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Tag 7: Wochenrückblick

Datum: 2. Mai 2010
Etappe: Heubach – Bad Hersfeld
Distanz: ca. 78km

In den letzten 2 Ortschaften hatte es werder eine Bank noch einen Geldautomaten. Deshalb musste ich gestern Abend die letzten Euro für den Camping aufsparen. Im Restaurant zur Röhnsicht konnte ich mit der Karte bezahlen. Nach dem Essen lernte ich an der Bar Sonja und Thomas, ein paar aus der Gegend, kennen. Die Zeit verging wie im Flug und bald waren wir die letzten Gästen. Um Mitternacht luden sie mich dann noch zu sich in ihr Mobilhome zu einem Schlummertrunk ein. Mobilhome ist eigentlich leicht untertrieben. Es sah eher aus wie in einer 3-Zimmerwohnung. Nachts um eins suchte ich dann mein Zelt und war froh, als ich in den Schlafsack kriechen konnte.Am nächsten Tag ging dann halt ein bisschen später los Richtung Fulda und ab Fulda dem Fuldaradweg Richtung Kassel. Um 1500 Uhr erreiche ich Bad Hersfeld und da es gerade wieder anfängt zu regnen, entschliesse ich mich, wieder einmal in einem richtigen Bett zu schlafen. Schnell ist die Jugendherberge gefunden. Hier kann ich meine Reiseberichte nach Hause übermitteln und die feuchte Wäsche zum Trocknen aufhängen.

Fulda:

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Ich bin jetzt eine Woche unterwegs, hier ein kleiner Rückblick:

Wetter: kalte Nächte, tagsüber meist trocken und teilweise sommerlich warm
Leute: überall sehr freundlich und hilfsbreit
Gefahrene Km: ca. 670
Schönste Streckenabschnitte: romantische Strasse, Taubertalgrössten
Städte: Ravensburg, Ulm, Würzburg, Fulda
Bis heute nicht benötigtes Material: gesamte Kochausrüstung, 2. Paar Bikeschuhe

Tag 6: Sinnvolle Reise

Datum: Samstag, 01.05.2010
Etappe: Estenfeld-Gemünden-Heubach
Distanz: ca. 110km

Nachdem ich am Abend in Estenfeld die Maibaum-Aufrichtung mitgefeiert habe, gings am nächsten Morgen trotzdem zeitig los. Zuerst zurück nach Würzburg und dann dem Main entlang nach Gemünden. Der Main-Radweg verdient seinen Namen da er praktisch ausschliessliche dem Main entlang geht. Zudem ist er sehr gut ausgebaut. Bei Karstadt treffe ich auf einen Biker. Als er erfährt, dass ich aus der Schweiz bin, begleitet er mich die nächsten 12 Km bis kurz vor Gemünden. Er hat ein Jahr im Sicherheitsdienst der deutschen Botschaft in Bern gearbeitet, wo es im sehr gut gefallen hat. Bei Gemünden verlasse ich den Main und folge nun der Sinn fluss-aufwärts durch das Sinntal an Ortschaften vorbei wie z.B. Burgsinn, Mittelsinn, Obersinn usw. Am 1. Mai wird in Deutschland nicht nur randaliert sondern auch gefeiert. In jedem Dorf gibt es Grillstände, Kaffee, Torten, Kuchen und natürlich Bier in allen Variationen. Am Nachmittag fahre ich dann 2 Stunden bei mittlerem Regen und ich kann nur bestätigen; es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Ausrüstung. Vielleicht bin ich morgen doch noch froh, dass ich ein 2. Paar Bikeschuhe dabei habe …

Tag 5: Achtung Sperrzone

Datum: Freitag, 30.04.2010
Etappe: Bad Mergentheim – Estenfel
Distanz: ca 75km

Da morgens in den Camping-Plätzen nichts los ist (Restaurant, wenn vorhanden noch geschlossen) geht es jeweils immer zuerst ins nächste Dorf oder zur nächsten Tankstelle. Dort gibt es Kaffee und Gipfeli, die etwa doppelt so gross sind, wie zu Hause. Dies gilt auch für die Fleischportionen. Alles ziemlich überdimensioniert für unsere Verhältnisse, aber wenn man mit der Rad unterwegs ist, kommt einem das doch sehr entgegen.

Nach Lauda-Königshofen gelange ich nach Tauberbischofsheim und früh am Nachmittag bin ich bereits oberhalb von Würzburg. Eine Frau weist mir den Weg in die Stadt weg von der Hauptstrasse in einen Wald. Plötzlich stehe ich vor einem 3 Meter hohen Tor. Da dieses nicht verschlossen ist und dahinter eine breite Teerstrasse weiterführt, fahre ich weiter. Langsam überkommt mich ein merkwürdiges Gefühl. Überall sind getarnte Unterstände zu
sehen. Dafür fehlen jegliche Strassenschilder. Plötzlich ist die Strasse zu Ende. Als ich wieder zurückfahren will, treffe ich auf einen alten Mann, der aussieht wie der Alpöhi, mit dem Unterschied das er eine Bundeswehruniform trägt. Bei ihm 2 Hunde, die mich lautstark anbellen. Höflich aber bestimmt macht er mich darauf aufmerksam, dass ich mich in militärischem Sperrgebiet befinde, wo die hier stationierten amerikanischen Soldaten Munition lagertern. Ich hätte Glück, dass er mich gesehen habe, denn er wollte soeben das Gelände verlassen und hätte dann das Tor geschlossen..
Er begleitet mich zu Gelände heraus und erklärt mir noch, wie ich auf einer Naturstrasse durch den Wald nach Würzburg gelange. Der erste Downhill auf einem Trail mit Anhänger.

Würzburg:

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Tag 4: Liebliches Taubertal

Datum: Donnerstag, 29.04.2010
Etappe: Dinkelsbühl – Bad Mergentheim
Distanz: ca. 100km

Und es war wieder verdammt kalt in der Nacht. Aber die kommenden Nächte sollen wärmer werden :-). Nachdem ich um 4 Uhr eine zusätzliche Schicht angezogen habe, schlief ich durch bis die Sonne das Zelt richtig aufheizte; es war bereits 9 Uhr. Der Wornitz entlang ging es zuerst nach Feuchtwangen und Archshofen. Am Mittag stehe ich wieder einmal an einem Grillimbiss. Dort spricht mich ein Mann an, der sich von meinem Anhänger angezogen fühlte. Wie sich herausstellte, war ich auf eine lebende Fahrrad-Legende gestossen. Er erzählt mir von seinen Touren – einmal 18000 km am Stück – hoch nach Norwegen und anschliessend auf Umwegen nach Südspanien. Bis 65 hat er zudem jährlich an einem Marathon teilgenommen. Unter anderem in Paris, Wien, Köln usw. Das Spezielle daran; die Anfahrt erfolgte immer per Fahrrad …

Jetzt mit 75 Jahren sei er nur noch zu Fuss unterwegs. Zur Zeit gehe es Richtung Füssen (ca. 250 Km). Er habe genug lang nur das Vorderrad des Velos gesehen und geniesse es, beim wandern die Gegend zu bewundern. Zum Schluss gibt er mir den Tipp, nach Würzburg vorerst dem Main entlang zu radeln und dann über Fulda und Kassel hoch zur Weser zu fahren. Beim erzählen gerät er dermassen ins Schwärmen, dass es ansteckend ist. Ich werde mich in Würzburg entscheiden müssen, wie es weitergeht.

Auf meiner weiteren Fahrt gelange ich an die Tauber. Ab hier sind die Wegweiser jeweils mit ´liebliches Taubertal´beschriftet.

Bei einem Zwischenstopp in Rothenburg an der Tauber fühlt man sich echt ins Mittelalter zurückversetzt, wenn da nicht die bunten Sonnenstoren und die knipsenden japanischen Touristen wären.

Die Sonne brennt wie im Hochsommer, nachmittags immer von der linken Seite auf meine Waden. Trotz Sonnencreme werden diese immer röter.

Unterwegs im Taubertal:

Unterwegs im Taubertal dsc00929.JPG

Tag 3: Romantische Strasse

Datum: Mittwoch, 28.04.2010
Etappe: Dillingen – Dinkelsbühl
Distanz: ca. 100 km

Nach einer weiteren kalten Nacht erwartet mich ein herrlicher Tag. Nach einem Small-Talk mit meinem Zeltnachbarn, ein Neuseeländer, der seit Ende März mit dem Fahrrad quer durch Europa unterwegs ist, bin ich um 9 Uhr startklar. Vor Donauwörth treffe ich ein Ehepaar aus Egnach, dass mit Flyer-Elektro-Velos von Ulm Richtung Passau unterwegs ist. Da die Akkus nur für ca. 50 Km reichen, haben sie Ersatz-Akkus dabei.

In Donauwörth kaufe ich in der Touristeninformation eine Velokarte für die “romantische Strasse” und fahre somit wieder nordwärts. An dieser Strecke – von den Alpen (Füssen) zum Main (Würzburg) hat es viele historische Städte mit Burgen (Harburg), Schlössern, gut erhaltenen Altstädten (Harburg, Nördlingen, Dinkelsbühl).

Um 1700 Uhr erreiche ich Dinkelsbühl und schlage mein Zelt auf einem 4-Sterne Camping auf. Gemäss Platzwart bin ich der erste Zelt-Tourist der Saison; kein wunder bei diesen kalten Nächten…

Abendstimmung auf dem Campingolatz:

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Tag 2: In Ulm und um Ulm herum

Datum: Dienstag, 27.04.2010
Etappe: Winterstetten – Ulm-Dillingen a.d. Donau
Distanz: ca. 125km

Die Bäuerin hat mich vorgewarnt. Pünktlich um 5 Uhr legt der Hahn los. In regelmässigen Abständen wiederholt er seinen ´Ruf´ zur Tagwache. Um 530 Uhr hat er mich endgültig überzeugt. Da ich mich bereits am Abend von der Bauernfamilie verabschiedet habe, starte ich um 630 Uhr. Bei frischen Temperaturen fahre ich über Biberach weiter Richtung Donau. In den kleinen Dörfern hat es meistens ein Gasthaus, die sind aber in der Regel geschlossen. Dafür gibt es fast überall einen Grillstand mit Brathühnchen, Haxen, Fritten usw. Also die ideale Radfahrer-Mahlzeiten …

Etwa 10 Km vor Ulm sehe ich dann zum ersten Mal die Donau, die hier bereits ein stattlicher Fluss ist. Entlang der Donau brauche ich die Karte praktisch nicht mehr. Der DRWW (Donau-Rad-Wander-Weg) ist sehr gut ausgeschildert (inklusive einer Umleitung durch die Altstadt von Ulm). Auch die Infrastruktur entlang dem Radweg ist auf die Radfahrer ausgelegt. In regelmässigen Abständen folgen sich die ´Radler-Tankstellen´oder einladende Biergärten. An diesen Orten bekommt man auch gute Infos zur Strecke, zB wie weit es noch bis zum nächsten Camping geht. 4 Km vor dem nächsten Camping in Dillingen frage ich eine Frau nach dem Weg. Sie bietet sich an, die Strecke mit mir gemeinsam zu fahren. Während der Fahrt dorthin erzählt sie mir einiges über den Ort und dass heute Abend im Dorf gefestet wird mit abschliessendem Feuerwerk. Das passt.

an der Donau bei Ulm:

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Tag 1: On the road again …

Datum: Montag, 26.04.2010
Etappe: St. Gallen – Winterstetten Stadt
Distanz: 78km
Zeit: 07:50 Uhr bis 16:30 Uhr

Kurz vor dem Start packe ich noch 2 Stück Rüeblitorte ein, die Enrico am Sonntag gebacken hat. Dann geht´s los. Um 7.50 Uhr starte ich trotz dunklen Wolken am Himmel durch den Schorenwald Richtung Wittenbach. Bis Romanshorn musste ich dreimal Schutz vor dem Regen suchen. Entsprechend lange brauchte ich für die ersten Kilometer. In Romanshorn geht es direkt auf die Fähre und 40 Min. später bin ich in Friedrichshafen. Es zeigen sich die ersten blauen Stellen am Himmel. Jetzt kann´s losgehen. Zuerst Richtung Ravensburg am Spieleland vorbei und weiter Richtung Aulendorf. Als ich bei einem Wegweiser anhalte, erlebe ich meine erste Schrecksekunde. Ich merke, dass etwas am Hinterrad lottert, und denke zuerst an den Anhänger. Dann sehe ich, dass sich der Schnellspanner der Hinterradachse gelöst hat. Für den Rest des Tages kontrolliere ich bei jedem Halt, ob auch wirklich alles fest angezogen ist …

Auch am Nachmittag fallen zwischendurch immer wieder Regentropfen, aber die Temparaturen sind angenehm. Gegen 1630 Uhr frage ich eine Bäuerin, die vor ihrem Haus im Garten beschäftigt ist, ob ich auf ihrem Land mein Zelt aufstellen darf. Sie willigt sorfort ein und lädt mich auch noch um Nachtessen ein. Während dem Essen kommen wir ins Gespräch. Frau Schelkle erzählt mir, dass sie seit 39 Jahren auf dem Stadelhof ist, 2004 zum ersten mal gemeinsame Ferien mit ihrem Mann verbrachte, 4 Kinder hat, lange ihren pflegebedürtigen Vater gepflegt hat und dass nach dem Tod des Vaters auch die Mutter pflegebeürftig wurde und sie sie dann auch noch 7 Jahre pflegte. Als die Mutter starb, viel sie in ein Loch. Um da wieder herauszukommen, nahm sie eine geistig behinderte Frau mit einem Kind bei sich auf, die sie wie eine eigene Tochter behandelt. Schliesslich erzählt sie mir, dass sie seit einem Jahr an Krebs leidet und die nächste Chemo anstehe. Ich staune, wie gelassen sie ihr Schicksal annimmt und welche Zufriedenheit diese Frau trotz allem ausstrahlt.

Schlafen neben dem Hühnerstall:

Schlafen neben dem Hühnerstall