Typisch Namibisch

Jedes Land hat seine Spezialitäten, die man mit der Zeit kennen lernt. Einige Beispiele für Namibia:

Strassenverkehr: In Namibia gilt Linkverkehr. Lichtsignale gibt es, wenn überhaupt, nur in grossen Städten. Ist die Kreuzung mit einer T-Tafel markiert (T3 oder T4), hat derjenige Verkehrsteilnehmer Vortritt, welcher als erster die Kreuzung erreicht hat. Diese Regelung funktioniert erstaunlich gut.

Strom: Viele Haushalte (so auch wir) zahlen die Stromrechnung im prepaid, also im Voraus. Dazu bieten die meisten Banken einen Telefonservice an. Über eine spezielle Nummer kann ein Guthaben für den jeweiligen Stromlieferanten geladen werden, dass direkt auf dem Bankkonto abgebucht wird. Anschliessend erhält man per SMS einen Code, der am Stromzähler im Haus erfasst wird und schon brennt das Licht wieder. Ähnlich funktioniert auch das Laden von Guthaben für das Handy. Sehr praktisch.

Einkaufen 1: Beim Einkaufen in einem Einkaufszentrum fallen einem die herumstehenden Einkaufswagen in Kassennähe auf, in welchen oft noch verschiedene Artikel liegen. Des Rätsel Lösung: Die Kunden schauen an der Kasse laufend auf das Display, welches den Betrag der bereits getippten Produkte anzeigt. Ist der maximal verfügbare Betrag erreicht, werden die Produkte, die am ehesten entbehrt werden können, einfach im Wagen belassen. So erspart man sich das Kopfrechnen und das Verkaufspersonal darf die überzähligen Produkte wieder in die Regale zurück räumen.

Einkaufen 2: Bei den Ausgängen der Shops in Rundu stehen Uniformierte, welchen man beim Verlassen des Ladens die Quittungen abgeben muss. Anschliessend werfen die uniformierten Damen oder Herren einen kurzen Blick in die Taschen, haken einzelne Artikel ab oder krabbeln sonst etwas auf die Quittung. Wohl eher eine präventive Massnahme, aber immerhin generiert sie Arbeitsplätze.

Essen: Namibier lieben Fleisch. Und Fleisch gibt es relativ günstig und in guter Qualitaet. Gegessen wird hauptsächlich Rind, Lamm und Game (Wild). Beim Wildfleisch handelt es sich häufig um Kudu, Orix oder Springbock. Alles Antilopenarten, die vorzüglich schmecken. Weniger ausgeprägt ist die Liebe für Gemüse und Salat. Kürzlich hatte ich 4 namibische Gäste zum Braai eingeladen. Das Einzige was übrig blieb, war das „Grünzeug“.

Trinken: Namibier trinken gerne und einige auch viel Alkohol. Vermutlich um Alkoholexzesse zu verringern, wurde vor einiger Zeit ein Alkoholverkaufsverbot ab Samstag 13:00 Uhr eingeführt. Ob dieses Verbot irgend eine Wirkung erzielt hat, wage ich zu bezweifeln.

Arbeitszeiten: In Namibia beginnt der typische Arbeitstag um 08:00 Uhr. Die Mittagspause dauert von 13 bis 14 Uhr. Arbeitsschluss ist um 17:00. Ausnahme dieser Regel sind Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen. Muss man also etwas Privates erledigen, wie einen Besuch bei der Bank, Post oder beim Finanzamt, oder man muss zum Arzt, Zahnarzt oder die Kinder von der Schule abholen, geht das nur während der ordentlichen Arbeitszeiten. Dies nennt sich „urgent private matter“ also dringende private Angelegenheit. Es ist hier also allgemein akzeptiert, dass man solche Dinge während der Arbeitszeit erledigt.

Klima: Hier möchte ich eine Stelle im Buch RegenWolkenZeit von Bessie Head rezitieren, dass ich kürzlich gelesen habe und unsere Erfahrungen mit dem namibischen Klima sehr schön umschreibt auch wenn die Geschichte im Buch in Botswana, dem Nachbarland von Namibia spielt.

„Niemand mochte den Juni und seine eisigen Winde oder die Sandstürme und hohen Winde des August und September. Und niemand mochte die Sommermonate, wenn es vielleicht regnete oder vielleicht auch nicht und wenn es immer zu heiss war zum Leben und zum Atmen. Aber der Juli war wie das Leben auf dem Grund eines tiefen blauen Meeres, denn wirklich schien es so, als habe der Winter eine Schicht aus glasigem blauen Licht über die Erde gebreitet. Man war in Botswana nie ohne den wolkenlosen Wüstenhimmel, aber im Juli musste das Sonnenlicht durch ein dichtes, blaues Tuch dringen, und dieses gefilterte Licht umhüllte alles mit einem glänzenden, sanften Schimmer. Gemheimnisvolle blaue Nebel hingen wie tiefe, stille Wolken den ganzen Tag am Horizont und zogen abends in kalten Lüften über die gewundenen Pfade.“

Blütenpracht im Juli, mitten im namibischen Winter
1. August in Namibia

Ein Gedanke zu „Typisch Namibisch“

  1. Sali ihr Lieben, oh das ist ja ein toller Einblick in die namibischen Gepflogenheiten! Immer wieder schön zu lesen, was es bei euch zu erleben gibt! Wenigstens bleibt da ganz viel „Grünzeug“ übrig für euch! Hier ist bald Kartoffelernte angesagt, neben ganz viel Anderem Grün- und Rotzeug wie Auberginen, Peperoni, Tomaten, Gurken in Hülle und Fülle, Bohnen usw… da kann man nur sagen; Grün in Hülle und Fülle! Liebe Grüsse und eine gute Woche! Sandra

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