Fussball in Afrika

Wir gehen in der Regel zweimal die Woche joggen. Im ersten Jahr oft auch durch das benachbarte Quartier Sauyemwa, welches zu Rundu’s ärmsten Vierteln zählt. Auf dieser Runde begleitete uns meist eine ganze Horde lachender kleiner Kinder. Seit Ausbruch von Corona entschlossen wir uns wegen einer allfälligen Ansteckung, unsere Runden ins nahe Fussballstadion des ansässigen Vereins Cuca Tops zu verlegen. Cuca Tops spielt in Namibias zweithöchsten Liga. Das Stadion ist in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Die Tribüne ist nahe am zusammen brechen, die Garderoben sind verlottert und Rasen gibt es auch keinen (mehr). Das Spielfeld besteht aus Sand, Staub und Steinen. Die Fussballtore haben keine Netze, Seitenlinien oder Eckfahnen sucht man vergebens. Trotzdem wird hier mit viel Enthusiasmus Fussball gespielt. Cuca Tops trainieren viermal die Woche, montags bis donnerstags. Trainingsbeginn ist nach Feierabend um ca. 17:20 Uhr. Trainiert wird aus Mangel einer funktionierenden Platzbeleuchtung bis Sonnenuntergang. Momentan bis ca. 18;30 Uhr. Es sind jeweils ca. 30 Spieler auf dem Platz. Zum Aufwärmen werden erst 2,3 Runden um dem Platz gedreht. Danach folgt eine Trainingseinheit von ca 20 Minuten. In Ermangelung an genügend Bällen erfolgt diese meist ohne Ball. Ein Schuss-oder ein Torhüter-Training wie bei uns in der Schweiz habe ich hier noch nie gesehen. Der Hauptteil des Trainings wird dem abschließenden Spiel gewidmet. Nur ca. die Hälfte der Spieler verfügen über eigentliche Fußballschuhe. Einige spielen in Turnschuhen oder Sneakers, Vereinzelte sogar Barfuss. Die meisten Spieler sind technisch versiert, sehr beweglich und schnell. Die Spiele sind wenig von Taktik geprägt. Der Spieler, der am Ball ist, sucht wenn immer möglich das Dribbling. Ein Zuspiel auf einen besser positionierten Spieler ist nur die zweite Option. Vielleicht ist dies genau der Grund, weshalb sich afrikanische Mannschaften bis heute noch nicht in der Weltspitze festsetzen konnten. An hervorragenden Individualisten fehlt es garantiert nicht. Die eigenen Bedürfnisse zugunsten des Team unter zu ordnen, den Erfolg des Teams an die erste Stelle zu setzen, scheint vielen schwer zu fallen. Gewisse Parallelen sehe ich hier auch im Berufsalltag, aber wir arbeiten daran.

Wohin des Weges?

Fragen über Fragen, die das Gewissen plagen

Wohin des Weges? Diese Frage stellten wir uns vor ziemlich genau 3 Jahren, nachdem wir das Job Assessment bei INTERTEAM erfolgreich durchlaufen hatten. Wir erhielten 3 Wochen Bedenkzeit, in der wir uns Gedanken machten, was für und was gegen einen Einsatz in der personellen Entwicklungsarbeit spricht. Während Rahel eher Mühe mit dieser Entscheidung hatte, war es für mich ziemlich schnell klar, dass ich dieses Abenteuer eingehen möchte. Nach 3 Jahren stehen wir nun wieder vor einer wichtigen Entscheidung. Unser Arbeitsvertrag läuft Ende 2021 aus. Schon Ende letzten Jahres war für uns klar, dass wir unseren Einsatz in Rundu nicht verlängern möchten. Die Arbeit hier ist und war für uns eine Bereicherung und eine sehr wertvolle Lebenserfahrung, andererseits aber ist es auch eine grosse Herausforderung. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Obwohl Namibia über 20 Prozent des Staatsbudgets in die Bildung steckt, fehlen die Mittel an allen Ecken und Enden. Die Infrastruktur ist vernachlässigt, es fehlt an Klassenzimmern, Stühlen und Tischen, Büchern und Schreibmaterial. 50 Schüler und mehr in einem Klassenzimmer, die teilweise am Boden sitzen muessen, sind keine Seltenheit. Gerade die Ausbildung der Basic Prevoc-Klassen ist sehr kostenintensiv, da für die praktische Ausbildung von z.B. Schreinern natürlich auch Maschinen und Material benötigt werden. Mittlerweile fliessen fast 90 % der Ausgaben in der Bildung in Löhne, Zulagen und Sozialabgaben. Der Anteil für operative oder bauliche Ausgaben wird Jahr für Jahr kleiner. Dies, weil Reformen auf der Personalkosten-Seite einen sehr (zu) schweren Stand haben und die Prioritäten beim Geld ausgeben (aus meiner Sicht) nicht immer Zielgruppen orientiert, sprich nicht immer zugunsten der Schüler sind. Nach über 2 Jahren hier in Rundu habe ich das Gefühl, dass ich meine Inputs zur Verbesserung der Situation deponieren und auch einige Erfolgserlebnisse verbuchen konnte. Darüber bin ich sehr dankbar. Jetzt ist die Zeit gekommen, meine angefangenen Arbeit hier abzugeben, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Input weiter geführt wird.

Dann ist ja alles klar, Ende 2021 Rückkehr in die Schweiz. Könnte man meinen, wenn da nicht das verlockende Angebot aus Windhoek wäre. Ms Karises, die Finanzchefin des Bildungsministeriums hat mir ein Angebot für einen Transfer nach Windhoek nach Ablauf meines Vertrages in Rundu gemacht. Mittlerweile habe ich bereits temporär je eine Woche im März und eine Woche im April im Hauptsitz gearbeitet. Dies ermöglichte mir einen Blick ins Tagesgeschäft zu werfen und verschiedene Ideen und Vorschläge einzubringen. Die Arbeit in der Zentrale wäre definitiv eine neue Herausforderung. Und eigentlich fühle ich mit mit knapp 59 Jahren auch noch fit, eine solche zu übernehmen. Trotzdem fällt mir die Entscheidung diesmal bedeutend schwerer als vor 3 Jahren. Für ein Bleiben in Namibia sprechen nebst den interessanten Aufgaben auch die Corona Situation, die hier in Namibia deutlich entspannter ist, als ich sie aus Europa mitbekomme. Auch das Freizeitangebot in der Hauptstadt und Umgebung hat einiges zu bieten. Nebst den kulturellen und sportlichen Veranstaltungen gibt es Badeseen, Berge zum Wandern oder Biken in der Nähe und auch das Meer ist nicht weit entfernt. Zudem sind die Jobaussichten für einen 59 – Jährigen in der Schweiz nicht gerade rosig und eigentlich fühle ich mich noch nicht reif für eine Frühpension. Wieso also nicht noch etwas länger in Namibia bleiben?

Vor drei Jahren hatte Rahel Mühe mit der Entscheidung, diesmal bin ich es. Damals hatten wir 3 Wochen Bedenkzeit, diesmal sind es noch 2 Monate.

Ostern im Caprivi

Am 21.3. feierte Namibia zum einunddreissigsten Mal den Unabhängigkeitstag. Da dieser auf einen Sonntag fiel, wurde der Feiertag am Montag kompensiert. Wir nutzten das verlängerte Wochenende mit einem Ausflug nach Divundu. Divundu liegt 200 km östlich von Rundu im sogenannten Caprivi Streifen. Hier biegt der Kavango Fluss Richtung Süden ab, nachdem er über einige hundert Kilometer ostwärts floss und die Grenze zu Angola bildete. Nach ca. 50 km erreicht er Botswana und versandetet später im Okavango Delta, eine der grossen Attraktionen für Tier- und Wildnis-Liebhaber in Botswana. In Divundu kenne ich mittlerweile fast alle Lodges, unter anderem auch wegen der Leadership-Workshop, die hier im Februar und März stattfanden. Die Lodges überbieten sich im Kampf um die wenigen Touristen mit Sonderangeboten. Und so leisten wir uns zwischendurch ein solches, anstelle der günstigeren Camping-Variante. In Divundu beginnt auch der Bwabwata Nationalpark, der sich bis ins 200 km östlich gelegene Kongola erstreckt. Speziell an diesem Park ist, dass mit Ausnahme der sogenannten Core-Areas in grossen Teilen des Parks die traditionellen Bevölkerungsgruppen leben. Auch die Wildtiere können sich frei bewegen und migrieren (auch ohne PCR-Test) je nach Jahreszeit zwischen den angrenzenden Ländern. Im Bwabwata findet man (wenn man Glück hat) nebst vielen anderen Tieren, 4 der 5 „big fives“, das sind Loewen, Leoparden, Elefanten und Büffel. Nur Nashörner gibt es hier im Norden keine. Ueber Ostern ging’s dann schon wieder Richtung Osten. Diesmal bis zur Namushasha Lodge zum Camping direkt am Kwandofluss, der später zum Linyanti und schließlich zum Chobe wird. Am Samstag unternahmen wir einen Gamedrive im Mudumu Nationalpark. Gemäss Register am Parkeingang waren wir die einzigen Gäste an diesem Tag. Die Dame an der Rezeption empfahl uns nur wenige Strecken des gut 700 km2 grossen Parks. Aber auch die uns empfohlenen Strecken waren teilweise sehr sandig und nur mit der Getriebeuntersetzung befahrbar. Am späten Nachmittag gönnten wir uns eine Flussfahrt auf einem der vielen Nebenarme des Kwandos, die hier in einer einmaligen Sumpflandschaft meandern. Nebst vielen Vögeln erfreuten wir uns auch an den Flusspferden und an der wunderbaren Abendstimmung.

Besuch aus Frankreich

Dieses Wochenende waren Morgane & Loic (https://moloavelo.wordpress.com/) für 3 Tage bei uns zu Gast. Das junge Paar aus Frankreich ist seit September letzten Jahres mit dem Fahrrad unterwegs. Bis Ende 2020 radelten sie durch verschiedene Länder Europas. Zwischendurch mussten sie dabei wegen geänderten Corona-Regeln fluchtartig ihr aktuelles Land wechseln. Im Januar flogen sie dann von der Türkei nach Nairobi in Kenia. Anschliessend bereisten sie Tansania und Sambia. Nach einem Besuch der berühmten Victoria Fälle rollten sie bei Katima Mulilo in Namibia ein. Über die Touren-Velo-Fahrer-Plattform warmshowers.org kontaktierten sie mich, und fragten ob wir sie für ein paar Tage beherbergen könnten. Ich habe mich vor meiner letzten grösseren Veloreise im 2018 auf dieser Plattform registriert. Sie dient Veloreisenden zum Austausch von Informationen, als Möglichkeit, Velofahrer zu beherbergen beziehungsweise als Tourenfahrer eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Während in Europa ein Überangebot an Gastgebern besteht, ist hier in Afrika die Anzahl der Gastgeber sehr bescheiden und beschränkt sich fast ausschließlich auf grössere Städte. Bis jetzt wurde ich von einzelnen Veloreisenden zur Lage in Namibia angefragt. Seit Ausbruch der Pandemie wurde es aber ziemlich ruhig auf dieser Plattform. Morgane und Loic waren nun die ersten Warmshowers-Gäste, die wir beherbergen durften. Für uns war es eine schöne Abwechslung, wieder Mal Gäste aus Europa zu haben und Morgane und Loic haben das weiche Bett und die warme Dusche sehr geschätzt.

Neue Aufgaben in Windhoek & Interteam Meeting im Etosha

Bei meinem letzten Einsatz für das Head Office im November hat mich die Finanzchefin gefragt, ob ich Interesse hätte, vermehrt ihre Abteilung zu unterstützen. Sie wünsche sich meinen Support vor allem in der Lohnbuchhaltung. Im Februar wurde ihre Anfrage konkreter und ich erhielt eine Einladung für einen Einsatz in Windhoek, jeweils eine Woche pro Monat für die restliche Zeit meines Vertrags. Am 28. Februar machte ich mich erstmals in dieser Mission auf den Weg. Nach einer ersten Sitzung wurden verschiedene Themenfelder eruiert, in welchen meine Unterstützung gewünscht wird. Nebst einem Weiterausbau des Monitorings und Reporting’s für die Lohnbuchhaltung sind es auch die Entwicklung von einheitlichen Buchhaltungs-Tools für alle Schulen im Land, inklusive einer Schulung der Verantwortlichen, ein einheitliches Ausgaben-Reporting-Tool für die 14 Regionen und verschiedene Controlling-Tools für die Zentrale. Nach einer ersten Priorisierung machte ich mich zusammen mit dem zuständigen Chefbuchhalter gleich an die Arbeit. Der Druck ist vor allem bei der Lohnbuchhaltung gross. Hier geht es einerseits um eine Qualitätssteigerung der Lohndaten. Immer noch fließt ungerechtfertigter weise Geld ab, zum Beispiel durch Doppel-Zahlungen. Andererseits aber auch um Betrugsbekämpfung. Anhand eines aktuellen Falls definierten wir die Kriterien für eine monatlichen Watch-List, mit welcher wir solche und ähnliche Fälle zukünftig schneller aufdecken können. Bei dieser Aufgabe konnte ich auf meine Erfahrungen bei meinen letzten Arbeitgeber zurückgreifen, wo wir ein vergleichbares Monitoring-Tool im Einsatz hatten. Die Woche verging wie im Flug und ich freue mich schon auf meinen nächsten Einsatz Mitte April.

Nach meiner Rückkehr nach Rundu ging es gleich wieder auf Reisen. Für letzte Woche war das Interteam-Halbjahres-Meeting angesagt. Doch erst verbrachten wir das Wochenende am Waterberg. Was für ein Unterschied zu unserem letzten Besuch hier im Oktober. Nach einer guten Regenzeit hat sich die Vegetation massiv verändert. Grün, soweit das Auge reicht. Und auch die Temperaturen waren angenehm und erlaubten es uns diesmal, die Wanderung auf das Plateau unter die Füsse zu nehmen.

Anschließend fuhren wir zum Etosha Safari Camp, wo unser diesjähriges Meeting stattfand. Hier konnten wir Beate und Nicole, unsere neuen Kolleginnen begrüssen, welche erst kürzlich ihre Arbeit in Namibia aufgenommen haben. Nebst dem fachlichen Austausch kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Der Höhepunkt waren aber die Löwen-Sichtungen auf unserem gemeinsamen Game Drive im Etosha Nationalpark.

Leadership Training, Hostel Einweihung & Regenzeit

Zur Zeit findet in unserer Region ein Leadership Training für neue Schulleiter (Principals) und Schul-Abteilungsleiter (Head of Departments) statt. Als Austragungsort wurde die Mahangu Safari Lodge auserkoren. Diese Lodge liegt direkt am Kavango Fluss im Osten unserer Region, an der Grenze zu Botswana. Durch den immer noch sehr bescheidenen internationalen Tourismus konnte mit den Besitzern der Lodge ein sehr guter Preis ausgehandelt werden. In 4 Blocks zu je 6 Tagen besuchen insgesamt 150 Führungskräfte diesen Workshop. Unser Direktor hat Pandu und mich gebeten, jeweils einen Nachmittag pro Block den Teilnehmern das Thema finanzielle Führung einer Schule näher zu bringen. Wir haben uns entschieden, nebst einem Theorie-Teil auch einen praktischen Teil durchzuführen. Für diesen habe ich ein einfaches Excel-Tool entwickelt, welches aus folgenden Arbeitsmappen besteht: Kassenbuch, Bankabstimmungstool, Barkassenregister, Budgetvorlage, Budget-Kontroll-Tool und einem Register für die Quittungsbücher. Hier in Namibia wird immer noch sehr viel handschriftlich gearbeitet obwohl Computer an vielen Schulen vorhanden sind. Unser Ziel ist es, den Verantwortlichen die Vorzüge der Technik aufzuzeigen. Nicht nur für die ausführende Person an den Schulen sondern auch für die Schulleitung, welche die Verantwortung für die Finanzen der Schule trägt und so monatlich schnell einen Überblick über den Stand der Finanzen erhält. Auch die Durchführung von internen und externen Kontrollen wird erleichert, das das Nacherfassen der Transaktionen wegfällt. Unsere erste Präsentation fand am letzten Donnerstag statt. Die Teilnehmer waren sehr engagiert und ich hatte den Eindruck, sie freuen sich, in Zukunft mit den neuen ‚Werkzeugen‘ arbeiten zu können. Beim Nachtessen auf der Veranda tauchte als krönender Abschluss des Tages auf der anderen Flussseite eine Herde von ca 20 Elefanten auf.

Am letzten Mittwoch fuhren wir nach Likwaterera, eine Schule im Inland, etwa 40 km südöstlich von Rundu. An diesem Tag fand die feierliche Einweihung eines neuen Hostels statt. Das Hostel bietet Platz für 84 Lernende, je 42 Mädchen und Jungs. Die Kosten für den Bau des Hostel, die komplett eingerichtete Küche und sämtliches Inventar, wie Betten, Matratzen, Tische, Bänke usw wurden von einem deutschen Gönner gespendet. Diese sicher reiche, aber auch sehr grosszügige Person hat mittlerweile schon sechs solche Projekte in verschiedenen Regionen Namibias finanziert. Die Gesamtkosten beliefen sich für dieses Projekt auf 6 Millionen Nam-Dollar, was knapp 400’000 CHF entspricht. Die Einweihung begann 10 Uhr mit diversen Ansprachen von Vertretern aus Politik, Dorfgemeinschaft, des Gönners und unseres Direktors, der die Schlüssel des Hostel symbolisch übernehmen durfte. Zwischen den Ansprachen wurde getanzt, getrommelt und gesungen. Nach der Besichtigung wurden alle Anwesenden verköstigt. Ein sehr schöner Anlass, welcher sich (nicht nur bei Rahel und mir) in der darauf folgenden Nacht mit Magen-Darmproblemen nochmals in Erinnerung rief.

In der diesjährigen Regenzeit fiel bis jetzt im ganzen Land überdurchschnittlich viel Regen. Dies wird in den sozialen Medien richtiggehend gefeiert. Wasser bedeutet Leben, Videos von vollen Staudämme, welche die Schleusen öffnen müssen, wunderbare Bilder von blühenden Wüsten, Fluten in Flüssen, die über Jahre kein Wasser mehr führten usw. Bei uns in Rundu regnet es seit anfangs Jahr praktisch täglich, was gut für unseren Garten ist. Aber ich freue mich langsam aber sicher auch wieder auf die trockenere Jahreszeit.

Paulus Muyenga

Ich habe hier schon ab und zu über unseren Security Guard Muronga berichtet. Heute möchte ich euch etwas über unseren zweiten Guard Paulus Muyenga erzählen. Paulus hatte bereits früher bei Abwesenheiten von Muronga oder Magnus ab und zu bei uns ausgeholfen. Als wir nach dem Einbruch in unser Haus wieder Guards anstellen konnten, erinnerte ich mich an Paulus, ein aufgeweckter, zuverlässiger und stets freundlicher Mitmensch. Deshalb beantragte ich beim zuständigen Vorgesetzten der Security Firma, ob neben Muronga Paulus fest für unser Haus zugeteilt werden könnte. Der Vorgesetzte entsprach unserem Wunsch und seit September letzten Jahres arbeitet Paulus bei uns. Mitte Dezember teilte mir Paulus mit, dass seine Firma ihn nach Kawe, ein kleines Dorf im Busch ca 1 Stunde von Rundu entfernt, versetzen möchte. Eine kanadische Firma wolle in der Gegend nach Öl und Gas bohren und benötigt für die Bewachung der Baustellen einen Sicherheitsdienst.

Nebenbei: die kanadische Firma (http://reconafrica.com/) hat sich die Rechte für Bohrungen in einem Gebiet von ca. 34000 km2 gesichert. Also beinahe die Größe der Schweiz. Gerüchten zufolge sollen auch Flächen in verschiedenen Nationalpark Namibias und Botswanas dabei sein.

Anfangs war Paulus gar nicht glücklich über diese Versetzung. Nachdem die Firma ihm versprochen hat, dass der Einsatz für einen Monat befristet ist, für ihn keine Mehrkosten entstünden und sie vor Ort Verpflegung und Unterkunft erhielten, willigte er dann doch ein. Dies obwohl seine Frau kurz vor Geburt ihres 4. Kindes stand. Sicher auch ein Grund war, dass er von der Firma mit einer neuen Uniform und neuen Schuhen geködert wurde.

Unser Aushilfe-Security Marcus hatte uns vorgestern mitgeteilt, dass er ab Dienstag an einem anderen Ort eingeteilt sei. Wir waren gespannt, wer ihn diesmal ablösen wird. Am Abend erschien dann tatsächlich Paulus zum Dienst. Er erzählte uns, dass der Einsatz in Kawe nicht gemäss den Versprechungen ablief. Zwar wurden einige Guards nach einem Monat abgelöst. Er und andere mussten aber bleiben und die neuen Mitarbeiter einarbeiten. Kochen und Kleider waschen mussten sie selber. Da die Lebensmittel zu knapp waren, mussten sie zusätzliche beschaffen, was ungeplante Zusatzkosten verursachte. Auch durften sie das Gelände die ganze Zeit nie verlassen. Die Dorfgemeinschaft ist ebenfalls nicht glücklich über die neue Situation. Anscheinend starben seit dem Beginn der Bohrungen verschiedene Haustiere. Die Dorfbewohner sehen darin eine Verbindung mit den Bautätigkeiten. Auch haben sie sich mehr Beschäftigung für die Community versprochen. Bis jetzt wurden nur wenige Bewohner für einfache Hilfstätigkeiten eingestellt. Auf den Bohr-Plätzen arbeiten fast ausnahmslos ausländische Fachkräfte.

Paulus ist nach über 2 Monaten im Busch froh, wieder bei seiner Familie in Rundu zu sein. Übrigens, seine Tochter kam am 10.1.21 auf die Welt und heisst ebenfalls Emily, wie mein 3. Großkind, welches am 26.1. 21 zur Welt kam 🙂

Heisse Weihnachten, Teil 2

Nach drei erholsamen Tagen in der Grootberg Lodge ging unsere Reise weiter an die Westküste Namibias, nach Torra Bay im Sceleton Coast Nationalpark. Hier schlugen wir unser Zelt für zwei Nächte auf. Torra Bay ist ein Paradies für Angler. Geschätzte 500 Personen versammelten sich hier über Weihnachten/Neujahr um ihrer Leidenschaft zu fröhnen. Die meisten davon sind weisser Hautfarbe und sind aus allen Landesgegenden oder aus Südafrika angereist. Viele der Camper schleppen den halben Haushalt mit an die Küste. Wir trafen dort auch Gerda und Lukas aus Outjo wieder. In ihrem AirBnB auf ihrer Farm verbrachten Rahel und ich im Dezember 2019 eine Nacht. Lukas beschenkte uns gleich mit ca 2 kg Fleisch von seiner Farm. Er und seine Familie waren mit dem Lastwagen angereist und hatten sogar eine Tiefkühltruhe mit dabei. Nach den heissen letzten Tagen konnten wir hier an der Küste etwas abkühlen. Die Temperaturen bewegten sich um die 20 Grad. Am 2. Tag fuhren wir bis zur 50 km nördlich gelegenen, einsamen Terrace Bay. Am nächsten Tag gings ca 200 km südwärts, alles der Küste entlang. In Cape Cross besuchten wir eine Robbenkolonie. Zwischen 80 und 100 Tausend Tiere leben hier. Viele sonnen sich am Strand und verbreiten einen ziemlich penetranten Gestank während andere in der Brandung auf Fischfang gehen.

Über Hentjes Bay im Dorob Nationalpark ging die Fahrt weiter nach Uis. Uis ist ein verschlafenes Minenstädtchen am Rand der Namib Wüste mit schönen Blick auf das Brandberg Massiv, den höchsten Bergen Namibias. Auch hier fanden wir wieder ein sehr schönes Camp. Nebst Strom- und Wasseranschluss, einer Grillstelle, einer Dusche und WC, einem gedeckten Sitzplatz verfügte dieses Camp auch über ein Restaurant mit einem originellen Kaktusgarten. Spezialität des Hauses sind Pancakes in verschiedenen Variationen. Weil wir schon in der Nähe waren, machten wir auch noch einen Abstecher zur Brandberg White Lady Lodge. Dieser Lodge ist auch ein Kapitel im Namibia-Beststeller „Hummeldumm“ gewidmet und wir wollten uns daher diesen Schauplatz genauer anschauen. Nebst der White Lady – einer alten Wandmalerei in den Felsen des Brandbergmassives, sind die Wüstenelefanten eine weitere Attraktion dieser Gegend. Und diese fanden wir auch auf unserer Pirschfahrt im ausgetrockneten Flussbett des Ugab. Ein junger Bulle futterte dann sogar nachts von den Zweigen des Baumes, unter welchem wir unser Zelt aufgestellt hatten.

Über Khorixas gelangten wir zum Ugab Terrace Camp. Hier waren wir wieder einmal die einzigen Gäste. Die Lodge war corona-bedingt geschlossen und nur die Camps geöffnet. Auch in der benachbarten Vingerclip Lodge war nur wenig Betrieb.

Mehr los war dann im Olifantrus Camp und in der Dolomite Lodge. Beides Betriebe der staatlichen Namibian Wildlife Resorts (NWR) im Westen des Etosha Nationalparks. Die Dolomite Lodge besticht durch ihre erhöhte Lage auf einem Hügelzug mit Blick auf eine tierreiche Ebene. So sahen wir auf unserer Veranda sitzend unter anderem ein Nashorn, Giraffen, Zebras, Orixe, Strausse und Kudus. Eine gemütlichere Safari gibt es definitiv nicht. Beim nächtlichen Gamedrive kamen noch zwei Honigdachse, eine braune Hyäne und eine gefleckte Adlereule hinzu; nachtaktive Tiere, die man tagsüber nur sehr selten zu Gesicht bekommt.

Den letzten Tag auf diesem Trip verbrachten wir in Tsumeb. Hier befindet sich eines der zwei 50 Meter Schwimm-Becken Namibia’s. Am frühen Sonntagmorgen hatten wir das ganze Becken für uns alleine, abgesehen von ein paar Gänsen und Enten.

und was sonst noch war…

Heisse Weihnachten

Seit letzten Sonntag sind wir unterwegs auf unserem Trip in den Nord-Westen Namibia’s. Den ersten Stop legten wir in Ruacana ein. Dieses verschlafene Nest direkt an der Grenze zu Angola ins bekannt für seine Wasserfälle. Da das Wasser hier aber auch für die Produktion von Elektrizität gebraucht wird, sind die Fälle meist nur sehr reduziert in Betrieb.

Ruacana Falls für einmal ohne Wasser

Die Fahrt von Ruacana nach Epupa wird mir als eine der Schönsten in Erinnerung bleiben. 170 km auf gut fahrbaren Naturstrassen oft mit Sicht auf den Kunene River. Vereinzelt einige kleinere Himba Siedlungen in unberührter Natur und 2,3 idyllische Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Fluss. Nach einer Kaffeepause in der Kunene River Lodge auf etwa halber Strecke ging’s dann weiter nach Epupa. In Epupa befinden sich die bekanntesten Wasserfälle Namibia’s. Und die sind sogar für uns „verwöhnten“ Schweizer sehr eindrücklich. Wir machen es uns in der Epupa Falls Lodge gemütlich. Vom Logde Restaurant hat man direkte Sicht auf die Fälle und am ersten Tag sonnt sich sogar ein kleines Krokodil keine 30 Meter von uns entfernt auf einem Stein. Die Fälle lassen sich von unserem Camp gut zu Fuss erkunden. Unterwegs treffen wir auf einige junge Himbamädchen, die selbst gemachte Holzschalen und Schmuck feil halten.

Den Heiligabend verbringen wir in der Khowarib Schlucht. Die Lodge ist corona-bedingt seit April geschlossen. Nur das Camp ist weiterhin geöffnet. Von den üblicherweise 30 Mitarbeitern arbeiten nur noch 4 und dies zu einem reduzierten Lohn. Die Stille Nacht ist dann leider nicht so still. Unsere direkten Nachbarn feierten bis weit in die Nacht bzw in den Morgen hinein.

Next Stop Grootberg Lodge. Die Grootberg Lodge liegt wie der Name sagt am Grootbergpass an traumhafter Lage auf ca 1600 Metern über Meer. Die Temperaturen sind mit 30 Grad Höchst- und 14 Grad Tiefsttemperatur einiges angenehmer als in den letzten Tage, an denen das Thermometer gegen die 40 Grad kletterte. Von unserer Veranda schweift der Blick über ein grosses Tal. Heute morgen konnten wir eine kleine Orixherde auf der Futtersuche beobachten und die Rock Dassies spielten in den Felsen vor unseren Chalet. Gut haben wir hier 3 Nächte gebucht 🙂

Frohe Festtage und alles Gute im Neuen Jahr!

2 Jahre Namibia, Rückblick und Ausblick

Schon bald sind wir 2 Jahre in Namibia. Zeit für einen kurzen Rückblick und einen Ausblick in unser 3. Jahr in Afrika.

Wie in der Schweiz besteht das Leben auch hier hauptsächlich aus Arbeit, essen und schlafen. Gearbeitet wird in der Regel von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr abends mit einer Stunde Mittagspause. Unser Direktorat ist ähnlich aufgestellt wie eine staatliche Stelle in der Schweiz. Wir haben nebst dem Advisory Team, dass für die fachliche Unterstützung der Lehrer zuständig ist, die üblichen Abteilungen wie z. B. die Logistik-, die Personal- & die Finanzabteilung. Die meisten Kollegen haben einen Uni-Abschluss. Auch solche, die einen Sachbearbeiter-Job verrichten. Viele der KollegInnen sind in einer Weiterbildung. Und zwar nicht nur die Jungen, sondern auch die ältere Semester. Oftmals absolvieren sie ein Fernstudium. Beliebt sind etwa die Angebote von südafrikanischen Universitäten. Dabei muss gesagt werden, dass der Staat solche Angebote sehr grosszügig unterstützt. Solche Teilzeit-Studien werden oft ohne Lohn-Reduktion bewilligt und auch das Lernen während der Arbeitszeit ist gang und gäbe. Teilweise werden sogar Vollzeitstudien im Ausland finanziert. Zum Beispiel in Russland für angehende Ingenieure, in Kuba für angehende Ärzte und Zahnärzte oder in anderen sozialistischen Ländern. Aus meiner Sicht ist das oft eine Ausbildung auf Vorrat, da die Zurückkehrenden nach Abschluss des Studiums in Namibia meist keinen Job in ihrem Fach finden.

Im Unterschied zur Schweiz sind die Mitarbeiter hier vielfach „Einzelkämpfer“. Obwohl der Spruch ‚In Africa we share‘ oft gehört wird, trifft dies bei der Arbeit eher nicht zu. Es ist sogar innerhalb eines Teams unüblich, sich auszutauschen. Ganz zu schweigen von einem team-übergreifendem Austausch. Fragen zu stellen, wird eher als Schwäche angesehen. Vor einem Jahr habe ich beispielsweise vorgeschlagen, dass wir eine Schulung für die Inspektoren der Schul-Finanzen durchführen sollten um ein einheitliches Vorgehen gewähren zu können. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, dass ein Buchhalter dieses Wissen mitbringen muss. Einige KollegInnen waren zum ersten Mal auf Inspektion und haben diese auf Gutdünken durchgeführt und auch bei Unsicherheiten nicht im Team nachgefragt. Mit dem Resultat, dass nun einige Inspektoren von den Schulen unter Beschuss gerieten, da ihre Berichte fehlerhaft waren.

Schwierig ist auch das Thema Korruption. Obwohl Namibia in der weltweiten Korruptions-Rangliste in der oberen Ranglistenhälfte liegt, werde ich oft mit diesem Thema konfrontiert. Meist geht es dabei um kleinere „Fische“, wie das unentschuldigte Fernbleiben vom Arbeitsplatz um private Dinge zu erledigen, die Benutzung von Dienstfahrzeugen für private Zwecke oder das Kassieren von Spesen für Aktivitäten, die gar nicht oder nur teilweise ausgeführt wurden. Diese Selbstbedienungsmentalität ist speziell bei staatlichen Stellen weit verbreitet und bereitet mir oft Mühe. Das Ansprechen von Missbrauch ist heikel. In Diskussionen mit Kollegen wird oft argumentiert, dass die Chefs / Politiker das ja auch tun und somit eine gewisse Legitimität besteht.

Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass sich folgende Ziele, Wünsche, Erwartungen in mein neues Leben in Namibia mehrheitlich erfüllt haben:

‚Ballast‘  abwerfen und einen Neustart machen zu können
ein mir bisher unbekanntes Land kennen zu lernen, und dies nicht aus der Touristen-Sicht
aus der Komfort-Zone auszubrechen und nochmals gefordert zu werden
mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis zusammen zu arbeiten
eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben

Auch die Dinge, die wir hier vermissen werden, haben wir richtig eingeschätzt. Es sind nicht materielle Dinge sondern die Berge und vor allem die sozialen Kontakte mit Familie und Freunden. Ist es hier doch um einiges schwieriger, einen Freundeskreis aufzubauen.

Ausblick

Wir haben noch einige Ziele für unser drittes Jahr in Namibia. Nebst den Arbeiten in der Region Kavango East bereiten mir Aufgaben für das Head Office oder auch für andere Regionen immer viel Freude. Ich kann so meinen Horizont erweitern, neues dazu lernen und auch etwas aus der täglichen Routine ausbrechen. Diese Tätigkeiten möchte ich weiter ausbauen. In meiner Region werde ich mich schon bald damit beschäftigen, verschiedene operative Tätigkeiten an meine ArbeitskollegInnen abzugeben. Dies auch um eine gewisse Nachhaltigkeit meiner Arbeit gewährleisten zu können. Privat möchten wir natürlich noch so viel wie möglich von den Vorzügen Namibias profitieren. Die nächste Gelegenheit bieten uns unsere Weihnachtsferien, welche wir im wilden Nordwesten des Landes verbringen werden.

Liebe Leserinnen & Leser, ich bedanke mich für euer Interesse an unserem Leben in Namibia und wünsche euch eine gesegnete Adventszeit.

Guten Morgen Namibia