Wirtschaftliche Lage und Namibische Budgetierung

Seit ca 3 Jahren steckt Namibia und auch der grosse Nachbar Südafrika in einer Rezession. Gemäß den letzten Zahlen vom Juni 2019 betrug das Wachstum -2.6 %. Die Wirtschaft schrumpft also und somit auch die Staatseinnahmen. Nebst der aussergewöhnlich hohen Arbeitslosenrate von ca. 35 % (Jugendarbeitslosigkeit fast 50 %) ist die wachsende Staatsverschuldung ein weiteres grosses Problem in Namibia. Diese hat sich in den letzten 8 Jahren versechsfacht und beträgt zur Zeit ca 46 % des Bruttosozialproduktes. Der Wert in % ist international gesehen akzeptabel, die Entwicklung hingegen ist alarmierend und führt zu einem schlechteren Rating und somit zu höheren Schuldzinsen. Der Anteil der Staatsausgaben für Gehälter ist in Namibia ebenfalls sehr hoch. Ein grosser Teil des Staatshaushaltes fliesst in die Löhne und nicht in Infrastruktur wie Schulen, Strassen, Wasserreservoirs usw. Zu der allgemein schlechten Lage kam in diesem Jahr noch die Dürre hinzu. Mit der schlechten wirtschaftlichen Lage hat sich auch die Arbeit in den Ministerien verändert. Unsere Kollegen erzählen uns von den guten alten Zeiten in denen man Workshops an der Küste und an anderen schönen Orten Namibias veranstaltete; Transport, Kost und Logis alles inklusive. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. An der letzten Budget-Konferenz im März erhielten die Regionen für einige grössere Ausgabenpositionen nur 50 % des Jahresbudgets. Ob und wie viel die Regionen für die zweite Jahreshälfte erhalten, sollte anlässlich der Oktober-Konferenz kommuniziert werden. Diese fand letzte Woche statt. Eingeladen waren alle Direktoren, sowie die Finanz- und die Personalchefs aller Regionen. Ich war natürlich sehr gespannt auf die Ergebnisse dieser Konferenz. Heute teilte mir dann Pandu mit, dass unser Budget nicht aufgestockt werde. Begründet wurde dies mit den anstehenden Ausgaben für die nationalen Wahlen im November. Für uns heisst das konkret, dass wir den Gürtel massiv enger schnallen müssen und nur noch Geld für die aller notwendigsten Ausgaben wie zum Beispiel für Strom, Wasser, das nationale Essens-Programm (national school feeding program) und den Betrieb der Hostels aufwenden können. Alle übrigen Budgetposten, wie zum Beispiel Workshops, Dienstreisen, Ersatz von Möbeln, Matratzen in den Hostels oder die Bewachung der Schulen durch den Sicherheitsdienst müssen überdacht und mindestens teilweise oder ganz gestrichen werden. Als erstes haben wir uns die Handyrechnung des Direktorates vorgenommen. Und tatsächlich sind wir auf einige Nummern gestossen, die nicht mehr benötigt und somit gekündigt werden können. Diese Einsparungen sind zwar nur ein Tropfen auf einen heissen Stein, aber viele Brösmeli geben auch einen Pfünder.

Diese Tage erhielt ich eine Postkarte aus der Schweiz, die einen Umweg über Burma hinter sich hatte. Interessant ist, dass die Karte bis Burma nur 8 Tage benötigte. Von Burma bis Namibia war sie dann 2 Monate unterwegs. Hat mich trotzdem riesig gefreut. Vielen Dank an den Stamm der Sportgruppe Post!

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