eine etwas spezielle Arbeitswoche

Mein Counterpart Pandu war die letzten zwei Wochen zusammen mit 2 Kollegen auf Finanzinspektion bei diversen Schulen in unserer Region. An diesen Inspektionen wird unter anderem geprüft, ob die Lohnbezüger der Schule auch tatsächlich an dieser Schule arbeiten. Es kam ab und zu vor, dass Löhne an bereits pensionierte oder verstorbene LehrerInnen weiter bezahlt wurden. Sogenannte Ghost-Teacher, was in der Presse ziemlich ausgeschlachtet wurde. Auch geprüft werden die Ausgaben der Schulen, welche durch Mittel des Direktorates finanziert werden, zum Beispiel für die Hostels (Schülerunterkünfte). Diese sind für Schüler, die weit entfernt von der Schule wohnen und deshalb von Montag bis Freitag im Hostel übernachten.

Diese Woche nahm ich das erste Mal an der Managementsitzung des Direktorates teil. An diesem nehmen jeweils der Direktor, seine Sekretärin und alle Abteilungsleiter oder deren Stellvertreter teil. Grundsätzlich funktioniert ein solches Meeting gleich wie bei uns in der Schweiz. Die Teilnehmer erhalten eine Einladung mit Traktandenliste und das Protokoll der letzten Sitzung. Es gibt aber auch Unterschiede. Beispiele; die Einladung erfolgt per WhatsApp-Gruppenchat. Als ich pünktlich um 10 Uhr im Boardroom eintreffe, sind neben dem Direktor und mir nur zwei weitere Kollegen anwesend. Nach und nach tröpfeln weitere Kollegen herein. Um 10:20 beginnt die Sitzung, obwohl noch diverese KollegInnen nicht anwesend sind. Pünktlichkeit wird hier definitiv weniger gewichtet als bei uns. Auch das einzelne Mitglieder (unentschuldigt?) dem Meeting fern bleiben, scheint hier kein Problem zu sein. Zu Beginn des Meetings bestimmt der Direktor ein Mitglied, welcher ein Gebet sprechen muss. Mit dreiviertelstündiger Verspätung began schliesslich das Meeting welches dann ohne Pause bis nachmittags um 3 Uhr dauerte. Ein Traktandum war das drei-tägige Annual Work Planning Meeting, welches spontan um eine Woche vorgezogen wird und bereits ab morgen stattfindet. Grund; das Regional Council (vorgesetzte Stelle des Direktorats) hat ihr Meeting zur gleichen Zeit angesetzt wie das Direktorat. Da am Meeting des RC alle Amtsstellen ihre Ergebnisse präsentieren müssen, musste natürlich unseres vorgezogen werden. Da heisst es flexibel bleiben.

Am Annual Work Planning Meeting wurden am ersten Tag von jeder Einheit die Ergebnisse des abgelaufenen (Finanz-)Jahres präsentiert. Das Finanzjahr dauert von April bis März. Rahel arbeitete in der Gruppe „Special Education“ mit während ich zusammen mit Pandu und Susana, der Stellvertreterin von Pandu den Finanzbereich abdeckte. Viele der geplanten Aktivitäten wie zum Beispiel verschiedene Lehrerweiterbildungen aber auch Sensibiliserungskampagnen zur Aids-Prävention an den Schulen konnten aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht durchgeführt werden. Die finanzielle Lage Namibias ist ziemlich angespannt was unter anderem auch zu Personalstopps führte. In einem Pausengepräch hat mir der Principal (Schulleiter) der grössten Schule von Rundu erzählt, dass ihm für 2600 Schüler gerade mal 53 Lehrer zur Verfügung stehen. Bewilligter Lehrerbestand wäre eigentlich 78. Somit ist die durchschnittliche Klassengrösse zur Zeit 50 Schüler.

Am zweiten Tag wurden in Gruppenarbeit die strategischen Ziele für das neue Finanzjahr erarbeitet inklusive der Kostenschätzungen für die geplanten Aktivitäten. Am dritten Tag wurden diese im Plenum präsentiert. Kurze Wartezeiten zwischen den einzelnen Präsentationen wurden spontan auch mal mit einem gemeinsam gesungenen Lied überbrückt.

Persönlich sehe ich den dringensten Handlungsbedarf im Bau von zusätzlichen Klassenräumen und in der Anstellung und Weiterbildung der Lehrpersonen. Speziell in den abgelegenen Gebieten ist es schwierig, qualifiziertes Lehrpersonal zu rekrutieren. Angesichts der finanziellen Lage Namibias bin ich sehr gespannt, wieviele der geplanten Aktivitäten tatsächlich durchgeführt werden können.

Wandschmuck in der Sarasungu Lodge, Tagungsort des Annual Work Planning Meetings

2 Gedanken zu „eine etwas spezielle Arbeitswoche“

  1. Hallo Armin, ich hoffe, ihr gewöhnt euch an die afrikanische „Pünktlichkeit“ und könnt vielleicht Schritt für Schritt etwas von euren Ideen und Vorstellungen einbringen und so auch kleine Erfolge feiern. Vermutlich sind es vorerst nur bescheidene, aber es sind ja die kleinen Fortschritte, die Freude machen.
    Eine gute Zeit und auf bald

    Stephan

  2. Hallo ihr zwei Lieben, es ist immer wieder schön von euch zu lesen und die tollen Bilder zu sehen! Ja, Kulturen sind so verschieden, und ich bin mir sicher, dass ihr zwei es versteht, aus allem immer das Beste zu machen und der Humor hilft da ja auch immer. So wie das erste Hilfe Set das da fehlt und das aber eingeführt werden müsste, gibt es ja auch hier manchmal so komische Absurditäten…Bei uns im Auboden läuft es gut, viel Erfrischendes, Erfreuliches und so langsam spüren wir den Frühling bzw. die kommende Pflanzsaison. Am Tisch sind neben Schafen und Eseln nun auch die Setzlinge, das Ansäen und der Wochenmarkt immer wieder ein Thema, und wir alle freuen uns auf die kommende Wärme. Von Herzen drück ich euch und schicke lebhafte Grüsse!

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