Besuch aus der Schweiz in Zeiten von Corona

Am Abreisetag unserer ersten Besucher aus der Schweiz werden in Namibia die ersten zwei positiv getesteten Corona-Fälle bekannt. An diesem Samstag Vormittag erhalte ich über unseren WhatsApp-Management Chat die gleich sehr restriktiven Massnahmen der namibischen Regierung. Unter anderem werden per sofort sämtliche Schulen für einen Monat geschlossen und alle Direktflüge von und nach Europa gestrichen. In einem solchen sollten meine Freunde am Sonntag in Windhoek ankommen. Als ich ihnen diese Nachricht weiterleite, sind sie bereits auf dem Weg zum Flughafen. Nach einigen Stunden überlegen und abwägen der Möglichkeiten entschliessen sie sich für das Angebot der Fluggesellschaft und nehmen einen Flug über Johannesburg nach Windhoek. Die Einreise via Südafrika ist noch möglich. Nach der Übernahme des Camping-Fahrzeugs inkl. 2 Dachzelten geht die Reise über den Erindi Game Park und Waterberg nach Rundu. Ab hier macht uns Corona den zweiten Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollten wir die Victoria Fälle besichtigen. Die Einreise nach Botswana ist mittlerweile für Reisende aus dem Schengen Raum nicht mehr möglich. Da es in Namibia genügend Ausweichmöglichkeiten gibt, ist das aber nicht weiter schlimm. Wir verbringen zwei Tage in einer schönen Lodge im Babwata Nationalpark. Die erste Nacht in einem luxuriösen Camp2Go, einem komplett eingerichteten Zelt mit allem was man braucht. Die zweite auf einem sehr schönen Camp in unseren Dachzelten direkt am Fluss Kwando. Die Flusspferde, die wir nachts hörten, sahen wir am Tag darauf gleich dutzendweise. Erst auf dem Spatziergang dem Fluss entlang und später auf der Flussfahrt mit dem Boot der Lodge. Auf dem Gamedrive (geführte Fahrt durch den Nationalpark) sahen wir hingegen nur wenige Tiere. Dies bedingt dadurch, dass die Tiere während der Regenzeit genügend Wasser finden und deshalb nicht zwingend an den Fluss müssen.

Camp2Go Namushasha Lodge
Python hinter dem Zelt
Internationale Kooperation
Hippos im Kwando

Am nächsten Tag reisen wir weiter an den Zambezi Fluss, der sich ca 100 km weiter östlich die Victoria Fälle hinunter stürzt. Bei den momentan grossen Wassermengen sicher ein riesen Spektakel. Hier wollen wir wegen der etwas schlechteren Wetteraussichten ebenfalls 2 Nächte verbringen. Am zweiten Tag fahren wir nach Katima Mulilo, die Hauptsadt der Zambezi Region. Leider kommt es hier zu einer höchst unangenehmen Erfahrung für uns alle. Diebe schlagen kräftig zu und nehmen uns sämtliche Wertsachen ab. Eine kleine Mitschuld tragen wir selber indem wir etwas zu leichtsinnig waren und für uns gewöhnlicherweise selbstverständliche Sicherheitsmassnahmen ausser acht liessen. Glück im Unglück haben wir dann doch noch. Zum einen hatte ich mein Handy noch und konnte so sofort Alarm schlagen. Zum anderen arbeiten 2 Kolleginnen von Interteam in Katima wo wir uns für die nächsten 2 Nächte einquartieren durften bis all die administrativen Angelegenheiten erledigt waren. Speziell in Erinnerung bleiben wird uns die Aufnahme der Anzeigen bei der Polizei, die fast einen ganzen Tag in Anspruch nahm und unsere Geduld zwischenzeitlich etwas strapazierte.

da braut sich etwas zusammen
Openmarket Katima Mulio
Spuren einer lehrreichen Erfahrung

In diesen Tagen spitzte sich die Lage bezüglich Corona weiter zu. Martin, unser Landesprogrammleiter versorgte uns laufend mit den relevanten Informationen. Die Gefahr, dass meine Kollegen in Namibia „stranden“, stieg. Als uns Martin informierte, dass ab 27.3. Schweizer Touristen mit Flügen, die die deutsche Botschaft organisiert hat, mitfliegen dürfen, war der Entscheid zum Abruch der Reise gefallen. Sehr schade, dass diese Reise so enden musste. In Anbetracht der Umstände wohl aber die richtige Entscheidung.

Unsere Freunde schafften es gerade noch nach Windhoek. Seit 27.3. befinden sich die Regionen Khomas und Erongo im Lockdown und somit sind Reisen in diesen Regionen stark eingeschränkt. Seit 3 Tagen stecken sie in Windhoek fest. Immerhin sind sie in der Nähe des Flughafens. Heute hätten sie ausreisen sollen. Leider waren nur noch zwei Plätze übrig. Daher entschieden sie, alle oder keiner. Die Ausreise sollte nun am 30.3. klappen. Wir drücken die Daumen.

Unsere persönliche Situation in Rundu sieht wie folgt aus: Seit 27.3. arbeiten wir im Home Office. Da wir über private Laptops und Internet verfügen, können wir doch noch einiges von zu Hause aus machen. Im Gegensatz zu den meisten unserer Kollegen, die weder über Laptops noch Internet verfügen. Die Schulen sind schon seit zwei Wochen geschlossen. Zur Zeit gibt es in Namibia 11 bestätigte Corona-Fälle. Die Dunkelziffer dürfte jedoch einiges höher ein. Wir stehen im Kontakt mit unserer Landesprogramm-Leitung in Windhoek. Diese haben sehr gute Kontakte zu den lokalen Behörden. Uns geht es gut, wir bleiben zu Hause und halten uns an die Vorgaben der Regierung. Sollte sich die Lage verschlimmern, besteht die Möglichkeit einer Evakuation. Wir hoffen, es kommt nicht soweit und wir können hier bleiben. Bis jetzt ist die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt. Hamsterkäufe waren bisher keine auszumachen. Liebe Grüsse und bx (bliibed xund).

unser Home Office

4 Gedanken zu „Besuch aus der Schweiz in Zeiten von Corona“

  1. Hoi Zäme
    sehr, sehr ärgerlich, hoffe sie kommen wenigstens gut nach Hause. Wahrscheinlich erwartet sie in der Schweiz noch eine 14-tägige Quarantäne.
    Unsere Reise zu Euch können wir definitiv nicht antreten, wir sind daran , sie nach 2021 zu verschieben. Wir hoffen bis dann ist die Welt wieder in Ordnung.
    Liebe Grüsse Monika und Victor

  2. Puh. Ich hoffe, es wurden nur die Autos aufgebrochen und ihr persönlich seid nicht in Gefahr gewesen. Sehr schade, dass die Reise so enden musste. Unsern geplanten Besuch bei euch haben wir gleich um ein Jahr verschoben. Dann ist die Sache hoffentlich definitiv vorbei. Schaut euch gut und bleibt gesund.

  3. Wahrscheinlich werden wir nun alle 2021 bei euch eintreffen… packt euch schon mal warm ein..! Ich bin froh, sind euch nur Wertsachen geklaut worden und dass eure Freunde safe nach Hause kommen. Liebe Grüsse inzwischen auf diesem Weg und alles Liebe euch zweien!
    Bei uns ist es grad auch nicht lustig. Seit zwei Wochen ist nun unser Auboden schon geschlossen, ich kann nur noch Skype – und Telefonsitzungen anbieten, alles andere ist runtergefahren, Kurzarbeit fürs Team und haufenweise Kurs- und Kulturausfälle. Es ist gerade sehr anspruchsvoll, optimistisch zu bleiben, vor allem wenn das alles noch lange dauert. Aber so wie uns geht es hier ganz vielen, und so hoffe ich auch das werden wir irgendwie meistern. Drückt uns die Daumen! Alles Liebe; Sandra

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