Unliebsame Besucher

Da war jemand in unserem Haus sagte Rahel, als wir am letzten Dienstag vom Büro nach Hause kamen und die verstreuten Schuhe im Korridor sahen. Diese Feststellung bewahrheitete sich leider. In der Küche stand der Kühlschrank und die Schubladen offen. In den Zimmern wurden alle Schränke durchstöbert. Schnell entdeckten wir das eingeschlagene Fenster in der Dusche, durch welches die Einbrecher in unser Haus gelangten. Sofort verständigten wir unsere Landesprogrammleitung und drückten auf den ‚Panic Button‘. Seit einigen Monaten ist unser Haus mit einer Alarmanlage ausgerüstet. Mit einem Druck auf die Fernbedienung wird ein Alarm an eine private Sicherheitsfirma übermittelt. Diese war nach ein paar Minuten bereits vor Ort. Etwas länger dauerte es, bis zwei Ermittler der hiesigen Polizei eintrudelten. Viel mehr als zu fragen, was den alles gestohlen wurde, wollten die Polizisten nicht wissen. Auf meine Frage, ob sie Spuren sichern wollten, meinten sie, sie werden Spezialisten vorbeischicken. Diese sind bis heute aber noch nicht eingetroffen. Auch die Befragung der Nachbarn fand erst auf mein Drängen statt. Die Nachbarskinder konnten die Täter bei der Flucht über den Stacheldrahtzaun beobachten und auch eine ziemlich detaillierte Beschreibung durchgeben. Die Polizisten machten sich aber weder Notizen noch stellten sie Fragen. Bevor sie wieder abzogen meinten sie nur, ich soll im Polizeirevier eine Anzeige machen. Ich solle aber erst nach 6 Uhr abends dort hingehen, da es um diese Zeit nicht mehr so viele Leute habe, und ich mir so eine längere Wartezeit ersparen könne.

Das Erstellen der Anzeige war nach einer Stunde erledigt. Als ich am nächsten Morgen wie vereinbart den Polizeireport abholen wollte, meinte der Officer, wir müssen ins benachbarte Shoppingcenter gehen und einen Laden suchen, in welchem wir den Rapport kopieren können. Zur Zeit funktioniere in der (riesigen) Polizeistation kein einziges Kopiergerät.

Etwas Gutes hatte der Einbruch dann aber doch. Schon seit Mai verfügt unser Direktorat wieder über ein Sicherheit-Budget und unser Haus ist auch auf der Liste der schützenswerten Objekte. Leider gab es aber eine Verzögerung, da ein Bieter, der sich auf die Ausschreibung beworben hat, den Regional Council wegen eines mir nicht bekannten Grundes vor Gericht zog. Und solange dieser Fall nicht erledigt ist, kann die Ausschreibung nicht vergeben werden. Als Sofortmaßnahme wurde nach dem Einbruch aber eine Sitzung einberufen und beschlossen, dass anstatt des Direktorates benachbarte Schulen Sicherheitsleute für unser Haus und auch noch für ein paar weitere Objekte engagieren. Ein Telefon mit dem Chef der Sicherheitsfirma genügte, und Muronga (unser früher Guard) arbeitet nun wieder bei uns. Das ging also für einmal ziemlich schnell. Nur schade, dass zuerst eingebrochen werden musste.

Für die Reparatur des Fensters mahlten die Mühlen dann wieder etwas langsamer. Der zuständige Kollege von der Bauabteilung war nicht für eine unbürokratische Lösung zu haben und bestand auf einer schriftlichen Submission. Diese muss von 6 Leuten unterzeichnet werden. Es kann also bis zwei Wochen dauern, bis alle Unterschriften zusammen sind. Und das für einen lächerlichen Betrag von umgerechnet gut 100 CHF. Als sich am Donnerstag immer noch nichts bewegte, nahm ich die Zügel selber in die Hand und das Fenster samt Rahmen war innerhalb weniger Stunden ersetzt. Jetzt muss ich nur noch schauen, wie ich wieder zu meinem Geld komme. Das ist aber nicht mehr so dringend.

Ein Gedanke zu „Unliebsame Besucher“

  1. Ach ihr Lieben, das tönt grad ziemlich aufreibend und aufregend. Etwas Gutes hatte es aber auch noch, ihr beide wart nicht zu Haus und damit in Sicherheit. Ist aber schön zu wissen, dass Muronga nun wieder bei euch ist! Ich schicke euch ganz liebe Grüsse mit einem Drücker! Sandra

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