Ein Jahr Namibia

Seit 11.1.2019 leben wir nun in Namibia. Zeit für eine Zwischenbilanz. Die ersten Monate waren eine spannende Zeit. Wir lernten viele neue Menschen kennen. Eine für uns unbekannte neue Kultur. Wir bezogen in Rundu unser schönes Haus mit Umschwung ganz in der Nähe unseres Arbeitsplatzes. Wir hatten Zeit, uns ein Bild zu machen über den Arbeitsalltag und unsere neuen Aufgaben im Direktorat und uns im neuen Umfeld einzuleben.

Was waren die Highlights des ersten Jahres?

Ein Highlight war für mich die Möglichkeit, zusammen mit meiner Interteam-Kollegin Christina die landesweite Payroll-Verification für alle 40000 Mitarbeiter des Bildungswesens in Namibia organisieren zu dürfen. Wir erhielten positive Rückmeldungen vom Ministerium aber auch von anderen Regionen. Auch das Ergebnis lies sich sehen. Konnten doch diverse ‚Schlupflöcher‘ geschlossen und somit Millionen an Namibian Dollars eingespart werden. Dieser Erfolg hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich mittlerweile monatlich sämtliche Lohndaten des Bildungsministeriums erhalte. Ich hatte diese ursprünglich beim Chefbuchhalter in Windhoek bestellt, um die Daten für den Aufbau einer Personaldatenbank in unserer Region nutzen zu können. Mittlerweile nutzen wir die Daten aber auch für die Verbesserung der Qualität der Lohndaten. Mithilfe von Hinweisen von Arbeitskolleg-innen haben wir verschiedene Fehler entdeckt. Zum Beispiel Doppel-Zahlungen von Zulagen die versehentlich teilweise bereits seit Jahren ausgerichtet wurden oder Lohnzahlungen für temporäre Angestellte, die nach Vertragsende nicht gestoppt wurden. Ich erhoffe mir, dass die einsparten Mittel zukünftig vermehrt unserer Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen zugute kommt. Sehr motivierend ist für mich auch, dass meine Fach-Kenntnisse von meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen geschätzt werden. Es kommt immer häufiger vor, dass Mitarbeiter von Finanzen und HR aber auch von anderen Abteilungen mich um meinen Rat fragen. Für mich ist das auch ein Vertrauensbeweis. Allgemein empfinde ich die Zusammenarbeit mit meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen als sehr angenehm.

Nebst dem Besuch anlässlich des 80. Geburtstags meiner Mutter in der Schweiz und dem Wiedersehen mit unseren Liebsten durften wir auch in unserer Freizeit sehr viele schöne Momente erleben. An erster Stelle sind die diversen Ausflüge in verschiedene Parks mit den Begegnungen mit den Tieren, die hier in freier Wildbahn leben. Aber auch die sehr speziellen Wüsten- und Steppen-und Küsten-Landschaften in den südlicheren Teilen Namibias haben eine grosse Anziehungskraft. Die unberührte Natur und die sehr dünne Besiedelung dieses Landes machen Namibia zu einem Paradies für Camping-Freunde. Unvergesslich wird auch unser Trip nach Kapstadt über die Feiertage bleiben.

Gab es auch schwierige Momente?

Mühe habe ich zum Teil, wie hier mit den knappen Ressourcen umgegangen wird. Wir bereits berichtet, haben wir für dieses Finanzjahr deutliche Budgetkürzungen in Kauf nehmen müssen. Dies erforderte diverse Sparmaßnahmen wie zum Beispiel der Reduktion der Sicherheitsdienste bei den Schulen. Wenn es aber um Einsparungen bei Spesen oder anderen fringe benefits des Personals geht, wird es harzig. Hier sind nur wenige bereit, ihren Teil beizutragen. Allgemein herrscht teilweise eine gewisse Selbstbedienungs-Mentalität. Beispielsweise bei der Verwendung von Dienstfahrzeugen für den privaten Gebrauch. Gerade die Staatsangestellten sind hier privilegiert. Die guten Löhne und die Lohnnebenleistungen lassen sicher ein sorgenfreies Leben zu. Ganz anders sieht es bei den ca. 35 % Arbeitslosen aus, die sich als Tagelöhner versuchen durchs Leben zu schlagen und sich nicht getrauen, die Schulgebühren nicht zu bezahlen. Dazu muss man wissen, dass in Namibia die obligatorische Schulbildung eigentlich kostenlos ist. Wegen der angespannten finanziellen Situation versuchen aber die Schulleiter bei den Eltern (freiwillige) Schulgebühren einzuziehen welche gerade die weniger Privilegierten aus Angst, Scham oder falschem Stolz trotzdem bezahlen.

Der Finanzminister hat kürzlich angetönt, dass auch beim Staat dringend Reformen nötig seien aber Taten sind bis jetzt noch keine in Sichtweite. Es scheint politisch ein sehr schwieriges Thema zu sein. Viele Politiker scheinen sich hier auch von den fast allmächtigen Gewerkschaften zu fürchten. Zu Gunsten der Kinder Namibias hoffe ich hier aber auf ein Umdenken.

Ansonsten gefällt mir mein Leben hier weiterhin. Nach der letztjährigen Dürreperiode regnet es in dieser Regenzeit bis jetzt glücklicherweise reichlich. Zumindest hier im Norden. Dies ist eine Wohltat für Mensch und Tier. Der Kavango führt zur Zeit Hochwasser. Mais und Hirse wachsen. Auch in unserem Garten grünt es wieder. Und die Temperaturen sind einiges erträglicher da der Regen immer auch etwas Abkühlung bringt.

Wir sind gespannt, was uns das 2. Jahr in Namibia bringen wird.

Kavango mit Hochwasser

3 Gedanken zu „Ein Jahr Namibia“

  1. Lieber Paps, liebe Rahel,

    sehr interessanter Beitrag! Es freut uns, dass ihr ein gutes Jahr hattet und euch gut integrieren konntet. Wir hoffen, dass das nächste Jahr genauso gut wird und freuen uns euch bald(?) wieder zu sehen. 🙂

    Weiterhin alles Gute und ganz liebe Grüsse,

    Laura, Noel, Maja & Martin

  2. Habe soeben euren Jahresbericht gelesen. Freut uns, dass es euch gefällt und gesund seid. Dies dürfen auch wir mitteilen. Hoffen auch im zweiten Jahr einiges von euch zu erfahren, ist immer interessant. Nun grüssen wir euch herzlich und mached‘s guet. Tante und Onkel aus Widnau

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