Wandern in Namibia

Da die Grenzen weiterhin geschlossen sind, haben wir uns dieses Jahr für Wanderferien in Namibia entschieden. Auf dem Weg in die Wandergebiete im Süden und in Zentralnamibia schalteten wir zuerst einen Zwischenstopp im Etosha Nationalpark ein. Die erste Nacht verbrachten wir in der neu eröffneten King Nehale Lodge von Gondwana. Diese liegt direkt am Nordeingang zum Nationalpark. Im Eröffnungsmonat bot die Lodge einen Preisnachlass von 15 % an. Und dieser galt zusätzlich auch für die Gondwana-Mitglieder, welche von einem 50 % Rabatt profitieren. Die Mitgliedschaft haben wir bereits nach unserer Einreise erworben und ist für die ganze Dauer unserer Aufenthaltsbewilligung gültig. Gondwana bietet an den schönsten Ecken des Landes Lodges und Campingplätze an und wir haben in der Zwischenzeit schon verschiedentlich von diesem Angebot profitieren können. Erstaunlicherweise war die Lodge ziemlich gut gebucht. Das lag einerseits sicher am Eröffnungsangebot, andererseits auch daran, dass wir an einem Wochenende dort waren. Für den Rest unserer Ferien waren wir meist die einzigen Gäste. August ist normalerweise absolute Hauptsaison in Namibia. Die geschlossenen Grenzen und somit die fehlenden Touristen sind für die Touristikbranche in Namibia ein grosses Problem. Die fehlenden Einnahmen führen zwangsweise zu Entlassungen und einige Betriebe mussten leider ihre Tore bereits für immer schließen. Während den nächsten 2 Tagen durchquerten wir den riesigen Park (halb so gross wie die Schweiz) von Norden nach Süden und kamen in den Genuss von sehr vielen Tiersichtungen. Speziell beeindruckt haben uns diesmal die riesigen Zebraherden. Einmal beobachteten wir hunderte von Zebras, die sich in Einerkolonne zum Wasserloch bewegten. Dank der guten Regenzeit war auch die Landschaft reizvoller als im letzten Jahr.

Nach einem Zwischenstopp in Windhoek, ging die Fahrt weiter zum Fishriver Canyon. Dieser liegt ganz im Süden Namibias und bildet die Grenze zu Südafrika. Ab Windhoek begleitete uns Cindy, unsere Interteam-Kollegin aus Katima Mulilo. Unser erstes ‚Projekt‘ im Canyon war der Klipspringer Trail. Bei dieser 3-Tages-Wanderung mit Gepäcktransport wird man vom Anbieter der Tour nach der ersten Übernachtung im Base-camp am Rand des Canyons abgesetzt. Auf der Wanderung haben wir 3 Tage lang keinen Menschen gesehen. Ein Camp war an einer Felswand im Canyon gelegen und erinnerte mich ein wenig an den Aescher, die anderen zwei Camps lagen jeweils oben, an der Kante des Canyons mit phantastischen Weitblicken.

Camp Battlesnake
Camp Koelkrans
Camp Horseshoe
Sicht aus der Openair Dusche

Für die zweite Wanderung im Canyon wechselten wir auf die andere Seite des Canyon. Die Autofahrt dauerte über drei Stunden, was einiges über die Ausmasse dieses weltweit zweit grössten Canyons aussagt. Hier hatten wir eine geführte dreitägige Tour gebucht. Diese war dank des sogenannten „local lekker“ Angebots ebenfalls erschwinglich. Auch auf dieser Wanderung waren wir die einzigen Menschen weit und breit. Unser Guide Wilhelm vermittelte uns viel Wissenswertes zu Flora und Fauna dieser Region. So entdeckten wir unter anderem frische Leopardenspuren, Dung von Spitzmaul-Nashörnern oder erfuhren, aus welchen Pflanzen die San (Bush-Männer) ihr Gift für die Jagd mit Pfeil und Bogen gewinnen. Tagsüber herrschten ideale Wandtemperaturen (im Canyon darf nur von April bis September gewandert werden). Nachts kühlte es jeweils stark ab und wir trotzten dem starken Wind während des Nachtessens unter freiem Himmel ausgerüstet mit Bettflaschen und Ponchos.

Camp Eternity
Mondaufgang über dem Canyon
gut haben wir die warmen Kleider dabei
im Aufstieg zum Camp Edge

Über Helmeringhausen und die Maltahöhe ging es anschließend wieder nordwärts in den Namib Naukluft Nationalpark. Eigentlich wollten wir hier 2 Nächte verbringen. Eine unliebsame Begegnung mit einem ausgewachsenen Pavian veranlasste uns aber, unsere Pläne kurzfristig zu ändern. Bereits am ersten Abend stibitzte er einen ganzen Salat und einige Kartoffeln. Am nächsten Morgen riss uns ein Scheppern aus dem Schlaf. Als wir aus dem Zelt krochen, sahen wir das Tier in unserem Auto. Es war ihm tatsächlich gelungen, die verschlossene Heckklappe unseres Pickups zu öffnen. Unsere Kochkiste hatte er bereits aus dem Auto gewuchtet. Mit Geschrei und ein paar gezielten Steinwürfen gelang es uns, ihn doch noch zu vertreiben. Den Olivetrail ließen wir uns aber nicht entgehen. Anschließend fuhren wir weiter in ein sichereres Camp.

Schlüsselstelle am Olivetrail, Rahel übernimmt den ‚Vorstieg‘
Ruhe vor dem Sturm

Ein weiterer Aufreger folgte am nächsten Tag. Auf der Fahrt auf einer einsamen Schotterstraße wurden wir plötzlich von einem in horrendem Tempo fahrenden Pickup überholt und in eine dicke Staubwolke eingehüllt. Als sich die Wolke legte, stand der Pickup parkiert am Straßenrand und 4 Männer in Militäruniform und einer in zivil, bewaffnet mit Maschinenpistolen, winkten uns zu sich. Das fehlende Nummernschild fiel mir sofort auf und ein ungutes Gefühl beschlich mich. Die ganze Aktion stellte sich glücklicherweise als harmlose Kontrolle heraus und die Fahrt ins Erongo Gebirge konnte weitergehen. In der Ameib Lodge verbrachten wir die letzten zwei Nächte, bevor es zurück nach Rundu ging. Diese Lodge liegt in einem 180 000 ha großen privaten Park. Hier erkundeten wir auf einer Tagestour unter anderem eine Höhle mit uralten Wandmalereien und bestiegen, nachdem wir die verloren gegangene Cindy wieder gefunden hatten, über einen netten Klettersteig auch noch den Elephant Head.

Philipps Cave
im Aufstieg zum Elephant Head

Halbzeit

Anfangs Juli sind wir 18 Monate in Namibia und somit ist die Hälfte unserer Vertragszeit schon vorüber. Rückblickend ist die Zeit wie im Flug vergangen. Spannend waren natürlich die ersten Monate, wo einfach alles neu war. Neues Land und Klima, neue Menschen, neue Arbeitskollegen und Nachbarn und eine neue Kultur, die auch nach anderthalb Jahren immer noch ab und zu Fragezeichen aufwirft. In unserem zweiten Jahr kam aber doch etwas Routine in unser Leben und es gab oder gibt auch immer mal Tage oder Wochen, die sich etwas in die Länge ziehen. Wie zum Beispiel anfangs Jahr, als viele Kollegen noch im Sommerurlaub waren und der Betrieb im Direktorat auf Sparflamme lief. Oder auch wenn meine Ideen auf Veränderungen wohl auf Wohlwollen stoßen, sobald es aber an die Umsetzung geht, dann doch keine hohe Priorität mehr haben. Solche Zeiten muss ich akzeptieren und es gibt zum Glück auch andere, in denen ich das Gefühl habe, etwas bewegen zu können. Oftmals sind es kleine Dinge. Aber Freude auch an kleinen Dingen zu haben, ist etwas was ich hier auch gelernt habe. Als grosse Herausforderung empfinde ich es, nicht in den hier weit verbreiteten Trott zu fallen. Nämlich die Pendenzen oder Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe, vor mich her zu schieben. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass hier nichts wirklich dringend ist. Muss doch mal etwas ’sofort‘ erledigt werden, verfällt deswegen niemand in Stress. Das hat sicher auch damit zu tun, dass es kaum Konsequenzen hat, wenn ein Auftrag verspätet oder auch nicht erledigt wird. Ich versuche mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag zu gehen. So bekomme ich immer wieder mit, wo der Schuh drückt und wo Unterstützung dankbar angenommen wird. Solche kleine Erfolgsmomente helfen auch durch etwas schwierigere Zeiten.

Ein grosser Pluspunkt, den Namibia und auch die angrenzenden Länder (die wir Corona-bedingt momentan leider nicht besuchen können) zu bieten haben, sind die vielfältigen Naturerlebnisse. Auch wenn die zurückzulegenden Distanzen teilweise gross sind, ist oftmals bereits die Anreise ein Erlebnis. Die in der Regel gut ausgebauten Strassen führen meist durch menschenleere Gegenden. Stattdessen sieht man oft Wildtiere. Am häufigsten Strausse, Warzenschweine, Affen oder verschiedene Antilopen-Arten. Wenn man Glück hat, können es gerade hier im Norden auch mal Elefanten sein. Da sind auch die vielen National-Parks mit ihrer Flora und Fauna, die Steppen, Canyons und Wüsten mit ihren riesigen teils roten Sanddünen, die an der Westküste steil direkt zum Meer abfallen und die grosse Auswahl an genialen Camps im ganzen Land. Auch wenn wir in den letzten 18 Monaten schon einige Gegenden erkunden konnten, gibt es immer noch viele weiße Flecken auf der Landkarte, die es zu entdecken gilt. Wir freuen uns schon auf den nächsten Trip, der uns in den Süden Namibias führen wird.

Nachwuchs bei Muronga’s

Anfangs Juni gebar Anna, die Frau unseres ehemaligen Security Guards ihr drittes Kind. Thomas Tjakamba heisst der jüngste Spross. Das grösste Ziel von Vater Tjakamba Muronga war, dass seine Frau noch vor der Geburt über eine Toilette und eine Dusche auf dem eigenen Grundstück verfügt. Das ist in den informellen Siedlungen am Stadtrand von Rundu auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Viele der Bewohner müssen ihr „Geschäft“ irgendwo im Busch erledigen. Abgesehen von den hygienischen Aspekten ist das für eine hochschwangere Frau beschwerlich und teilweise auch gefährlich, da sich im Busch doch die einen oder anderen Tierchen tummeln. Da Tjakamba im letzten November wegen den Sparmassnahmen der Regierung seinen Job verlor, schien sein Ziel in nächster Zeit ausser Reichweite zu sein. Mit Gelegenheitsjobs konnte er sich gerade das Nötigste für den Lebensunterhalt verdienen. Zum Abschluss der angefangen Arbeiten fehlten ein paar Laufmeter Wellblech, einige Holzbalken und der Deckel des Bschütti-Kastens musste noch betoniert werden. Als ich die Geschichte im März unseren Besuchern aus der Schweiz erzählte, waren sie spontan bereit, die Familie zu unterstützen. Dank ihrer Hilfe konnte Muronga sein Ziel doch noch rechtzeitig erreichen.

Thomas Tjakamba Muronga
mit Mutter Anna

Ein etwas anderer Maibummel

Seit anfangs Mai sind Reisen innerhalb Namibias wieder gestattet. Restaurants bieten weiterhin nur Take away an. Alkoholverkauf ist immer noch untersagt. Diese Ausgangslage ist perfekt für einen etwas anderen Maibummel. Die Interteamler aus Katima Mulilo und Rundu nutzten das lange Wochenende über Auffahrt für einen Ausflug in die Wildnis. Der Khaudum Nationalpark war das Ziel. Bereits letztes Jahr erkundeten wir den Norden dieses knapp 4000 km2 großen Parks. Er gilt als der Wildeste in Namibia und liegt an der Grenze zu Botswana. Der Park und auch das Camp ist nicht eingezäunt. Die Tiere können sich frei bewegen und wechseln je nach Jahreszeit auch mal die Landesgrenze. Am Donnerstag fuhren wir zuerst knapp 200 km südwärts auf der A8 und anschließend auf einer Piste etwa 170 km östlich nach Tsumkwe, ein kleiner Ort im Land der San. Glücklicherweise war die Tankstelle bedient. Von hier ging es weiter zum Elephant Song Camp, einem einfachen Camp ohne Strom aber mit (kaltem) Wasser.

Am Freitag fuhren wir nochmals 25 km bis zum Südeingang des Khaudum Parks. Bei der Registrierung am Parkeingang trafen wir noch einige andere Abenteuerlustige. In der südlichen Hälfte des Parks sind die Wege während der Trockenzeit gut befahrbar. Unser heutiges Ziel lag aber ca 100 km nördlich. Das Khaudum Camp. Zur Zeit das einzige offene Camp innerhalb des Parks. Die ersten 50 km bis zum Wasserloch in Dussi waren fahrtechnisch wenig anspruchsvoll. Dies änderte sich nach Dussi schlagartig. Ab hier führte die Strecke meist durch deep sand, also sehr sandige Pisten, welche von den Fahrzeugen und teilweise auch von den Passagieren alles abverlangte. Ein hoher Radstand und eine Getriebeuntersetzung sind hier Pflicht. Eine Schaufel für den Fall, dass man doch mal stecken bleibt, gehört ebenfalls dazu. Und solche Fälle trafen in den nächsten Tagen gleich mehrfach ein.

Abends um 5 kamen dann auch die Nachzügler glücklich im Khaudum Camp an. Auch dieses Camp ist sehr einfach eingerichtet und ebenfalls ohne Strom aber mit einer herrlichen Aussicht auf eine weite Ebene. Im Camp befindet sich auch ein Aussichtsturm, für dessen Besteigung aus Mangel an Geländern allerdings Schwindelfreiheit eine Voraussetzung ist.

Nach einem Ruhetag mit einem kleinen Ausflug zu einem nahe gelegenen Wasserloch fuhren wir am Sonntag nochmals ca 60 km durch tiefen Sand zur Leu Pan und zurück. Löwen sahen wir an diesem Tag keine, aber auch dieser Tag war abenteuerlich und verging wie im Flug.

Oryx
Ground Hornbill
Leu Pan

Am Montag hieß es Abschied nehmen vom Khaudum, aber noch nicht vom tiefen Sand. Ab dem nördlichen Parkausgang fuhren wir nochmals 50 km durch sehr anspruchsvolles Gelände. Immer wieder durch tiefen Sand, links und rechts gesäumt von Büschen und Bäumen. Mittlerweile gibt es an ganz sandigen Stellen Ausweich-Strecken. Man braucht aber eine sehr kurze Reaktionszeit um diese zu entdecken, da sie nicht ausgeschildert sind. Wen man sie verpasst, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf eine nächste Abbiege-Möglichkeit zu hoffen. Denn Anhalten bedeutet hier in der Regel, dass man stecken bleibt.

Wir benötigten für diese 50 km knapp 4 Stunden, davon etwa eine Stunde fürs Schaufeln. Wir waren alle glücklich, als wie aus dem Nichts die Teerstraße auftauchte und auch etwas stolz, dass wir es gemeinsam und heil bis hierher geschafft hatten.

INTER-Team-Event

Aktuelle Situation in Namibia

Die Ereignisse der letzten Wochen:

14.3.2020: die ersten 2 Corona-Fälle in Namibia werden bekannt

27.03.2020: Lock-down, nur noch Lebensmittelgeschäfte sind offen, Home Office, kein Alkoholverkauf, Reisen nur noch innerhalb der Region möglich

Kaum hatten wir die ersten Corona-Fälle in Namibia, erließ der Staat drastische Maßnahmen. Schulen und Grenzen wurden geschlossen und die ganze Wirtschaft heruntergefahren. Dies hat sicher dazu beigetragen, dass sich das Virus nicht gross ausbreiten konnte. Wir haben hier nur 16 bestätigte Fälle und keine Tote zu beklagen. Dies bei ca. 1000 vorgenommenen Tests. Persönlich bin ich bezüglich der schwerwiegenden Maßnahmen hin und her gerissen. Angesichts der wenigen Fälle finde ich sie übertrieben. Auch wenn man die wirtschaftlichen Folgen in Betracht zieht. Hier gibt es keine großzügigen Hilfspakete für die Wirtschaft und die bereits hohe Arbeitslosigkeit erhöhte sich schlagartig um 10 % zu und bewegt sich zur Zeit auf geschätzte 40 % bis 50 %. Menschen, die im informellen Sektor arbeiteten, zum Beispiel Straßenverkäufer, erhielten eine einmalige Zahlung von 750 namibischen Dollar, was knapp 50 CHF entspricht. Das reicht, um einer 4-köpfigen Familie einen Monat ein minimales Überleben zu sichern. Was danach kommt, ist ungewiss. Andererseits finde ich die Maßnahmen gut. Das Gesundheitssystem in Namibia ist bereits in normalen Zeiten überlastet und alles andere als auf dem neuesten Stand. Stundenlange Wartezeiten im Spital (Arztpraxen sind sehr selten) sind an der Tagesordnung. Nicht auszudenken, wie es bei einem grösseren Ausbruch einer Pandemie aussehen würde. Wir haben uns einen Vorrat an Medikamenten zugelegt damit wir uns im Notfall selbst versorgen könnten.   Seit 5.5. sind wir im Stage 2 von 4. Nach 5 Wochen im Home Office durften wir wieder zurück ins Büro und auch Reisen innerhalb Namibias sind wieder möglich. Im öffentlichen Raum müssen Masken getragen werden. Bei nicht befolgen droht eine Busse von 2000 Namibischen Dollar. Schulen, Hotels & Restaurants bleiben weiterhin geschlossen. Die Lehrer nehmen am 11.5. ihren Dienst wieder auf. An ein E-Learning wie in der Schweiz ist hier nicht zu denken. Nur ca 2 % der Schüler verfügen über Internetzugang und / oder ein Internet taugliches Gerät. Und auch die EDV-Skills der Lehrpersonen sind mehrheitlich auf einem bescheidenen Niveau. Die Lehrer werden nun Aufgabenblätter für die Schüler vorbereiten, welche diese in der Schule abholen und dann zu Hause lösen können. Der Face to Face Unterricht wird voraussichtlich am 3.8. wieder aufgenommen und das Schuljahr endet anfangs Mai 2021 anstatt im Dezember 2020. Grenzöffnungen sind frühstens im Stage 4 ab Anfang Juli ein Thema. Dies wäre für den Tourismus in Namibia enorm wichtig. Macht diese Branche doch ca. 15 % des Bruttosozialproduktes aus und ist neben dem Staat vermutlich der grössten Arbeitgeber des Landes.

Management Sitzung im Direktorat

Persönlich hat diese Zeit auch positive Aspekte. Ich habe mehr Zeit mich mit mir selber zu beschäftigen, was gleichzeitig auch eine Herausforderung ist. Das Freizeitangebot in und um Rundu ist eher bescheiden. Wenn auch noch die Reisemöglichkeiten wegfallen, wird das Angebot noch überschaubarer. Wir hatten ja schon fast eineinhalb Jahre Zeit uns auf diese Situation einzustellen und so waren wir schon etwas vorbereitet. Im Verlauf der Zeit sind einige neue Hobbies dazugekommen, die wir in den letzten Wochen vermehrt ausüben können. Joggen, Fahrradfahren und Spazieren geht fast überall auf dieser Welt und wurden hier glücklicherweise nicht eingeschränkt. Gartenarbeit ist sehr befriedigend, da man nach getaner Arbeit die Früchte bzw. das Gemüse ernten kann. Ähnlich ist es beim Malen oder Nähen. Noch nie habe ich soviel gelesen wie hier in Namibia und mit Internet ist die Verbindung zur ganzen Welt hergestellt. Und ich habe gelernt, dass ich nicht für Home Office geboren wurde.

Ende der Regenzeit
Ende der Regenzeit
mit Lock down Bart

Besuch aus der Schweiz in Zeiten von Corona

Am Abreisetag unserer ersten Besucher aus der Schweiz werden in Namibia die ersten zwei positiv getesteten Corona-Fälle bekannt. An diesem Samstag Vormittag erhalte ich über unseren WhatsApp-Management Chat die gleich sehr restriktiven Massnahmen der namibischen Regierung. Unter anderem werden per sofort sämtliche Schulen für einen Monat geschlossen und alle Direktflüge von und nach Europa gestrichen. In einem solchen sollten meine Freunde am Sonntag in Windhoek ankommen. Als ich ihnen diese Nachricht weiterleite, sind sie bereits auf dem Weg zum Flughafen. Nach einigen Stunden überlegen und abwägen der Möglichkeiten entschliessen sie sich für das Angebot der Fluggesellschaft und nehmen einen Flug über Johannesburg nach Windhoek. Die Einreise via Südafrika ist noch möglich. Nach der Übernahme des Camping-Fahrzeugs inkl. 2 Dachzelten geht die Reise über den Erindi Game Park und Waterberg nach Rundu. Ab hier macht uns Corona den zweiten Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollten wir die Victoria Fälle besichtigen. Die Einreise nach Botswana ist mittlerweile für Reisende aus dem Schengen Raum nicht mehr möglich. Da es in Namibia genügend Ausweichmöglichkeiten gibt, ist das aber nicht weiter schlimm. Wir verbringen zwei Tage in einer schönen Lodge im Babwata Nationalpark. Die erste Nacht in einem luxuriösen Camp2Go, einem komplett eingerichteten Zelt mit allem was man braucht. Die zweite auf einem sehr schönen Camp in unseren Dachzelten direkt am Fluss Kwando. Die Flusspferde, die wir nachts hörten, sahen wir am Tag darauf gleich dutzendweise. Erst auf dem Spatziergang dem Fluss entlang und später auf der Flussfahrt mit dem Boot der Lodge. Auf dem Gamedrive (geführte Fahrt durch den Nationalpark) sahen wir hingegen nur wenige Tiere. Dies bedingt dadurch, dass die Tiere während der Regenzeit genügend Wasser finden und deshalb nicht zwingend an den Fluss müssen.

Camp2Go Namushasha Lodge
Python hinter dem Zelt
Internationale Kooperation
Hippos im Kwando

Am nächsten Tag reisen wir weiter an den Zambezi Fluss, der sich ca 100 km weiter östlich die Victoria Fälle hinunter stürzt. Bei den momentan grossen Wassermengen sicher ein riesen Spektakel. Hier wollen wir wegen der etwas schlechteren Wetteraussichten ebenfalls 2 Nächte verbringen. Am zweiten Tag fahren wir nach Katima Mulilo, die Hauptsadt der Zambezi Region. Leider kommt es hier zu einer höchst unangenehmen Erfahrung für uns alle. Diebe schlagen kräftig zu und nehmen uns sämtliche Wertsachen ab. Eine kleine Mitschuld tragen wir selber indem wir etwas zu leichtsinnig waren und für uns gewöhnlicherweise selbstverständliche Sicherheitsmassnahmen ausser acht liessen. Glück im Unglück haben wir dann doch noch. Zum einen hatte ich mein Handy noch und konnte so sofort Alarm schlagen. Zum anderen arbeiten 2 Kolleginnen von Interteam in Katima wo wir uns für die nächsten 2 Nächte einquartieren durften bis all die administrativen Angelegenheiten erledigt waren. Speziell in Erinnerung bleiben wird uns die Aufnahme der Anzeigen bei der Polizei, die fast einen ganzen Tag in Anspruch nahm und unsere Geduld zwischenzeitlich etwas strapazierte.

da braut sich etwas zusammen
Openmarket Katima Mulio
Spuren einer lehrreichen Erfahrung

In diesen Tagen spitzte sich die Lage bezüglich Corona weiter zu. Martin, unser Landesprogrammleiter versorgte uns laufend mit den relevanten Informationen. Die Gefahr, dass meine Kollegen in Namibia „stranden“, stieg. Als uns Martin informierte, dass ab 27.3. Schweizer Touristen mit Flügen, die die deutsche Botschaft organisiert hat, mitfliegen dürfen, war der Entscheid zum Abruch der Reise gefallen. Sehr schade, dass diese Reise so enden musste. In Anbetracht der Umstände wohl aber die richtige Entscheidung.

Unsere Freunde schafften es gerade noch nach Windhoek. Seit 27.3. befinden sich die Regionen Khomas und Erongo im Lockdown und somit sind Reisen in diesen Regionen stark eingeschränkt. Seit 3 Tagen stecken sie in Windhoek fest. Immerhin sind sie in der Nähe des Flughafens. Heute hätten sie ausreisen sollen. Leider waren nur noch zwei Plätze übrig. Daher entschieden sie, alle oder keiner. Die Ausreise sollte nun am 30.3. klappen. Wir drücken die Daumen.

Unsere persönliche Situation in Rundu sieht wie folgt aus: Seit 27.3. arbeiten wir im Home Office. Da wir über private Laptops und Internet verfügen, können wir doch noch einiges von zu Hause aus machen. Im Gegensatz zu den meisten unserer Kollegen, die weder über Laptops noch Internet verfügen. Die Schulen sind schon seit zwei Wochen geschlossen. Zur Zeit gibt es in Namibia 11 bestätigte Corona-Fälle. Die Dunkelziffer dürfte jedoch einiges höher ein. Wir stehen im Kontakt mit unserer Landesprogramm-Leitung in Windhoek. Diese haben sehr gute Kontakte zu den lokalen Behörden. Uns geht es gut, wir bleiben zu Hause und halten uns an die Vorgaben der Regierung. Sollte sich die Lage verschlimmern, besteht die Möglichkeit einer Evakuation. Wir hoffen, es kommt nicht soweit und wir können hier bleiben. Bis jetzt ist die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt. Hamsterkäufe waren bisher keine auszumachen. Liebe Grüsse und bx (bliibed xund).

unser Home Office

Otjiwarongo

Die letzten Tage waren etwas hektisch aber auch interessant und abwechslungsreich. Ich bin auf Einladung unserer Finanzchefin Ms Karises seit letzen Sonntag in Otjiwarongo. Otjiowarongo liegt 460 km südlich von Rundu an der B1 Richtung Windhoek. Mündlich wurde ich bereits Mitte Februr über dieses Meeting informiert. Aber die schriftliche Einladung musste ich letzten Freitag schlussendlich selber schreiben. Denn ohne offizielle Einladung gibt es hier keine Bewilligung für eine Dienstreise. Schliesslich war in unserer Region kein Dienstfahrzeug mehr verfügbar. Pandu konnte am Samstag aber noch eine Mitfahrgelegenheit organisieren. So konnte ich am Sonntag mit einer Bibliotheksangestellten mitreisen, die von einem unserer Fahrer nach Swakopmund chauffiert wurde. Natürlich waren die 2 weiteren freien Plätze im Auto ebenfalls besetzt. Allerdings mit inoffiziellen Fahrgästen. In Otjiwarongo sind wir 10 Leute. Meine Aufgabe ist die Erstellung sämtlicher Reportings der Mitarbeiter-Überprüfungen (Ghost-Teacher) der letzten 2 Jahre. Siehe auch meinen letzten Beitrag. Die übrigen Leute kümmern sich um die Berechnung der finanziellen Auswirkungen. Also mit den Verlusten, die nicht mehr eingefordert werden können, weil die Mitarbeiter die zu viel Lohn erhalten haben, in der Zwischenzeit zum Beispiel nicht mehr beim Staat arbeiten, pensioniert oder verstorben sind. Es stellte sich heraus, dass die Überprüfung im Jahr 2018 in den Regionen uneinheitlich durchgeführt wurden. Entsprechend chaotisch waren auch die mir zur Verfügung gestellten Unterlagen. Ich durfte aus mehreren Dutzend Excel-Listen in unterschiedlichen Formaten Daten zusammenführen, was mir aber schlussendlich doch recht gut gelang. Die Reports darf ich nun morgen vor meiner Rückreise präsentieren. Ausser arbeiten, essen, schlafen und am Abend noch ein paar Runden joggen im nahe gelegenen Parises Sport Park habe ich nicht viel gesehen von Otjiwarongo. Heute Nachmittag bot sich dann doch noch die Gelegenheit, um die im Stadtzentrum gelegene Krokodil-Farm zu besichtigen. Auf einer 30-minütigen Führung erfuhr ich viel Wissenswertes über die afrikanischen Nil-Krokodile. Auf dieser Zuchtfarm leben gegen 3000 Tiere. Die grössten werden gut 6 Meter lang und bis zu 130 Jahre alt. Jedes Jahr gibt es ca 1000 Jungtiere. Die meisten davon werden im Alter von 3 Jahren geschlachtet. Alles wird verwertet. Im Restaurant stehen u.a. Krokodil-Filets auf der Speisekarte. Im Shop sind Krokodilledergürtel ab 100 CHF zu haben. Die meisten Häute gehen aber in den Export.

knapp 2 jähriges Exemplar
Krokodile wachsen bis an ihr Lebensende, sind also eigentlich nie ausgewachsen

Muronga und Glück und Frust

Muronga

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt habe, wird bzw wurde unser Wohnhaus von Muronga und Magnus unseren beiden Wachmännern bewacht. Wurde deshalb, da wir von unserer Zentrale aufgrund von Sparmassnahmen seit November kein Budget für die Bezahlung der Sicherheitskosten mehr erhalten. Der Vertrag mit der Sicherheitsfirma wurde in den letzten Monaten nur noch monatsweise verlängert und konnte so ohne Kündigungsfrist beendet werden. Etwa 140 Wachleute, die an verschiedenen Schulen, Privathäusern und Bibliotheken beschäftigt waren wurden so von einem Tag auf den andren arbeitslos. Ein harter Schlag für alle Betroffenen. In Namibia gibt es keine Arbeitslosenentschädigung und die Perspektiven für schlecht Qualifizierte, einen neuen Job zu finden sind bei dieser hohen Arbeitslosigkeit praktisch gleich null. Mit Muronga und seiner Familie blieben wir weiterhin in Kontakt. Er konnte mir bei verschiedenen Gartenarbeiten helfen und so einen Zustupf verdienen. Anna, seine Frau nähte mit Unterstützung von Rahel ihr erstes Näh-Projekt, ein Kissen. Und für die zwei Jungs sind die Besuche bei uns immer ein Highlight. Sie lieben unsere Hängematte und können es jeweils kaum erwarten, bis es etwas zu essen gibt. Dann hauen sie jeweils kräftig rein. Erstaunlich, welche Mengen die zwei vertilgen können. Einmal hatten wir den Projektor vom Geschäft bei uns zu Hause und nutzten die Gelegenheit für eine Kinovorstellung. Die Kleinen waren während der Tim & Struppi Vorführung mucksmäuschenstill und starrten gebannt auf die Leinwand bis dann nach einer Weile Amadeus, der Kleinere, ob der vielen Eindrücke etwas überfordert, einschlief..

Für letztes Wochenende hat mich Muronga in sein im Busch gelegenes Dorf eingeladen. Er wollte mir den Ort zeigen, wo er aufwuchs. Auch eine gemeinsame Jagd auf Springböcke war geplant. Als ich ihn am Samstag Morgen anrief, sagte er mir, dass er leider verhindert sei. Er arbeite seit 2 Tagen wieder als Wachmann bei einer Schule. Ich habe mich noch nie so über eine Absage gefreut.

Anna ist stolz auf ihr erstes Nähprojekt

Glück und Frust

Das Glück und Frust manchmal nahe beieinander liegen, durfte ich kürzlich wieder einmal erfahren. Wie schon verschiedentlich erwähnt, ist der Staat Namibia wegen der herrschenden Rezession finanziell ziemlich angeschlagen. Bei uns im Bildungssektor wird hauptsächlich auf der operativen Seite gespart. Zum Beispiel werden nur wenige der dringend benötigte neue Klassenzimmer gebaut und der Unterhalt der Schulen und Hostels wird vernachlässigt. Dies führte auch schon dazu, dass Hostels aus hygienischen Gründen geschlossen und die Kinder nach Hause geschickt werden mussten. Der Anteil Löhne und Zulagen am Budget ist so mittlerweile auf ca 83 % angewachsen. Die Sparmöglichkeiten im operativen Bereich sind nahezu ausgeschöpft. Diese unbefriedigende Situation hat mich veranlasst, verschiedene Einsparungsmöglichkeiten auf der Lohnseite zusammenzustellen. Unsere Landesprogrammleitung in Windhoek hat bei einer günstigen Gelegenheit unserer Finanzdirektorin von meinen Ideen erzählt und so erhielt ich die Möglichkeit, diese in Windhoek zu präsentieren. Letzten Montag fuhr ich also nach Windhoek. Das Meeting war für Dienstag Nachmittag angesagt. Noch auf der Fahrt nach Windhoek erhielt ich die Meldung, dass ich bereits am Dienstag Morgen im Ministerium erwartet werde. Es gebe eine dringende Aufgabe für mich. Wie sich herausstellte, verlangte die Premierministerin von unserem Ministerium eine Nachprüfung der physischen Präsenz der Mitarbeiter in 6 von 14 Regionen und zwar fuer das Jahr 2018. Um diese aufwändige Übung zu organisieren gab uns die Premierministerin genau eine Woche Zeit (und ich staune, mit welcher Gelassenheit unsere Kollegen hier mit solchen Schnellschuss-Entscheiden umgehen). Mein Part war, wie bereits im letzten Jahr zusammen mit Christina, die Aufbereitung der elektronischen Daten für die Prüfer-Teams. Diese Aufgabe nahm fast 2 Tage in Anspruch. Zwischendurch durfte ich doch noch meine Spar-Ideen präsentieren.

Zum Titel: Glück deshalb, da ich die Ideen bei unserer Finanzchefin präsentieren durfte und sie diese auch dankbar entgegen nahm. Frust, weil praktisch im gleichen Atemzug aus politischen Gründen sehr viel Geld für eine zweifelhafte Übung mit alten Daten ausgegeben wird.

Mein Rezept in solchen Situationen: mich auf die Dinge konzentrieren, die ich beeinflussen kann und die anderen akzeptieren auch wenn es nicht immer leicht fällt.

Ein Jahr Namibia

Seit 11.1.2019 leben wir nun in Namibia. Zeit für eine Zwischenbilanz. Die ersten Monate waren eine spannende Zeit. Wir lernten viele neue Menschen kennen. Eine für uns unbekannte neue Kultur. Wir bezogen in Rundu unser schönes Haus mit Umschwung ganz in der Nähe unseres Arbeitsplatzes. Wir hatten Zeit, uns ein Bild zu machen über den Arbeitsalltag und unsere neuen Aufgaben im Direktorat und uns im neuen Umfeld einzuleben.

Was waren die Highlights des ersten Jahres?

Ein Highlight war für mich die Möglichkeit, zusammen mit meiner Interteam-Kollegin Christina die landesweite Payroll-Verification für alle 40000 Mitarbeiter des Bildungswesens in Namibia organisieren zu dürfen. Wir erhielten positive Rückmeldungen vom Ministerium aber auch von anderen Regionen. Auch das Ergebnis lies sich sehen. Konnten doch diverse ‚Schlupflöcher‘ geschlossen und somit Millionen an Namibian Dollars eingespart werden. Dieser Erfolg hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich mittlerweile monatlich sämtliche Lohndaten des Bildungsministeriums erhalte. Ich hatte diese ursprünglich beim Chefbuchhalter in Windhoek bestellt, um die Daten für den Aufbau einer Personaldatenbank in unserer Region nutzen zu können. Mittlerweile nutzen wir die Daten aber auch für die Verbesserung der Qualität der Lohndaten. Mithilfe von Hinweisen von Arbeitskolleg-innen haben wir verschiedene Fehler entdeckt. Zum Beispiel Doppel-Zahlungen von Zulagen die versehentlich teilweise bereits seit Jahren ausgerichtet wurden oder Lohnzahlungen für temporäre Angestellte, die nach Vertragsende nicht gestoppt wurden. Ich erhoffe mir, dass die einsparten Mittel zukünftig vermehrt unserer Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen zugute kommt. Sehr motivierend ist für mich auch, dass meine Fach-Kenntnisse von meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen geschätzt werden. Es kommt immer häufiger vor, dass Mitarbeiter von Finanzen und HR aber auch von anderen Abteilungen mich um meinen Rat fragen. Für mich ist das auch ein Vertrauensbeweis. Allgemein empfinde ich die Zusammenarbeit mit meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen als sehr angenehm.

Nebst dem Besuch anlässlich des 80. Geburtstags meiner Mutter in der Schweiz und dem Wiedersehen mit unseren Liebsten durften wir auch in unserer Freizeit sehr viele schöne Momente erleben. An erster Stelle sind die diversen Ausflüge in verschiedene Parks mit den Begegnungen mit den Tieren, die hier in freier Wildbahn leben. Aber auch die sehr speziellen Wüsten- und Steppen-und Küsten-Landschaften in den südlicheren Teilen Namibias haben eine grosse Anziehungskraft. Die unberührte Natur und die sehr dünne Besiedelung dieses Landes machen Namibia zu einem Paradies für Camping-Freunde. Unvergesslich wird auch unser Trip nach Kapstadt über die Feiertage bleiben.

Gab es auch schwierige Momente?

Mühe habe ich zum Teil, wie hier mit den knappen Ressourcen umgegangen wird. Wir bereits berichtet, haben wir für dieses Finanzjahr deutliche Budgetkürzungen in Kauf nehmen müssen. Dies erforderte diverse Sparmaßnahmen wie zum Beispiel der Reduktion der Sicherheitsdienste bei den Schulen. Wenn es aber um Einsparungen bei Spesen oder anderen fringe benefits des Personals geht, wird es harzig. Hier sind nur wenige bereit, ihren Teil beizutragen. Allgemein herrscht teilweise eine gewisse Selbstbedienungs-Mentalität. Beispielsweise bei der Verwendung von Dienstfahrzeugen für den privaten Gebrauch. Gerade die Staatsangestellten sind hier privilegiert. Die guten Löhne und die Lohnnebenleistungen lassen sicher ein sorgenfreies Leben zu. Ganz anders sieht es bei den ca. 35 % Arbeitslosen aus, die sich als Tagelöhner versuchen durchs Leben zu schlagen und sich nicht getrauen, die Schulgebühren nicht zu bezahlen. Dazu muss man wissen, dass in Namibia die obligatorische Schulbildung eigentlich kostenlos ist. Wegen der angespannten finanziellen Situation versuchen aber die Schulleiter bei den Eltern (freiwillige) Schulgebühren einzuziehen welche gerade die weniger Privilegierten aus Angst, Scham oder falschem Stolz trotzdem bezahlen.

Der Finanzminister hat kürzlich angetönt, dass auch beim Staat dringend Reformen nötig seien aber Taten sind bis jetzt noch keine in Sichtweite. Es scheint politisch ein sehr schwieriges Thema zu sein. Viele Politiker scheinen sich hier auch von den fast allmächtigen Gewerkschaften zu fürchten. Zu Gunsten der Kinder Namibias hoffe ich hier aber auf ein Umdenken.

Ansonsten gefällt mir mein Leben hier weiterhin. Nach der letztjährigen Dürreperiode regnet es in dieser Regenzeit bis jetzt glücklicherweise reichlich. Zumindest hier im Norden. Dies ist eine Wohltat für Mensch und Tier. Der Kavango führt zur Zeit Hochwasser. Mais und Hirse wachsen. Auch in unserem Garten grünt es wieder. Und die Temperaturen sind einiges erträglicher da der Regen immer auch etwas Abkühlung bringt.

Wir sind gespannt, was uns das 2. Jahr in Namibia bringen wird.

Kavango mit Hochwasser

Südafrika

Am 21.12. überquerten wir in Oranjemund die Grenze nach Südafrika. Landschaftlich blieb vorläufig alles beim gleichen. Ein paar wenige Städte an der Küste mit schönen Stränden und angenehm kühlen Temperaturen. Sobald man ins Landesinnere fährt, wird es aber sofort wieder heiss.

Elands Bay

Da Namibia lange unter südafrikanischem Protektorat stand, sind auch alltägliche Sachen wie der Linksverkehr oder die Einkaufsläden identisch. Die Währung heißt hier Rand, entspricht aber wertmäßig 1:1 dem namibischen Dollar. Nach 2 Übernachtung an der Westküste verbrachten wir die Weihnachtstage in Langebaan, einem Windsurf- und Kiteparadies. Langebaan liegt auch am Rand der West Coast National Parks, den wir per Bike erkundeten.

West Coast NP

Anschließend fuhren wir weiter nach Kapstadt. Dort wartete eine 4 Zimmer AirBnB Wohnung im Gardens Quartier, am Fuss des Tafelbergs auf uns. Die ruhige und sonnige Wohnung war ein idealer Ausgangsort, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Kapregion zu erkunden. Highlights waren unter anderem die Waterfront mit all ihren Kaffees, Bars und Einkaufsmöglichkeiten, und die Wanderungen auf den Tafelberg, den Lions Head und am Kap der guten Hoffnung. Zudem ist Kapstadt für uns Runduaner ein Schlaraffenland. Sogar ein Schweizer Fondue gab’s hier zu kaufen!

descent from Lions Head
am Kap der guten Hoffnung
Waterfront & Tafelberg

Seit dem Neujahrstag sind wir auf dem Heimweg. Den ersten Stopp legten wir in Citrusdal ein. In dieser Region in den Cederbergen werden wie es der Name schon sagt, hauptsächlich Citrusfrüchte angebaut.

Citrusdal
Cuiver tree forest

Die nächste Nacht verbrachten wir in Keetmanshoop. Dieser Ort ist bekannt für den sehr speziellen Köcherbaumwald.

Köcherbaum im Abendlicht
junger Gepard

Heute sind wir wieder in einer tollen AirBnB Wohnung in Windhoek. Diese Gelegenheit nutzte Rahel für einen Besuch im Olympia Schwimmbecken, wo sie seit langem wieder mal richtig schwimmen konnte. Morgen nehmen wir die letzten 720 km bis nach Rundu in Angriff wo dann wieder der Alltag einkehren wird. Von den schönen Erinnerungen an diesen Roadtrip werden wir noch einige Zeit zehren können.

Guten Morgen Namibia