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Von den Auas Bergen in den Auboden

Die erste Hälfte Juni war intensiv, dann kam Covid. Aber der Reihe nach. Seit Juni befindet sich Namibia in der dritten Welle. Diese brachte so hohe Fallzahlen / Tote wie noch nie mit sich. Vor allem die Hauptstadt Windhoek ist / war stark betroffen. Aus diesem Grund wurde der für den 9. bis 11.6. geplante Workshop im Ministerium für die nationale Lohnüberprüfung (National Payroll Verification) erst abgesagt dann aber kurzfristig doch wieder einberufen. Ich reiste am 8.6. mit einer Kollegin von der Personalabteilung und einem Kollegen von Finanzen nach Windhoek. Am ersten Tag, kurz vor Beginn des Workshops erfuhr ich, dass der Personalchef des Ministeriums diese Woche abwesend ist und ich stellvertretend denn Workshop leiten soll. Meine eigentliche Aufgabe wäre die Konsolidierung der Stellenetats sämtlicher Regionen gewesen. Mittlerweile bringen mich solch kurzfristige Planänderungen nicht mehr so schnell aus dem Konzept. Während des ersten Kurstages stellte sich heraus, dass verschiedene Regionen ihr Stellenetat trotz 2 Wochen Vorlaufszeit und Abgabe einer Vorlage noch nicht fertig gestellt haben. Gemeinsam schafften wir es doch noch, bis zum Kursende die Excel-Unterlagen für sämtliche Regionen fertig zu stellen.

Dominga & Mushongo, meine Begleiter in Windhoek

Am Samstag fuhren wir die 720 km zurück nach Rundu. Da einige Teams bereits am Sonntag ausrücken wollten, erfolgte die Schulung in unserer Region am Sonntagmorgen. Die Teams bestanden jeweils aus drei Personen. Da wir neu auch die Stellenetats der Schulen vor Ort überprüfen, wurde jedes Team mit 2 Laptops ausgerüstet. Ich wurde als Fahrer im Schulkreis Shambyu eingeplant, was mich schon fast ein bisschen stolz machte. Endlich werden meine wahren Qualitäten erkannt ;-). Montag bis Mittwoch besuchten wir hauptsächlich die Schulen abseits der Teerstrassen, teilweise tief im Busch. Mit Hilfe von Anwohnern, die uns zu den ganz abgelegenen Schulen begleiteten, haben wir alle Schulen gefunden.

Am Mittwoch Nachmittag fing ich an zu husten und am Abend hatte ich Fieber. Deshalb meldete ich mich bei der Arbeit ab und fuhr am Donnerstag zum Privatspital in Rundu. Auf einer grossen Tafel beim Eingang wurde ich darauf hingewiesen, dass ich mit Covid-Symptomen das Spital nicht betreten darf. Stattdessen soll ich auf eine Hotline Nummer anrufen. Die Hotline verwies mich an ein 100 km entferntes Distrikt Spital. Erst auf meine Rückfrage sagten sie mir, ich könne auch ins staatliche Spital in Rundu gehen. Dort angekommen reihte ich mich erst mal in eine lange Schlange Wartender für die Registrierung ein. Dies draussen unter freiem Himmel bei strahlendem Sonnenschein. Mit Fieber nicht gerade das Angenehmste. Nach einer Stunde war es geschafft. Im Schatten eines Zeltes aber dicht gedrängt! warteten die Testwilligen anschliessend nochmals eine gute Stunde. Ein einziger Tester für eine Stadt mit 120 000 Einwohnern stand in Rundu zur Verfügung. Da sind die langen Wartezeiten nicht verwunderlich. Das Resultat dieses Tests habe ich übrigens nie erhalten.

Mit fiebersenkenden Mitteln und Hustensirup begab ich mich anschliessend zu Hause in Isolation. Eine Woche später konnte ich mich dann doch noch im Privatspital testen lassen. Resultat positiv. Die ärztliche Versorgung in Rundu ist in normalen Zeiten schon am Rande der Überlastung. Die Pandemie brachte das Fass zum überlaufen. Dank unseren Landesprogrammleitern Martin und Iris konnte ich mit der Ambulanz nach Windhoek fahren, wo ich in einem Quarantäne Hotel einquartiert wurde. Dr. Zimba, eine Bekannte von Iris und Martin, besuchte mich ein bis zweimal pro Tag, organisierte die Labortests und versorgte mich mit den nötigen Medikamenten. Auf Anraten von Martin entschied ich mich, sobald als möglich in die Schweiz auszureisen. Das war dann ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Flug war für Samstag, 3.7. um 13 Uhr gebucht. Den negativen Test erhielt ich in der Nacht auf Samstag um 01:00 Uhr nachdem der Test vom Vortag immer noch positiv war. Und so kam es, dass ich von den Auas-Bergen (Umgebung von Windhoek) am Sonntag in der Wirkstatt Auboden ankam, wo ich von meiner Schwester und dem ganzen Auboden-Team herzlich aufgenommen wurde und mich während der ersten 10 Tage in der Schweiz erholte. Voraussichtlich anfangs September werde ich wieder nach Namibia zurückkehren.

Africa day in Utjiliro

Am 25. Mai wird in Afrika die Gründung der Organisation für afrikanische Einheit im Jahr 1963 gefeiert. Wir fuhren an diesem nationalen Feiertag nach Utjiliro. Utjiliro ist das Dorf, in dem unser Security Guard Muronga aufgewachsen ist. Seine Frau und die 3 Jungs verbrachten die 3-wöchigen Schulferien im ‚Village‘. Das Dorf liegt etwa 100 km entfernt von Rundu. Für die letzten 30 km 4×4 Piste durch den Busch benötigten wir gut 90 Minuten. In Utjiliro verfügt einzig die Lehrerin über ein Auto. Eine Mitfahrgelegenheit ist somit sehr begehrt. Öffentliche Verkehrsmittel sind in Namibia nur auf den Hauptverbindungsachsen vorhanden. Überall im ganzen Land sieht man daher Leute am Strassenrand, die ihr Glück mit Autostopp versuchen. Hält ein Auto an, wird ein Preis für die Strecke ausgehandelt. So beteiligen sich die Mitfahrer an den Transportkosten. Damit die Kinder wieder rechtzeitig zum Schulstart nach Rundu kommen, haben wir Muronga versprochen, seine Familie abzuholen. Als wir im Dorf ankamen, versammelte sich schnell die ganze Community. Besucher tief im Busch sind selten. Hier gibt es weder Strom noch Internet. Wasser beziehen die Menschen am einzigen Wasserhahn beim Bohrloch. Auch ein Telefonsignal ist nicht immer verfügbar beziehungsweise muss ‚gesucht‘ werden. Bei einer Führung durch das kleine Dorf unter der Leitung der Nichte von Muronga und ihrem Vater besichtigten wir unter anderem die Schule. Hier werden gegen 50 Schüler unterrichtet. Einige der Schüler kommen aus dem Nachbardorf. Da der Schulweg zu weit wäre, übernachten die Kinder auf dem Schulgelände in einem sogenannten Community Hostel. Dieses Hostel wird nicht vom Staat finanziert sondern die Kosten müssen von den Eltern getragen werden. Der Komfort ist bereits in den staatlichen Hostels sehr bescheiden. Doch der Anblick dieses Hostels stimmte uns dann schon eher traurig. Auch das übliche staatliche nationale school feeding program (NSFP), welches den Kindern eine warme Mahlzeit pro Tag garantiert, fällt in Utjiliro weg beziehungsweise muss ebenfalls von den Eltern gestemmt werden.

Gegen Mittag wollten wir den Heimweg unter die Räder nehmen. Natürlich wurde die günstige Gelegenheit für einen Transport benützt. Schnell war das Auto bis auf den letzten ‚Platz‘ gefüllt. 7 Erwachsene, 3 Kindern, 1 Huhn, Feuerholz, Kürbisse, Mais und verschiedenstes Gepäck fanden Platz in unserem Auto. Auch für den Polizisten am Checkpoint kurz vor Rundu war der Anblick ganz normal und so winkte er uns schnell durch.

Besser als 30 km durch den Sand wandern

Fussball in Afrika

Wir gehen in der Regel zweimal die Woche joggen. Im ersten Jahr oft auch durch das benachbarte Quartier Sauyemwa, welches zu Rundu’s ärmsten Vierteln zählt. Auf dieser Runde begleitete uns meist eine ganze Horde lachender kleiner Kinder. Seit Ausbruch von Corona entschlossen wir uns wegen einer allfälligen Ansteckung, unsere Runden ins nahe Fussballstadion des ansässigen Vereins Cuca Tops zu verlegen. Cuca Tops spielt in Namibias zweithöchsten Liga. Das Stadion ist in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Die Tribüne ist nahe am zusammen brechen, die Garderoben sind verlottert und Rasen gibt es auch keinen (mehr). Das Spielfeld besteht aus Sand, Staub und Steinen. Die Fussballtore haben keine Netze, Seitenlinien oder Eckfahnen sucht man vergebens. Trotzdem wird hier mit viel Enthusiasmus Fussball gespielt. Cuca Tops trainieren viermal die Woche, montags bis donnerstags. Trainingsbeginn ist nach Feierabend um ca. 17:20 Uhr. Trainiert wird aus Mangel einer funktionierenden Platzbeleuchtung bis Sonnenuntergang. Momentan bis ca. 18;30 Uhr. Es sind jeweils ca. 30 Spieler auf dem Platz. Zum Aufwärmen werden erst 2,3 Runden um dem Platz gedreht. Danach folgt eine Trainingseinheit von ca 20 Minuten. In Ermangelung an genügend Bällen erfolgt diese meist ohne Ball. Ein Schuss-oder ein Torhüter-Training wie bei uns in der Schweiz habe ich hier noch nie gesehen. Der Hauptteil des Trainings wird dem abschließenden Spiel gewidmet. Nur ca. die Hälfte der Spieler verfügen über eigentliche Fußballschuhe. Einige spielen in Turnschuhen oder Sneakers, Vereinzelte sogar Barfuss. Die meisten Spieler sind technisch versiert, sehr beweglich und schnell. Die Spiele sind wenig von Taktik geprägt. Der Spieler, der am Ball ist, sucht wenn immer möglich das Dribbling. Ein Zuspiel auf einen besser positionierten Spieler ist nur die zweite Option. Vielleicht ist dies genau der Grund, weshalb sich afrikanische Mannschaften bis heute noch nicht in der Weltspitze festsetzen konnten. An hervorragenden Individualisten fehlt es garantiert nicht. Die eigenen Bedürfnisse zugunsten des Team unter zu ordnen, den Erfolg des Teams an die erste Stelle zu setzen, scheint vielen schwer zu fallen. Gewisse Parallelen sehe ich hier auch im Berufsalltag, aber wir arbeiten daran.

Wohin des Weges?

Fragen über Fragen, die das Gewissen plagen

Wohin des Weges? Diese Frage stellten wir uns vor ziemlich genau 3 Jahren, nachdem wir das Job Assessment bei INTERTEAM erfolgreich durchlaufen hatten. Wir erhielten 3 Wochen Bedenkzeit, in der wir uns Gedanken machten, was für und was gegen einen Einsatz in der personellen Entwicklungsarbeit spricht. Während Rahel eher Mühe mit dieser Entscheidung hatte, war es für mich ziemlich schnell klar, dass ich dieses Abenteuer eingehen möchte. Nach 3 Jahren stehen wir nun wieder vor einer wichtigen Entscheidung. Unser Arbeitsvertrag läuft Ende 2021 aus. Schon Ende letzten Jahres war für uns klar, dass wir unseren Einsatz in Rundu nicht verlängern möchten. Die Arbeit hier ist und war für uns eine Bereicherung und eine sehr wertvolle Lebenserfahrung, andererseits aber ist es auch eine grosse Herausforderung. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Obwohl Namibia über 20 Prozent des Staatsbudgets in die Bildung steckt, fehlen die Mittel an allen Ecken und Enden. Die Infrastruktur ist vernachlässigt, es fehlt an Klassenzimmern, Stühlen und Tischen, Büchern und Schreibmaterial. 50 Schüler und mehr in einem Klassenzimmer, die teilweise am Boden sitzen muessen, sind keine Seltenheit. Gerade die Ausbildung der Basic Prevoc-Klassen ist sehr kostenintensiv, da für die praktische Ausbildung von z.B. Schreinern natürlich auch Maschinen und Material benötigt werden. Mittlerweile fliessen fast 90 % der Ausgaben in der Bildung in Löhne, Zulagen und Sozialabgaben. Der Anteil für operative oder bauliche Ausgaben wird Jahr für Jahr kleiner. Dies, weil Reformen auf der Personalkosten-Seite einen sehr (zu) schweren Stand haben und die Prioritäten beim Geld ausgeben (aus meiner Sicht) nicht immer Zielgruppen orientiert, sprich nicht immer zugunsten der Schüler sind. Nach über 2 Jahren hier in Rundu habe ich das Gefühl, dass ich meine Inputs zur Verbesserung der Situation deponieren und auch einige Erfolgserlebnisse verbuchen konnte. Darüber bin ich sehr dankbar. Jetzt ist die Zeit gekommen, meine angefangenen Arbeit hier abzugeben, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Input weiter geführt wird.

Dann ist ja alles klar, Ende 2021 Rückkehr in die Schweiz. Könnte man meinen, wenn da nicht das verlockende Angebot aus Windhoek wäre. Ms Karises, die Finanzchefin des Bildungsministeriums hat mir ein Angebot für einen Transfer nach Windhoek nach Ablauf meines Vertrages in Rundu gemacht. Mittlerweile habe ich bereits temporär je eine Woche im März und eine Woche im April im Hauptsitz gearbeitet. Dies ermöglichte mir einen Blick ins Tagesgeschäft zu werfen und verschiedene Ideen und Vorschläge einzubringen. Die Arbeit in der Zentrale wäre definitiv eine neue Herausforderung. Und eigentlich fühle ich mit mit knapp 59 Jahren auch noch fit, eine solche zu übernehmen. Trotzdem fällt mir die Entscheidung diesmal bedeutend schwerer als vor 3 Jahren. Für ein Bleiben in Namibia sprechen nebst den interessanten Aufgaben auch die Corona Situation, die hier in Namibia deutlich entspannter ist, als ich sie aus Europa mitbekomme. Auch das Freizeitangebot in der Hauptstadt und Umgebung hat einiges zu bieten. Nebst den kulturellen und sportlichen Veranstaltungen gibt es Badeseen, Berge zum Wandern oder Biken in der Nähe und auch das Meer ist nicht weit entfernt. Zudem sind die Jobaussichten für einen 59 – Jährigen in der Schweiz nicht gerade rosig und eigentlich fühle ich mich noch nicht reif für eine Frühpension. Wieso also nicht noch etwas länger in Namibia bleiben?

Vor drei Jahren hatte Rahel Mühe mit der Entscheidung, diesmal bin ich es. Damals hatten wir 3 Wochen Bedenkzeit, diesmal sind es noch 2 Monate.

Ostern im Caprivi

Am 21.3. feierte Namibia zum einunddreissigsten Mal den Unabhängigkeitstag. Da dieser auf einen Sonntag fiel, wurde der Feiertag am Montag kompensiert. Wir nutzten das verlängerte Wochenende mit einem Ausflug nach Divundu. Divundu liegt 200 km östlich von Rundu im sogenannten Caprivi Streifen. Hier biegt der Kavango Fluss Richtung Süden ab, nachdem er über einige hundert Kilometer ostwärts floss und die Grenze zu Angola bildete. Nach ca. 50 km erreicht er Botswana und versandetet später im Okavango Delta, eine der grossen Attraktionen für Tier- und Wildnis-Liebhaber in Botswana. In Divundu kenne ich mittlerweile fast alle Lodges, unter anderem auch wegen der Leadership-Workshop, die hier im Februar und März stattfanden. Die Lodges überbieten sich im Kampf um die wenigen Touristen mit Sonderangeboten. Und so leisten wir uns zwischendurch ein solches, anstelle der günstigeren Camping-Variante. In Divundu beginnt auch der Bwabwata Nationalpark, der sich bis ins 200 km östlich gelegene Kongola erstreckt. Speziell an diesem Park ist, dass mit Ausnahme der sogenannten Core-Areas in grossen Teilen des Parks die traditionellen Bevölkerungsgruppen leben. Auch die Wildtiere können sich frei bewegen und migrieren (auch ohne PCR-Test) je nach Jahreszeit zwischen den angrenzenden Ländern. Im Bwabwata findet man (wenn man Glück hat) nebst vielen anderen Tieren, 4 der 5 „big fives“, das sind Loewen, Leoparden, Elefanten und Büffel. Nur Nashörner gibt es hier im Norden keine. Ueber Ostern ging’s dann schon wieder Richtung Osten. Diesmal bis zur Namushasha Lodge zum Camping direkt am Kwandofluss, der später zum Linyanti und schließlich zum Chobe wird. Am Samstag unternahmen wir einen Gamedrive im Mudumu Nationalpark. Gemäss Register am Parkeingang waren wir die einzigen Gäste an diesem Tag. Die Dame an der Rezeption empfahl uns nur wenige Strecken des gut 700 km2 grossen Parks. Aber auch die uns empfohlenen Strecken waren teilweise sehr sandig und nur mit der Getriebeuntersetzung befahrbar. Am späten Nachmittag gönnten wir uns eine Flussfahrt auf einem der vielen Nebenarme des Kwandos, die hier in einer einmaligen Sumpflandschaft meandern. Nebst vielen Vögeln erfreuten wir uns auch an den Flusspferden und an der wunderbaren Abendstimmung.

Besuch aus Frankreich

Dieses Wochenende waren Morgane & Loic (https://moloavelo.wordpress.com/) für 3 Tage bei uns zu Gast. Das junge Paar aus Frankreich ist seit September letzten Jahres mit dem Fahrrad unterwegs. Bis Ende 2020 radelten sie durch verschiedene Länder Europas. Zwischendurch mussten sie dabei wegen geänderten Corona-Regeln fluchtartig ihr aktuelles Land wechseln. Im Januar flogen sie dann von der Türkei nach Nairobi in Kenia. Anschliessend bereisten sie Tansania und Sambia. Nach einem Besuch der berühmten Victoria Fälle rollten sie bei Katima Mulilo in Namibia ein. Über die Touren-Velo-Fahrer-Plattform warmshowers.org kontaktierten sie mich, und fragten ob wir sie für ein paar Tage beherbergen könnten. Ich habe mich vor meiner letzten grösseren Veloreise im 2018 auf dieser Plattform registriert. Sie dient Veloreisenden zum Austausch von Informationen, als Möglichkeit, Velofahrer zu beherbergen beziehungsweise als Tourenfahrer eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Während in Europa ein Überangebot an Gastgebern besteht, ist hier in Afrika die Anzahl der Gastgeber sehr bescheiden und beschränkt sich fast ausschließlich auf grössere Städte. Bis jetzt wurde ich von einzelnen Veloreisenden zur Lage in Namibia angefragt. Seit Ausbruch der Pandemie wurde es aber ziemlich ruhig auf dieser Plattform. Morgane und Loic waren nun die ersten Warmshowers-Gäste, die wir beherbergen durften. Für uns war es eine schöne Abwechslung, wieder Mal Gäste aus Europa zu haben und Morgane und Loic haben das weiche Bett und die warme Dusche sehr geschätzt.

Neue Aufgaben in Windhoek & Interteam Meeting im Etosha

Bei meinem letzten Einsatz für das Head Office im November hat mich die Finanzchefin gefragt, ob ich Interesse hätte, vermehrt ihre Abteilung zu unterstützen. Sie wünsche sich meinen Support vor allem in der Lohnbuchhaltung. Im Februar wurde ihre Anfrage konkreter und ich erhielt eine Einladung für einen Einsatz in Windhoek, jeweils eine Woche pro Monat für die restliche Zeit meines Vertrags. Am 28. Februar machte ich mich erstmals in dieser Mission auf den Weg. Nach einer ersten Sitzung wurden verschiedene Themenfelder eruiert, in welchen meine Unterstützung gewünscht wird. Nebst einem Weiterausbau des Monitorings und Reporting’s für die Lohnbuchhaltung sind es auch die Entwicklung von einheitlichen Buchhaltungs-Tools für alle Schulen im Land, inklusive einer Schulung der Verantwortlichen, ein einheitliches Ausgaben-Reporting-Tool für die 14 Regionen und verschiedene Controlling-Tools für die Zentrale. Nach einer ersten Priorisierung machte ich mich zusammen mit dem zuständigen Chefbuchhalter gleich an die Arbeit. Der Druck ist vor allem bei der Lohnbuchhaltung gross. Hier geht es einerseits um eine Qualitätssteigerung der Lohndaten. Immer noch fließt ungerechtfertigter weise Geld ab, zum Beispiel durch Doppel-Zahlungen. Andererseits aber auch um Betrugsbekämpfung. Anhand eines aktuellen Falls definierten wir die Kriterien für eine monatlichen Watch-List, mit welcher wir solche und ähnliche Fälle zukünftig schneller aufdecken können. Bei dieser Aufgabe konnte ich auf meine Erfahrungen bei meinen letzten Arbeitgeber zurückgreifen, wo wir ein vergleichbares Monitoring-Tool im Einsatz hatten. Die Woche verging wie im Flug und ich freue mich schon auf meinen nächsten Einsatz Mitte April.

Nach meiner Rückkehr nach Rundu ging es gleich wieder auf Reisen. Für letzte Woche war das Interteam-Halbjahres-Meeting angesagt. Doch erst verbrachten wir das Wochenende am Waterberg. Was für ein Unterschied zu unserem letzten Besuch hier im Oktober. Nach einer guten Regenzeit hat sich die Vegetation massiv verändert. Grün, soweit das Auge reicht. Und auch die Temperaturen waren angenehm und erlaubten es uns diesmal, die Wanderung auf das Plateau unter die Füsse zu nehmen.

Anschließend fuhren wir zum Etosha Safari Camp, wo unser diesjähriges Meeting stattfand. Hier konnten wir Beate und Nicole, unsere neuen Kolleginnen begrüssen, welche erst kürzlich ihre Arbeit in Namibia aufgenommen haben. Nebst dem fachlichen Austausch kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Der Höhepunkt waren aber die Löwen-Sichtungen auf unserem gemeinsamen Game Drive im Etosha Nationalpark.

Leadership Training, Hostel Einweihung & Regenzeit

Zur Zeit findet in unserer Region ein Leadership Training für neue Schulleiter (Principals) und Schul-Abteilungsleiter (Head of Departments) statt. Als Austragungsort wurde die Mahangu Safari Lodge auserkoren. Diese Lodge liegt direkt am Kavango Fluss im Osten unserer Region, an der Grenze zu Botswana. Durch den immer noch sehr bescheidenen internationalen Tourismus konnte mit den Besitzern der Lodge ein sehr guter Preis ausgehandelt werden. In 4 Blocks zu je 6 Tagen besuchen insgesamt 150 Führungskräfte diesen Workshop. Unser Direktor hat Pandu und mich gebeten, jeweils einen Nachmittag pro Block den Teilnehmern das Thema finanzielle Führung einer Schule näher zu bringen. Wir haben uns entschieden, nebst einem Theorie-Teil auch einen praktischen Teil durchzuführen. Für diesen habe ich ein einfaches Excel-Tool entwickelt, welches aus folgenden Arbeitsmappen besteht: Kassenbuch, Bankabstimmungstool, Barkassenregister, Budgetvorlage, Budget-Kontroll-Tool und einem Register für die Quittungsbücher. Hier in Namibia wird immer noch sehr viel handschriftlich gearbeitet obwohl Computer an vielen Schulen vorhanden sind. Unser Ziel ist es, den Verantwortlichen die Vorzüge der Technik aufzuzeigen. Nicht nur für die ausführende Person an den Schulen sondern auch für die Schulleitung, welche die Verantwortung für die Finanzen der Schule trägt und so monatlich schnell einen Überblick über den Stand der Finanzen erhält. Auch die Durchführung von internen und externen Kontrollen wird erleichert, das das Nacherfassen der Transaktionen wegfällt. Unsere erste Präsentation fand am letzten Donnerstag statt. Die Teilnehmer waren sehr engagiert und ich hatte den Eindruck, sie freuen sich, in Zukunft mit den neuen ‚Werkzeugen‘ arbeiten zu können. Beim Nachtessen auf der Veranda tauchte als krönender Abschluss des Tages auf der anderen Flussseite eine Herde von ca 20 Elefanten auf.

Am letzten Mittwoch fuhren wir nach Likwaterera, eine Schule im Inland, etwa 40 km südöstlich von Rundu. An diesem Tag fand die feierliche Einweihung eines neuen Hostels statt. Das Hostel bietet Platz für 84 Lernende, je 42 Mädchen und Jungs. Die Kosten für den Bau des Hostel, die komplett eingerichtete Küche und sämtliches Inventar, wie Betten, Matratzen, Tische, Bänke usw wurden von einem deutschen Gönner gespendet. Diese sicher reiche, aber auch sehr grosszügige Person hat mittlerweile schon sechs solche Projekte in verschiedenen Regionen Namibias finanziert. Die Gesamtkosten beliefen sich für dieses Projekt auf 6 Millionen Nam-Dollar, was knapp 400’000 CHF entspricht. Die Einweihung begann 10 Uhr mit diversen Ansprachen von Vertretern aus Politik, Dorfgemeinschaft, des Gönners und unseres Direktors, der die Schlüssel des Hostel symbolisch übernehmen durfte. Zwischen den Ansprachen wurde getanzt, getrommelt und gesungen. Nach der Besichtigung wurden alle Anwesenden verköstigt. Ein sehr schöner Anlass, welcher sich (nicht nur bei Rahel und mir) in der darauf folgenden Nacht mit Magen-Darmproblemen nochmals in Erinnerung rief.

In der diesjährigen Regenzeit fiel bis jetzt im ganzen Land überdurchschnittlich viel Regen. Dies wird in den sozialen Medien richtiggehend gefeiert. Wasser bedeutet Leben, Videos von vollen Staudämme, welche die Schleusen öffnen müssen, wunderbare Bilder von blühenden Wüsten, Fluten in Flüssen, die über Jahre kein Wasser mehr führten usw. Bei uns in Rundu regnet es seit anfangs Jahr praktisch täglich, was gut für unseren Garten ist. Aber ich freue mich langsam aber sicher auch wieder auf die trockenere Jahreszeit.