangliste in der oberen Ranglistenhälfte liegt, werde ich oft mit diesem Thema konfrontiert. Meist geht es dabei um kleinere „Fische“, wie das unentschuldigte Fernbleiben vom Arbeitsplatz um private Dinge zu erledigen, die Benutzung von Dienstfahrzeugen für private Zwecke oder das Kassieren von Spesen für Aktivitäten, die gar nicht oder nur teilweise ausgeführt wurden. Diese Selbstbedienungsmentalität ist speziell bei staatlichen Stellen weit verbreitet und bereitet mir oft Mühe. Das Ansprechen von Missbrauch ist heikel. In Diskussionen mit Kollegen wird oft argumentiert, dass die Chefs / Politiker das ja auch tun und somit eine gewisse Legitimität besteht.

Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass sich folgende Ziele, Wünsche, Erwartungen in mein neues Leben in Namibia mehrheitlich erfüllt haben:

‚Ballast‘  abwerfen und einen Neustart machen zu können
ein mir bisher unbekanntes Land kennen zu lernen, und dies nicht aus der Touristen-Sicht
aus der Komfort-Zone auszubrechen und nochmals gefordert zu werden
mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis zusammen zu arbeiten
eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben

Auch die Dinge, die wir hier vermissen werden, haben wir richtig eingeschätzt. Es sind nicht materielle Dinge sondern die Berge und vor allem die sozialen Kontakte mit Familie und Freunden. Ist es hier doch um einiges schwieriger, einen Freundeskreis aufzubauen.

Ausblick

Wir haben noch einige Ziele für unser drittes Jahr in Namibia. Nebst den Arbeiten in der Region Kavango East bereiten mir Aufgaben für das Head Office oder auch für andere Regionen immer viel Freude. Ich kann so meinen Horizont erweitern, neues dazu lernen und auch etwas aus der täglichen Routine ausbrechen. Diese Tätigkeiten möchte ich weiter ausbauen. In meiner Region werde ich mich schon bald damit beschäftigen, verschiedene operative Tätigkeiten an meine ArbeitskollegInnen abzugeben. Dies auch um eine gewisse Nachhaltigkeit meiner Arbeit gewährleisten zu können. Privat möchten wir natürlich noch so viel wie möglich von den Vorzügen Namibias profitieren. Die nächste Gelegenheit bieten uns unsere Weihnachtsferien, welche wir im wilden Nordwesten des Landes verbringen werden.

Liebe Leserinnen & Leser, ich bedanke mich für euer Interesse an unserem Leben in Namibia und wünsche euch eine gesegnete Adventszeit.

4 Gedanken zu „2 Jahre Namibia, Rückblick und Ausblick“

  1. Hallo Armin.

    Ich verneige mich vor Deinem Einsatz in Namibia. Ich habe schon, als Du noch als „Aufsicht“ im Bahnpostamt gearbeitet hast gewusst, dass noch viel mehr Potential in Dir steckt!
    Ich wünsche Euch eine schöne Adventszeit, und frohe Festtage!

    Liebe Grüsse aus der Heimat; Joe
    In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Kraft für Deine weitere Arbeit in Namibia

    1. Lieber Joe, deine Nachricht freut mich sehr. Lang ist es her, die Zeit im Bahnpostamt. Denke immer gerne an diese Zeit zurück. Dir auch alles Gute und beste Grüsse aus Rundu Armin

  2. Lieber Armin
    Immer spannend deine Berichte. Was mich freut ist, dass du eine sinnvolle Tätigkeit gefunden hast.
    Das du die Berge und Freunde vermisst, na ja aber die sind auch in einem Jahr noch da und freuen sich wenn ihr zurück kommt.

    Ich wünsche dir und Rahel ganz schöne Weihnachten und spannende Ferien in Namibia
    Liebe Grüsse
    Bernadette

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