2 Jahre Namibia, Rückblick und Ausblick

Schon bald sind wir 2 Jahre in Namibia. Zeit für einen kurzen Rückblick und einen Ausblick in unser 3. Jahr in Afrika.

Wie in der Schweiz besteht das Leben auch hier hauptsächlich aus Arbeit, essen und schlafen. Gearbeitet wird in der Regel von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr abends mit einer Stunde Mittagspause. Unser Direktorat ist ähnlich aufgestellt wie eine staatliche Stelle in der Schweiz. Wir haben nebst dem Advisory Team, dass für die fachliche Unterstützung der Lehrer zuständig ist, die üblichen Abteilungen wie z. B. die Logistik-, die Personal- & die Finanzabteilung. Die meisten Kollegen haben einen Uni-Abschluss. Auch solche, die einen Sachbearbeiter-Job verrichten. Viele der KollegInnen sind in einer Weiterbildung. Und zwar nicht nur die Jungen, sondern auch die ältere Semester. Oftmals absolvieren sie ein Fernstudium. Beliebt sind etwa die Angebote von südafrikanischen Universitäten. Dabei muss gesagt werden, dass der Staat solche Angebote sehr grosszügig unterstützt. Solche Teilzeit-Studien werden oft ohne Lohn-Reduktion bewilligt und auch das Lernen während der Arbeitszeit ist gang und gäbe. Teilweise werden sogar Vollzeitstudien im Ausland finanziert. Zum Beispiel in Russland für angehende Ingenieure, in Kuba für angehende Ärzte und Zahnärzte oder in anderen sozialistischen Ländern. Aus meiner Sicht ist das oft eine Ausbildung auf Vorrat, da die Zurückkehrenden nach Abschluss des Studiums in Namibia meist keinen Job in ihrem Fach finden.

Im Unterschied zur Schweiz sind die Mitarbeiter hier vielfach „Einzelkämpfer“. Obwohl der Spruch ‚In Africa we share‘ oft gehört wird, trifft dies bei der Arbeit eher nicht zu. Es ist sogar innerhalb eines Teams unüblich, sich auszutauschen. Ganz zu schweigen von einem team-übergreifendem Austausch. Fragen zu stellen, wird eher als Schwäche angesehen. Vor einem Jahr habe ich beispielsweise vorgeschlagen, dass wir eine Schulung für die Inspektoren der Schul-Finanzen durchführen sollten um ein einheitliches Vorgehen gewähren zu können. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, dass ein Buchhalter dieses Wissen mitbringen muss. Einige KollegInnen waren zum ersten Mal auf Inspektion und haben diese auf Gutdünken durchgeführt und auch bei Unsicherheiten nicht im Team nachgefragt. Mit dem Resultat, dass nun einige Inspektoren von den Schulen unter Beschuss gerieten, da ihre Berichte fehlerhaft waren.

Schwierig ist auch das Thema Korruption. Obwohl Namibia in der weltweiten Korruptions-Rangliste in der oberen Ranglistenhälfte liegt, werde ich oft mit diesem Thema konfrontiert. Meist geht es dabei um kleinere „Fische“, wie das unentschuldigte Fernbleiben vom Arbeitsplatz um private Dinge zu erledigen, die Benutzung von Dienstfahrzeugen für private Zwecke oder das Kassieren von Spesen für Aktivitäten, die gar nicht oder nur teilweise ausgeführt wurden. Diese Selbstbedienungsmentalität ist speziell bei staatlichen Stellen weit verbreitet und bereitet mir oft Mühe. Das Ansprechen von Missbrauch ist heikel. In Diskussionen mit Kollegen wird oft argumentiert, dass die Chefs / Politiker das ja auch tun und somit eine gewisse Legitimität besteht.

Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass sich folgende Ziele, Wünsche, Erwartungen in mein neues Leben in Namibia mehrheitlich erfüllt haben:

‚Ballast‘  abwerfen und einen Neustart machen zu können
ein mir bisher unbekanntes Land kennen zu lernen, und dies nicht aus der Touristen-Sicht
aus der Komfort-Zone auszubrechen und nochmals gefordert zu werden
mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis zusammen zu arbeiten
eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben

Auch die Dinge, die wir hier vermissen werden, haben wir richtig eingeschätzt. Es sind nicht materielle Dinge sondern die Berge und vor allem die sozialen Kontakte mit Familie und Freunden. Ist es hier doch um einiges schwieriger, einen Freundeskreis aufzubauen.

Ausblick

Wir haben noch einige Ziele für unser drittes Jahr in Namibia. Nebst den Arbeiten in der Region Kavango East bereiten mir Aufgaben für das Head Office oder auch für andere Regionen immer viel Freude. Ich kann so meinen Horizont erweitern, neues dazu lernen und auch etwas aus der täglichen Routine ausbrechen. Diese Tätigkeiten möchte ich weiter ausbauen. In meiner Region werde ich mich schon bald damit beschäftigen, verschiedene operative Tätigkeiten an meine ArbeitskollegInnen abzugeben. Dies auch um eine gewisse Nachhaltigkeit meiner Arbeit gewährleisten zu können. Privat möchten wir natürlich noch so viel wie möglich von den Vorzügen Namibias profitieren. Die nächste Gelegenheit bieten uns unsere Weihnachtsferien, welche wir im wilden Nordwesten des Landes verbringen werden.

Liebe Leserinnen & Leser, ich bedanke mich für euer Interesse an unserem Leben in Namibia und wünsche euch eine gesegnete Adventszeit.

Datensalat

Im November geht es im ähnlich flotten Stil weiter wie bereits im Oktober. Ein paar Tage nach unserer Rückkehr vom Interteam-Jahresmeeting fuhr ich mit den Payroll-Verification-Teamleadern unserer Region nach Otjiwarongo. Dort traffen wir auf unsere KollegInnen der anderen 14 Regionen und des Head Offices für einen einwöchigen Workshop. Ziele dieses Workshops waren die einheitliche Aufbereitung der Dokumentationen je Region und die Erstellung des nationalen Reportings zu Handen des Büros der Premier Ministerin. Zudem durfte jede Region ihr Resultat präsentieren und man tauschte die gemachten Erfahrungen aus. Ich machte mich an die Konsolidierung der Resultate aller Regionen. Doch zuerst prüfte ich die Daten inhaltlich und stellte bei vielen Regionen mehr oder weniger grosse Lücken fest. So „vergrößerte“ zum Beispiel eine Region durch Kopierfehler ihren Personalbestand versehentlich um mehr als 1000 Mitarbeiter. Zwei andere Regionen hatten ein Software-Problem. Ihre Laptops waren mit einer Probelizenz von Microsoft Office ausgestattet. Diese war mittlerweile abgelaufen und deshalb funktionierten einzelne Funktionen im Excel nicht mehr. Unter anderem das Speichern von Daten! Ganz aufgelöst und den Tränen nahe war eine Kollegin, die bis weit in die Nacht an den Daten gearbeitet hatte und mir am nächsten Morgen die (ungespeicherten) Daten übermitteln wollte. Gemeinsam rekonstruierten wir ihre Resultate auf meinem Laptop . Nach gut 2 Stunden konnte ich sie sichtlich erlöst entlassen.

Pausenbild in Otjiwarongo mit Eveline & Victoria aus Kavango West

Noch während dem Einsatz in Otjiwarongo kam die nächste Anfrage aus dem Head Office. Diesmal ging es um einen Report über Lohnabzüge von Mitarbeitern, die zuviel Lohn oder Zulagen erhielten und dies nun in Raten zurückbezahlen müssen. Die vordefinierten Reports im Lohnsystem stehen nur im PDF-Format zur Verfügung und sind auch nur per Region abrufbar. Nun bin ich also statt zurück in Rundu in Windhoek und suche mit den Verantwortlichen eine geeignete Lösung. Die Angelegenheit eilt. Die Revisionsstelle hätte den konsolidierten Report bereits im Juli erhalten sollen.

Lustige Truppe vom Head Office auf dem Weg nach Windhoek
Kurzes Fotoshooting unterwegs..

KLEINES QUIZ

Lust auf ein kleines Quiz? Sende mir die Antworten auf die unten angefügten Fragen per Email (arminneff@bluewin.ch) oder WhatsApp (+246817384415) zu. Die ersten 3 Teilnehmer, die alle Fragen richtig beantworten haben, erhalten eine Postkarte aus Namibia 🙂

PS: Die Antworten zu den Fragen findest du in meinem Namibia-Blog.

  1. An welchem See fand das letzte Interteam-Jahrestreffen statt?
  2. Wie heisst der jüngste Sohn unseres Security Guards Muronga?
  3. In welcher Lodge in der Nähe von Rundu gehen wir ab und zu über’s Wochenende campen?
  4. Wie lautet der Vorname des Finanzchef des Bildungsdirektorates in Rundu?
  5. Wer begleitete uns auf unseren Wanderungen im Fishriver Canyon?
  6. Wie viele Kilometer sind es mit dem Fahrrad von Rundu nach Nkurenkuru?
  7. An welchem Meeting hörten wir einer Rede des Namibischen Präsidenten zu?
  8. In welchem namibischen Nationalpark an der botswanischen Grenze, der nur mit 4×4 Fahrzeugen befahrbar ist, waren wir schon zweimal unterwegs?
  9. In welcher namibischen Stadt befindet sich eine grosse Krokodilfarm?
  10. Welches Hobby habe ich in Namibia neu entdeckt?

Ein arbeitsreicher Oktober

Es gibt Wochen und Monate die sehr schnell vergehen. Der Oktober war ein solcher Monat. Wie so oft kam das aber eher überraschend. Mitte September war der Oktober in meiner Agenda mit Ausnahme des Annual Meetings von Interteam noch relativ leer. Daher planten wir für Oktober diverse Schulinspektionen in verschiedenen Zusammensetzungen mit dem Ziel, dass Know How an zusätzliche Personen weiter zu geben. Unsere Planung mussten wir anfangs Oktober bereits revidieren. Das Head Office in Windhoek informierte uns, dass die jährliche physische Ueberpruefung der 40’000 Lohnbezüger im Bildungsministerium, die corona bedingt verschoben wurde, nun doch noch durchgeführt werden soll. Und zwar sehr kurzfristig. Dieses Jahr soll zudem der Stellenetat je Schule geprüft werden. Aus diesem Grund wurden die Teamleiter zu einem eintägigen Brainstorming nach Windhoek eingeladen. Für Pandu und mich bedeutete das 2 zusätzliche Reisetage. Nachdem wir die nötigen Prüfungsunterlagen in Excel erstellt hatten, konnten die Teams im ganzen Land ausschwärmen. Allerdings erst nachdem auch die logistischen Herausforderungen gelöst waren. Und dies waren im Speziellen das Auftreiben von (geländetauglichen) Fahrzeugen und von funktionierenden Laptops. Am Freitag Nachmittag fehlten bei uns in Rundu noch 3 Autos und 5 Laptops. Sonntagmorgen um 9 kam dann die gute Nachricht, dass alle Teams ausgerüstet sind.

Oktober ist für eine solche Übung nicht gerade der ideale Monat. Vor allem wegen der Schulen, die abseits der geteerten Strassen im Busch liegen. Bei um die 40 Grad Höchsttemperatur erhitzen sich die sandigen Pisten stark und der Untergrund wird so weich, dass ab und zu ein Fahrzeug stecken bleibt oder einen anderen Materialschaden erleidet. Zudem musste während der Überprüfung in den Schulen die Masken getragen werden, was die Arbeit für die MitarbeiterInnen zusätzlich erschwerte. Der Einsatz im Feld dauerte insgesamt 2 Wochen. Zurück im Büro müssen die offiziellen Dokumente für diejenigen Personen beschafft werden, die aus irgendeinem Grund nicht verifiziert werden konnten. Und nächste Woche werden die Daten sämtlicher Regionen konsolidiert und die Reporting’s für das Büro der Premierministerin erstellt. Diese Aufgabe durfte ich schon im letzten Jahr übernehmen. Mein Ziel ist es, in diesem Jahr eine IT-affine Person zu finden, welcher ich diese Aufgabe für zukünftige Jahre übergeben kann.

Schwerstarbeit für Frau/Mann und Maschine

Interteam Jahres Meeting

Wie bereits im letzten Jahr fand unser Jahresmeeting am Lake Oanob statt. Dieser Stausee liegt bei Rehoboth, etwa 100 Km südlich von Windhoek. Wir freuten uns schon lange auf diesen Event. Es ist immer schön, die Kollegen aus den anderen Landesteilen zu treffen und sich austauschen zu können. Aber auch der Ort bedeutet für uns Runduaner eine grosse Abwechslung. Zwar leben wir an einem Fluss. Der ist aber wegen der Krokodile und Flusspferde nicht zum schwimmen geeignet. Umso mehr kosteten wir die Möglichkeiten des Stausees aus. Sei es beim Schwimmen, beim Kanufahren oder waehrend dem Sundowner auf der Bootstour. Auf der Fahrt nach Rehoboth machten wir einen Abstecher an den Waterberg und verbrachten das Wochenende im Anderson Camp. Fuer einmal waren wir nicht alleine. Seit Mitte September ist die Einreise nach Namibia per Flugzeug wieder möglich und so trafen wir im Camp die ersten ausländischen Touristen seit einem halben Jahr. Auf dem Nachhauseweg uebernachteten wir auf der Ohange Farm in der Naehe von Tsumeb. Dort hatten wir mal wieder ‚Familienanschluss‘. Beim gemeinsamen Nachtessen erfuhren wir von Carla, der Frau des Farmers, viel ueber das Farmleben und Wissenswertes ueber die Region. Als wir ihr sagten, dass wir in Rundu leben und arbeiten, bekamen wir auch noch einen grosszuegigen Rabatt auf die Unterkunft 🙂

Aussicht auf den Lake Oanob
Abendstimmung am Lake Oanob
Aufmerksame Zuhoererinnen, Gast inklusive
Breitmaulnashorn Mutter mit ihrem einjaehrigen Spross
Blick von der Waterberg Plateau Lodge
Elands bei der Ohange Lodge

Namenkunde

In Namibia haben praktisch alle Menschen mindestens 2 Vornamen. Wobei der erste Vorname in der Regel ein christlicher und der zweite ein afrikanischer Name ist. Die afrikanischen Namen haben oft eine Bedeutung und ab und zu gibt es sogar eine kleine Geschichte, weshalb die Person genau diesen Namen trägt. Aus diesem Grund habe ich ein wenig Namenkunde betrieben. Hier einige Beispiele:

ARFIKANISCHER
NAME
M/WBEDEUTUNG
TUHAFENI PANDULENIMLASS UNS GLUECKLICH SEIN & DANKE
KANDONGAMKLEINER FLUSS, BACH
NANZIRA-NDAPANDAWWEG & DANKBAR
NDAIPONHOFIWWEITES FELD FUER RINDER
MAGANOWGESCHENK
RUKUNDEWSTANGENBOHNE
HAINGURAMGEBOREN WAEHREND DER NACHT
NDEETOMBILIWDIEJENIGE, DIE DEN FRIEDEN BRACHTE

Zum Teil sind die Namen selbsterklärend wie Haingura = geboren während der Nacht oder Kasongo = Letztgeborene.

Einige sind zum schmunzeln wie beispielsweise Rukunde = Stangenbohne. War da die Hoffnung, dass die Tochter speziell gross gewachsen wird?

Wieder andere haben eine kleine Geschichte zu erzählen. Ndeetombi (diejenige die den Frieden brachte) wurde im Jahr 1990 geboren. In dem Jahr erlangte Namibia nach langen Jahren des Untergrund-Krieges die Unabhängigkeit. Oder Nanzira-Ndapanda. Sie wurde auf dem Weg (Nanzira) ins Spital geboren und ihre Mutter war sehr dankbar (Ndapanda), dass alles gut ging.

Nanzira-Ndapanda oder Vicky wie sie von den meisten genannt wird, ist mittlerweile selber stolze Mutter einer kleinen Tochter. Der afrikanischer Name der Tochter bedeutet uebersetzt Raum oder Platz. Und dahinter steht der Gedanke, dass es in ihrem Leben Raum oder Platz fuer klein, gross, alt und jung haben soll.

Victoria Nazira Ndapana

Finanzinspektion, Heritage Week und Excel-Training

Zusammen mit Susana, unserer neuen Senior Accountant fahre ich zur Noordgrens Senior Secondary School. Wir haben von der Schulleitung eine Einladung erhalten eine Finanzinspektion durchzuführen, da die zuständige Person an eine andere Schule befördert wurde. Bereits am letzten Freitag haben wir sämtliche Ausgaben des laufenden Jahres geprüft. Heute setzen wir die Prüfung mit den Einnahmen also den freiwillige Beiträge der Eltern und den Einnahmen aus Fundraising Aktivitäten, weiter. Zum Schluss prüfen wir das Petty Cash Register. Dies ist eine Bargeldkasse, die für die Bezahlung von Kleinausgaben benötigt wird. Alle grösseren Ausgaben werden bei dieser Schule über die E-banking-Plattform bezahlt. Die zuständige Person ist sehr pflichtbewusst und auch sehr organisiert. Dies erleichtert uns unsere Arbeit für einmal sehr. Zurück im Büro stelle ich den Inspektionsbericht fertig und bespreche ihn mit meiner Kollegin. Sie hat noch 2,3 kleine Ergänzungen. Anschließend leiten wir den Bericht an Pandu, unseren Chief Accountant weiter. Es ist uns ein Anliegen, dass die Berichte zeitnah erstellt und an die Schule und die vorgesetzten Stellen weiter geleitet werden können. Mit unserer Tätigkeit helfen wir mit, dass die Schulgelder effizienter eingesetzt werden. Dies kommt schlussendlich wieder den Lernenden zu Gute. Pandu möchte gerne an der morgigen Management Sitzung über unsere Tätigkeiten im Bereich Schulfinanzen informieren und bittet mich, eine Präsentation zu diesem Thema zu erstellen. Solche Aufgaben übernehme ich immer gerne. Das ist eine gute Gelegenheit, das Management zu diesem Thema zu sensibilisieren, denn Missbrauch der Schulfinanzen ist hier leider immer noch weit verbreitet.

Ab 9 Uhr sitzen wir im grossen Sitzungszimmer. Corona-bedingt ist es bereits beinahe 2 Monate her seit der letzten Management-Sitzung. Entsprechend lang ist die Traktandenliste. Ich stelle mich auf eine 4-stündige Sitzung ein und habe genügend Wasser und auch Früchte dabei. Pausen gibt es keine und es geht solange wie es geht. Da in Namibia diese Woche die Heritage Week gefeiert wird, eine Art Brauchtums-Woche, hat der Direktor die Teilnehmer der Sitzung aufgefordert, in einem afrikanischen Outfit zur Sitzung zu erscheinen. Diesem Wunsch wird rege Folge geleistet und daher wird spontan ein kurzes Foto-Shooting eingelegt.

Letzte Woche führte ich ein erstes Excel-Access-Training für die KollegInnen der Kreditorenbuchhaltung durch. Die Ziele des Trainings waren unter anderem die korrekte Benutzung der Access-Datenbank, die ich für diese Abteilung erstellt habe. Kursinhalte waren zum Beispiel das Importieren und Exportieren von Daten oder das Erstellen von Abfragen. Dazu noch verschiedene hilfreiche Tipps in Excel wie zum Beispiel das Erstellen von Pivot-Tabellen. Da das Programm sehr praxisorientiert war, waren die 5 TeilnehmerInnen voll bei der Sache. Sie sehen den praktischen Nutzen, den sie für ihre Arbeit ziehen können. Auch wenn das Niveau der Teilnehmer ziemlich unterschiedlich war, schafften wir es, dass alle die gesteckten Ziele erreichen konnten. Etwas stolz machte es mich, dass sich die Teilnehmer auch an die vereinbarten Kurszeiten hielten und am Morgen pünktlich zum Training erschienen. Und dies, obwohl für diesen Kurs kein Catering vorgesehen war. Insider wissen: Ein Catering ist hier normalerweise ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Trainings.

Zum Abschluss der Heritage Woche kamen am Freitag die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Direktorats in traditioneller Bekleidung zur Arbeit. Voller Stolz präsentierten die Kolleginnen und Kollegen die Bekleidungen ihre Stämme. Nebst den Kavango-Stämmen waren auch die Ovambos, Caprivis und Damara vertreten. Hier ein paar Eindrücke.

Unliebsame Besucher

Da war jemand in unserem Haus sagte Rahel, als wir am letzten Dienstag vom Büro nach Hause kamen und die verstreuten Schuhe im Korridor sahen. Diese Feststellung bewahrheitete sich leider. In der Küche stand der Kühlschrank und die Schubladen offen. In den Zimmern wurden alle Schränke durchstöbert. Schnell entdeckten wir das eingeschlagene Fenster in der Dusche, durch welches die Einbrecher in unser Haus gelangten. Sofort verständigten wir unsere Landesprogrammleitung und drückten auf den ‚Panic Button‘. Seit einigen Monaten ist unser Haus mit einer Alarmanlage ausgerüstet. Mit einem Druck auf die Fernbedienung wird ein Alarm an eine private Sicherheitsfirma übermittelt. Diese war nach ein paar Minuten bereits vor Ort. Etwas länger dauerte es, bis zwei Ermittler der hiesigen Polizei eintrudelten. Viel mehr als zu fragen, was den alles gestohlen wurde, wollten die Polizisten nicht wissen. Auf meine Frage, ob sie Spuren sichern wollten, meinten sie, sie werden Spezialisten vorbeischicken. Diese sind bis heute aber noch nicht eingetroffen. Auch die Befragung der Nachbarn fand erst auf mein Drängen statt. Die Nachbarskinder konnten die Täter bei der Flucht über den Stacheldrahtzaun beobachten und auch eine ziemlich detaillierte Beschreibung durchgeben. Die Polizisten machten sich aber weder Notizen noch stellten sie Fragen. Bevor sie wieder abzogen meinten sie nur, ich soll im Polizeirevier eine Anzeige machen. Ich solle aber erst nach 6 Uhr abends dort hingehen, da es um diese Zeit nicht mehr so viele Leute habe, und ich mir so eine längere Wartezeit ersparen könne.

Das Erstellen der Anzeige war nach einer Stunde erledigt. Als ich am nächsten Morgen wie vereinbart den Polizeireport abholen wollte, meinte der Officer, wir müssen ins benachbarte Shoppingcenter gehen und einen Laden suchen, in welchem wir den Rapport kopieren können. Zur Zeit funktioniere in der (riesigen) Polizeistation kein einziges Kopiergerät.

Etwas Gutes hatte der Einbruch dann aber doch. Schon seit Mai verfügt unser Direktorat wieder über ein Sicherheit-Budget und unser Haus ist auch auf der Liste der schützenswerten Objekte. Leider gab es aber eine Verzögerung, da ein Bieter, der sich auf die Ausschreibung beworben hat, den Regional Council wegen eines mir nicht bekannten Grundes vor Gericht zog. Und solange dieser Fall nicht erledigt ist, kann die Ausschreibung nicht vergeben werden. Als Sofortmaßnahme wurde nach dem Einbruch aber eine Sitzung einberufen und beschlossen, dass anstatt des Direktorates benachbarte Schulen Sicherheitsleute für unser Haus und auch noch für ein paar weitere Objekte engagieren. Ein Telefon mit dem Chef der Sicherheitsfirma genügte, und Muronga (unser früher Guard) arbeitet nun wieder bei uns. Das ging also für einmal ziemlich schnell. Nur schade, dass zuerst eingebrochen werden musste.

Für die Reparatur des Fensters mahlten die Mühlen dann wieder etwas langsamer. Der zuständige Kollege von der Bauabteilung war nicht für eine unbürokratische Lösung zu haben und bestand auf einer schriftlichen Submission. Diese muss von 6 Leuten unterzeichnet werden. Es kann also bis zwei Wochen dauern, bis alle Unterschriften zusammen sind. Und das für einen lächerlichen Betrag von umgerechnet gut 100 CHF. Als sich am Donnerstag immer noch nichts bewegte, nahm ich die Zügel selber in die Hand und das Fenster samt Rahmen war innerhalb weniger Stunden ersetzt. Jetzt muss ich nur noch schauen, wie ich wieder zu meinem Geld komme. Das ist aber nicht mehr so dringend.

Wandern in Namibia

Da die Grenzen weiterhin geschlossen sind, haben wir uns dieses Jahr für Wanderferien in Namibia entschieden. Auf dem Weg in die Wandergebiete im Süden und in Zentralnamibia schalteten wir zuerst einen Zwischenstopp im Etosha Nationalpark ein. Die erste Nacht verbrachten wir in der neu eröffneten King Nehale Lodge von Gondwana. Diese liegt direkt am Nordeingang zum Nationalpark. Im Eröffnungsmonat bot die Lodge einen Preisnachlass von 15 % an. Und dieser galt zusätzlich auch für die Gondwana-Mitglieder, welche von einem 50 % Rabatt profitieren. Die Mitgliedschaft haben wir bereits nach unserer Einreise erworben und ist für die ganze Dauer unserer Aufenthaltsbewilligung gültig. Gondwana bietet an den schönsten Ecken des Landes Lodges und Campingplätze an und wir haben in der Zwischenzeit schon verschiedentlich von diesem Angebot profitieren können. Erstaunlicherweise war die Lodge ziemlich gut gebucht. Das lag einerseits sicher am Eröffnungsangebot, andererseits auch daran, dass wir an einem Wochenende dort waren. Für den Rest unserer Ferien waren wir meist die einzigen Gäste. August ist normalerweise absolute Hauptsaison in Namibia. Die geschlossenen Grenzen und somit die fehlenden Touristen sind für die Touristikbranche in Namibia ein grosses Problem. Die fehlenden Einnahmen führen zwangsweise zu Entlassungen und einige Betriebe mussten leider ihre Tore bereits für immer schließen. Während den nächsten 2 Tagen durchquerten wir den riesigen Park (halb so gross wie die Schweiz) von Norden nach Süden und kamen in den Genuss von sehr vielen Tiersichtungen. Speziell beeindruckt haben uns diesmal die riesigen Zebraherden. Einmal beobachteten wir hunderte von Zebras, die sich in Einerkolonne zum Wasserloch bewegten. Dank der guten Regenzeit war auch die Landschaft reizvoller als im letzten Jahr.

Nach einem Zwischenstopp in Windhoek, ging die Fahrt weiter zum Fishriver Canyon. Dieser liegt ganz im Süden Namibias und bildet die Grenze zu Südafrika. Ab Windhoek begleitete uns Cindy, unsere Interteam-Kollegin aus Katima Mulilo. Unser erstes ‚Projekt‘ im Canyon war der Klipspringer Trail. Bei dieser 3-Tages-Wanderung mit Gepäcktransport wird man vom Anbieter der Tour nach der ersten Übernachtung im Base-camp am Rand des Canyons abgesetzt. Auf der Wanderung haben wir 3 Tage lang keinen Menschen gesehen. Ein Camp war an einer Felswand im Canyon gelegen und erinnerte mich ein wenig an den Aescher, die anderen zwei Camps lagen jeweils oben, an der Kante des Canyons mit phantastischen Weitblicken.

Camp Battlesnake
Camp Koelkrans
Camp Horseshoe
Sicht aus der Openair Dusche

Für die zweite Wanderung im Canyon wechselten wir auf die andere Seite des Canyon. Die Autofahrt dauerte über drei Stunden, was einiges über die Ausmasse dieses weltweit zweit grössten Canyons aussagt. Hier hatten wir eine geführte dreitägige Tour gebucht. Diese war dank des sogenannten „local lekker“ Angebots ebenfalls erschwinglich. Auch auf dieser Wanderung waren wir die einzigen Menschen weit und breit. Unser Guide Wilhelm vermittelte uns viel Wissenswertes zu Flora und Fauna dieser Region. So entdeckten wir unter anderem frische Leopardenspuren, Dung von Spitzmaul-Nashörnern oder erfuhren, aus welchen Pflanzen die San (Bush-Männer) ihr Gift für die Jagd mit Pfeil und Bogen gewinnen. Tagsüber herrschten ideale Wandtemperaturen (im Canyon darf nur von April bis September gewandert werden). Nachts kühlte es jeweils stark ab und wir trotzten dem starken Wind während des Nachtessens unter freiem Himmel ausgerüstet mit Bettflaschen und Ponchos.

Camp Eternity
Mondaufgang über dem Canyon
gut haben wir die warmen Kleider dabei
im Aufstieg zum Camp Edge

Über Helmeringhausen und die Maltahöhe ging es anschließend wieder nordwärts in den Namib Naukluft Nationalpark. Eigentlich wollten wir hier 2 Nächte verbringen. Eine unliebsame Begegnung mit einem ausgewachsenen Pavian veranlasste uns aber, unsere Pläne kurzfristig zu ändern. Bereits am ersten Abend stibitzte er einen ganzen Salat und einige Kartoffeln. Am nächsten Morgen riss uns ein Scheppern aus dem Schlaf. Als wir aus dem Zelt krochen, sahen wir das Tier in unserem Auto. Es war ihm tatsächlich gelungen, die verschlossene Heckklappe unseres Pickups zu öffnen. Unsere Kochkiste hatte er bereits aus dem Auto gewuchtet. Mit Geschrei und ein paar gezielten Steinwürfen gelang es uns, ihn doch noch zu vertreiben. Den Olivetrail ließen wir uns aber nicht entgehen. Anschließend fuhren wir weiter in ein sichereres Camp.

Schlüsselstelle am Olivetrail, Rahel übernimmt den ‚Vorstieg‘
Ruhe vor dem Sturm

Ein weiterer Aufreger folgte am nächsten Tag. Auf der Fahrt auf einer einsamen Schotterstraße wurden wir plötzlich von einem in horrendem Tempo fahrenden Pickup überholt und in eine dicke Staubwolke eingehüllt. Als sich die Wolke legte, stand der Pickup parkiert am Straßenrand und 4 Männer in Militäruniform und einer in zivil, bewaffnet mit Maschinenpistolen, winkten uns zu sich. Das fehlende Nummernschild fiel mir sofort auf und ein ungutes Gefühl beschlich mich. Die ganze Aktion stellte sich glücklicherweise als harmlose Kontrolle heraus und die Fahrt ins Erongo Gebirge konnte weitergehen. In der Ameib Lodge verbrachten wir die letzten zwei Nächte, bevor es zurück nach Rundu ging. Diese Lodge liegt in einem 180 000 ha großen privaten Park. Hier erkundeten wir auf einer Tagestour unter anderem eine Höhle mit uralten Wandmalereien und bestiegen, nachdem wir die verloren gegangene Cindy wieder gefunden hatten, über einen netten Klettersteig auch noch den Elephant Head.

Philipps Cave
im Aufstieg zum Elephant Head

Halbzeit

Anfangs Juli sind wir 18 Monate in Namibia und somit ist die Hälfte unserer Vertragszeit schon vorüber. Rückblickend ist die Zeit wie im Flug vergangen. Spannend waren natürlich die ersten Monate, wo einfach alles neu war. Neues Land und Klima, neue Menschen, neue Arbeitskollegen und Nachbarn und eine neue Kultur, die auch nach anderthalb Jahren immer noch ab und zu Fragezeichen aufwirft. In unserem zweiten Jahr kam aber doch etwas Routine in unser Leben und es gab oder gibt auch immer mal Tage oder Wochen, die sich etwas in die Länge ziehen. Wie zum Beispiel anfangs Jahr, als viele Kollegen noch im Sommerurlaub waren und der Betrieb im Direktorat auf Sparflamme lief. Oder auch wenn meine Ideen auf Veränderungen wohl auf Wohlwollen stoßen, sobald es aber an die Umsetzung geht, dann doch keine hohe Priorität mehr haben. Solche Zeiten muss ich akzeptieren und es gibt zum Glück auch andere, in denen ich das Gefühl habe, etwas bewegen zu können. Oftmals sind es kleine Dinge. Aber Freude auch an kleinen Dingen zu haben, ist etwas was ich hier auch gelernt habe. Als grosse Herausforderung empfinde ich es, nicht in den hier weit verbreiteten Trott zu fallen. Nämlich die Pendenzen oder Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe, vor mich her zu schieben. Manchmal bekommt man den Eindruck, dass hier nichts wirklich dringend ist. Muss doch mal etwas ’sofort‘ erledigt werden, verfällt deswegen niemand in Stress. Das hat sicher auch damit zu tun, dass es kaum Konsequenzen hat, wenn ein Auftrag verspätet oder auch nicht erledigt wird. Ich versuche mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag zu gehen. So bekomme ich immer wieder mit, wo der Schuh drückt und wo Unterstützung dankbar angenommen wird. Solche kleine Erfolgsmomente helfen auch durch etwas schwierigere Zeiten.

Ein grosser Pluspunkt, den Namibia und auch die angrenzenden Länder (die wir Corona-bedingt momentan leider nicht besuchen können) zu bieten haben, sind die vielfältigen Naturerlebnisse. Auch wenn die zurückzulegenden Distanzen teilweise gross sind, ist oftmals bereits die Anreise ein Erlebnis. Die in der Regel gut ausgebauten Strassen führen meist durch menschenleere Gegenden. Stattdessen sieht man oft Wildtiere. Am häufigsten Strausse, Warzenschweine, Affen oder verschiedene Antilopen-Arten. Wenn man Glück hat, können es gerade hier im Norden auch mal Elefanten sein. Da sind auch die vielen National-Parks mit ihrer Flora und Fauna, die Steppen, Canyons und Wüsten mit ihren riesigen teils roten Sanddünen, die an der Westküste steil direkt zum Meer abfallen und die grosse Auswahl an genialen Camps im ganzen Land. Auch wenn wir in den letzten 18 Monaten schon einige Gegenden erkunden konnten, gibt es immer noch viele weiße Flecken auf der Landkarte, die es zu entdecken gilt. Wir freuen uns schon auf den nächsten Trip, der uns in den Süden Namibias führen wird.

Nachwuchs bei Muronga’s

Anfangs Juni gebar Anna, die Frau unseres ehemaligen Security Guards ihr drittes Kind. Thomas Tjakamba heisst der jüngste Spross. Das grösste Ziel von Vater Tjakamba Muronga war, dass seine Frau noch vor der Geburt über eine Toilette und eine Dusche auf dem eigenen Grundstück verfügt. Das ist in den informellen Siedlungen am Stadtrand von Rundu auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Viele der Bewohner müssen ihr „Geschäft“ irgendwo im Busch erledigen. Abgesehen von den hygienischen Aspekten ist das für eine hochschwangere Frau beschwerlich und teilweise auch gefährlich, da sich im Busch doch die einen oder anderen Tierchen tummeln. Da Tjakamba im letzten November wegen den Sparmassnahmen der Regierung seinen Job verlor, schien sein Ziel in nächster Zeit ausser Reichweite zu sein. Mit Gelegenheitsjobs konnte er sich gerade das Nötigste für den Lebensunterhalt verdienen. Zum Abschluss der angefangen Arbeiten fehlten ein paar Laufmeter Wellblech, einige Holzbalken und der Deckel des Bschütti-Kastens musste noch betoniert werden. Als ich die Geschichte im März unseren Besuchern aus der Schweiz erzählte, waren sie spontan bereit, die Familie zu unterstützen. Dank ihrer Hilfe konnte Muronga sein Ziel doch noch rechtzeitig erreichen.

Thomas Tjakamba Muronga
mit Mutter Anna

Ein etwas anderer Maibummel

Seit anfangs Mai sind Reisen innerhalb Namibias wieder gestattet. Restaurants bieten weiterhin nur Take away an. Alkoholverkauf ist immer noch untersagt. Diese Ausgangslage ist perfekt für einen etwas anderen Maibummel. Die Interteamler aus Katima Mulilo und Rundu nutzten das lange Wochenende über Auffahrt für einen Ausflug in die Wildnis. Der Khaudum Nationalpark war das Ziel. Bereits letztes Jahr erkundeten wir den Norden dieses knapp 4000 km2 großen Parks. Er gilt als der Wildeste in Namibia und liegt an der Grenze zu Botswana. Der Park und auch das Camp ist nicht eingezäunt. Die Tiere können sich frei bewegen und wechseln je nach Jahreszeit auch mal die Landesgrenze. Am Donnerstag fuhren wir zuerst knapp 200 km südwärts auf der A8 und anschließend auf einer Piste etwa 170 km östlich nach Tsumkwe, ein kleiner Ort im Land der San. Glücklicherweise war die Tankstelle bedient. Von hier ging es weiter zum Elephant Song Camp, einem einfachen Camp ohne Strom aber mit (kaltem) Wasser.

Am Freitag fuhren wir nochmals 25 km bis zum Südeingang des Khaudum Parks. Bei der Registrierung am Parkeingang trafen wir noch einige andere Abenteuerlustige. In der südlichen Hälfte des Parks sind die Wege während der Trockenzeit gut befahrbar. Unser heutiges Ziel lag aber ca 100 km nördlich. Das Khaudum Camp. Zur Zeit das einzige offene Camp innerhalb des Parks. Die ersten 50 km bis zum Wasserloch in Dussi waren fahrtechnisch wenig anspruchsvoll. Dies änderte sich nach Dussi schlagartig. Ab hier führte die Strecke meist durch deep sand, also sehr sandige Pisten, welche von den Fahrzeugen und teilweise auch von den Passagieren alles abverlangte. Ein hoher Radstand und eine Getriebeuntersetzung sind hier Pflicht. Eine Schaufel für den Fall, dass man doch mal stecken bleibt, gehört ebenfalls dazu. Und solche Fälle trafen in den nächsten Tagen gleich mehrfach ein.

Abends um 5 kamen dann auch die Nachzügler glücklich im Khaudum Camp an. Auch dieses Camp ist sehr einfach eingerichtet und ebenfalls ohne Strom aber mit einer herrlichen Aussicht auf eine weite Ebene. Im Camp befindet sich auch ein Aussichtsturm, für dessen Besteigung aus Mangel an Geländern allerdings Schwindelfreiheit eine Voraussetzung ist.

Nach einem Ruhetag mit einem kleinen Ausflug zu einem nahe gelegenen Wasserloch fuhren wir am Sonntag nochmals ca 60 km durch tiefen Sand zur Leu Pan und zurück. Löwen sahen wir an diesem Tag keine, aber auch dieser Tag war abenteuerlich und verging wie im Flug.

Oryx
Ground Hornbill
Leu Pan

Am Montag hieß es Abschied nehmen vom Khaudum, aber noch nicht vom tiefen Sand. Ab dem nördlichen Parkausgang fuhren wir nochmals 50 km durch sehr anspruchsvolles Gelände. Immer wieder durch tiefen Sand, links und rechts gesäumt von Büschen und Bäumen. Mittlerweile gibt es an ganz sandigen Stellen Ausweich-Strecken. Man braucht aber eine sehr kurze Reaktionszeit um diese zu entdecken, da sie nicht ausgeschildert sind. Wen man sie verpasst, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf eine nächste Abbiege-Möglichkeit zu hoffen. Denn Anhalten bedeutet hier in der Regel, dass man stecken bleibt.

Wir benötigten für diese 50 km knapp 4 Stunden, davon etwa eine Stunde fürs Schaufeln. Wir waren alle glücklich, als wie aus dem Nichts die Teerstraße auftauchte und auch etwas stolz, dass wir es gemeinsam und heil bis hierher geschafft hatten.

INTER-Team-Event

Guten Morgen Namibia