Fussball in Afrika

Wir gehen in der Regel zweimal die Woche joggen. Im ersten Jahr oft auch durch das benachbarte Quartier Sauyemwa, welches zu Rundu’s ärmsten Vierteln zählt. Auf dieser Runde begleitete uns meist eine ganze Horde lachender kleiner Kinder. Seit Ausbruch von Corona entschlossen wir uns wegen einer allfälligen Ansteckung, unsere Runden ins nahe Fussballstadion des ansässigen Vereins Cuca Tops zu verlegen. Cuca Tops spielt in Namibias zweithöchsten Liga. Das Stadion ist in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Die Tribüne ist nahe am zusammen brechen, die Garderoben sind verlottert und Rasen gibt es auch keinen (mehr). Das Spielfeld besteht aus Sand, Staub und Steinen. Die Fussballtore haben keine Netze, Seitenlinien oder Eckfahnen sucht man vergebens. Trotzdem wird hier mit viel Enthusiasmus Fussball gespielt. Cuca Tops trainieren viermal die Woche, montags bis donnerstags. Trainingsbeginn ist nach Feierabend um ca. 17:20 Uhr. Trainiert wird aus Mangel einer funktionierenden Platzbeleuchtung bis Sonnenuntergang. Momentan bis ca. 18;30 Uhr. Es sind jeweils ca. 30 Spieler auf dem Platz. Zum Aufwärmen werden erst 2,3 Runden um dem Platz gedreht. Danach folgt eine Trainingseinheit von ca 20 Minuten. In Ermangelung an genügend Bällen erfolgt diese meist ohne Ball. Ein Schuss-oder ein Torhüter-Training wie bei uns in der Schweiz habe ich hier noch nie gesehen. Der Hauptteil des Trainings wird dem abschließenden Spiel gewidmet. Nur ca. die Hälfte der Spieler verfügen über eigentliche Fußballschuhe. Einige spielen in Turnschuhen oder Sneakers, Vereinzelte sogar Barfuss. Die meisten Spieler sind technisch versiert, sehr beweglich und schnell. Die Spiele sind wenig von Taktik geprägt. Der Spieler, der am Ball ist, sucht wenn immer möglich das Dribbling. Ein Zuspiel auf einen besser positionierten Spieler ist nur die zweite Option. Vielleicht ist dies genau der Grund, weshalb sich afrikanische Mannschaften bis heute noch nicht in der Weltspitze festsetzen konnten. An hervorragenden Individualisten fehlt es garantiert nicht. Die eigenen Bedürfnisse zugunsten des Team unter zu ordnen, den Erfolg des Teams an die erste Stelle zu setzen, scheint vielen schwer zu fallen. Gewisse Parallelen sehe ich hier auch im Berufsalltag, aber wir arbeiten daran.

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