Nochmals auf grosser Reise

Seit 3 Wochen sind wir nochmals auf einer grossen Reise durch das südliche Afrika. Von Rundu aus fuhren wir erstmal in östlicher Richtung um noch ein paar unbekannte Ecken in der Zambezi Region zu entdecken. Zum Beispiel den Nkasa Rupara Nationalpark im Linyanti Gebiet. Dieser Park zählt zu den schönsten Parks in Namibia. Am Tag, als wir den Park besuchten, waren wir die einzigen Gäste! Auch im Nambwa Camp im Kwando Nationalpark waren nur wenige Gäste.

Bevor wir die Grenze nach Botswana überqueren konnten, hiess es erstmal einen Covid-Test in Katima zu machen. In Kasane, an der Grenze zu Zimbabwe trafen wir Sam, bei dem wir einen Tagestrip zu den Victoria Falls gebucht hatten. So konnten wir den Test gleich für 2 Grenzübertrittte benützen. Da in Zimbabwe die Tests nur 48 Stunden gültig sind, mussten wir leider die Übernachtung im schönen Städtchen Victoria Falls sausen lassen. Auf der Zimbabwe Seite übernahm uns dann John, der Fahrer. Zuerst ging es 70 km durch den Zambezi Nationalpark. Während der Fahrt ‚verkaufte‘ uns John noch ein Zusatzprogramm. Das waren ein Fussmarsch über die Grenzbrücke aus dem Jahre 1905, die Zimbabwe und Sambia verbinden, die Besichtigung des drittgrösssten Baobab-Baumes im Südlichen Afrika mit etwa 27 Metern Umfang, ein Besuch im kolonialen Victoria Hotel und zum Abschluss Kaffee und Kuchen im Look Out Restaurant. Von hier hat man einen fantastischen Aussicht auf die Zambezi-Schlucht, da das Restaurant direkt an die Kante der Schlucht gebaut wurde. Die Hauptattraktion war aber natürlich die Besichtigung der Victoria Fälle. Auf einem etwa 2-stündiger Fussmarsch kann man diverse Aussichtspunkte auf die Fälle erkunden. Die Fälle erstrecken sich auf einer Länge von 1,7 km und fallen bis zu 108 Meter in die Tiefe. Zu Spitzenzeiten (Ende Mai) rauschen bis zu 600 Mio Liter Wasser pro Minute in die Tiefe. Die Luft im Park ist durch die Gischt sehr feucht und half mit, dass grosse Teile des Park Regenwald sind.

Zurück in Botswana verbrachten wir 2 Nächte im Ihaha Camp, dass sich direkt am Chobe Fluss und im gleichnamigen Chobe Nationalpark befindet. Dieses Camp ist nicht eingezäunt. Und prompt erhielten wir in der ersten Nacht Besuch einer Herde Elefanten, die in etwa 4 Meter Entfernung an unserem Zelt vorbei marschierten, nicht ohne ihre Markierungen zu hinterlassen. Auch einige Flusspferde grasten in unmittelbarer Nähe unseres Zelts. Auch auf der 3 stündigen Fahrt Richtung Süden zum Elephant Sands Camp sahen wir 10 mal Elefanten. Und dies direkt an der Schnellstrasse, welche nicht eingezäunt ist. Was mich zur Aussage verleitete, dass die Wahrscheinlichkeit Elefanten in Botswana zu sehen grösser ist als Kühe…

Nach einer Nacht im Nxai Pan Nationalpark fuhren wir weiter Richtung Makgalakgadi Nationalpark. Statt einem 100 km Umweg auf geteerten Strassen nahmen wir eine Abkürzung, welche sich als ziemlich tiefsandige Piste herausstellte. Nach knapp 2 Stunden hatten wir die 33 km dann auch geschafft. Zum Überqueren des Boteti Flusses stand uns dann glücklicherweise eine handbetriebene Fähre zur Verfügung.

yellow billed hornbill

Im Sitatunga Camp in Maun begrüsste uns Mike, der Camp Manager. Das Camp bietet Tages- und Mehrtagestrips ins Okavango Delta an. Da die Wetteraussichten für die kommenden Tage Regenwetter ansagten, entschieden wir uns spontan für eine Besichtigung des Binnen-Deltas aus der Luft. Eine Stunde später sassen wir bereits in der kleinen Maschine der MackAir. Nach 5 Minuten Flug erreicht man bereits das Delta. Die Flughöhe beträgt etwa 150 Meter und mit Blick von oben realisiert man erst, wie riesig diese einmalige Fluss- und Sumpflandschaft ist. Die gesamte Fläche des Deltas beträgt ca. 20’000 km2 und ist somit etwas halb so gross wie die Schweiz. Auf dem einstündigen Flug kriegt man somit auch nur einen kleinen Teil des Deltas zu sehen. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Geduld ist gefragt

Als wir vor mehr als 3 Jahren den Vorbereitungskurs für das Leben in Namibia besuchten, wurden wir mehrmals darauf hingewiesen, dass in Afrika oft Geduld gefragt ist. Heute war wieder mal so ein Tag, an dem ich meine Geduld-Fähigkeit auf die Probe stellen konnte. Der Plan für heute Morgen war, zuerst zum Straßenverkehrsamt zu fahren, um die Strassenverkehrs-Steuern für die nächsten 12 Monate zu bezahlen. PS: diese muss man vor Ort bezahlen, da man eine Art Vignette erhält, die man an die Frontscheibe kleben muss. Anschliessend zur Polizei um mir eine Police Clearance für unser Auto zu beschaffen. Dieses Dokument benötigt man für die Ausreise in ein anderes Land beziehungsweise für die Rückreise nach Namibia. Sie bestätigt, dass wir die rechtmässigen Besitzer unseres fahrbaren Untersatzes sind. 2 Behördengänge also. Soweit so gut. Dank 3-jähriger Erfahrung weiss ich, dass am Dienstag beim Straßenverkehrsamt eher weniger Kunden anstehen. Man muss wissen, dass in diesem Amt exakt 2 Schalter für ca 200 000 Bewohner der Kavango East Region zur Verfügung stehen. Tatsächlich muss ich nur etwa eine Stunde warten. Auf dem Polizeiposten (auch hier lange Warteschlangen) weiss ich mittlerweile, in welchem Büro die Clearances erhältlich sind. Zu meiner Überraschung werde ich auch gleich bedient. Der Beamte nimmt es genau und will noch die Motoren-Nummer und die Chassis-Nummer kontrollieren. Dabei entdeckt er, dass sich bei der Registrierung vor 3 Jahren auf der Besitzer-Urkunde bei der Motoren-Nummer ein Fehler eingeschlichen hat. In der 11 stelligen Nummer fehlt eine Zahl! Der Beamte erklärt mir, dass ich nun zurück zum Straßenverkehrsamt müsse, um diesen Fehler zu bereinigen. Ich merke schnell, dass er sich nicht auf Diskussionen einlassen möchte. Also zurück zum StrVA. Dort ist die Menschenschlange bedrohlich angewachsen und reicht bis weit in den Parkplatz hinaus. Normalerweise reihe ich mich (wie alle guten Schweizer) jeweils in die Schlange ein. Da es sich ja aber um einen Fehler des StrVA handelt, bin ich mutig und gehe ich direkt an den Schalter. Dazu muss man sagen, dass man in Namibia ab 55 als Senior Citizen zählt. Dies bringt gerade in den Aemtern gewisse Vorteile mit sich. Es murrte auch niemand der Personen, die vor mir waren. Nur der Schalterbeamte hat nicht so Freude an mir. Statt einfach das geforderte Dokument auszudrucken, muss ich erst mal das 4 seitige Formular Nr 3 ausfüllen. Dabei gefühlt jeweils 3 mal die Motoren-Nummer, 3 mal die Chassis-Nummer, die Fahrzeug-Registernummer, Nummernschild usw notieren. Also alles Daten, die im System bereits vorhanden sind. Anschliessend hieß es wieder warten. Dann endlich bekomme ich den heiß begehrten Ausdruck, nicht ohne zuerst 151 Dollar dafür zu bezahlen (natürlich ohne Quittung). Also zurück zur Polizei. Sollte jetzt nur noch eine Formsache sein, eigentlich. Als der Beamte die Clearance fertig ausgefüllt hat, fragt er mich, ob ich einen Quittungsblock dabei habe. Darauf ich: Ausnahmsweise nein, weshalb? Im seien gerade die Quittungen ausgegangen und er könne mir deshalb das Dokument nicht geben. Quittungen aus anderen Büros dürfe er auch nicht verwenden, sonst gäbe es ein Durcheinander. Langer Rede kurzer Sinn, auch hier bezahle ich die 100 Nam Dollar ohne Quittung nachdem er mir bestätigt hat, dass es an der Grenze keine Probleme geben sollte. Zum Abschluss meines Vormittags-Füllenden Programmes möchte ich noch rasch Geld vom Bankomaten beziehen. Da hatten aber schon ca 40 Menschen vor mir die gleiche Idee. Macht nichts, dann fahre ich zu einem Automaten am Stadtrand, wo erfahrungsgemäß weniger läuft. Und tatsächlich, ausser der Security Dame, die den ganzen Tag den Automaten bewacht, ist niemand da 🙂 Diese erklärt mir dann aber, dass der Automat leider ausser Betrieb sei….ohmmm!

Der Countdown läuft

Nachdem ich meinen Vertrag hier in Rundu um 2 Monate verlängerte habe, sind nun die letzten 3 Monate angebrochen. Im Februar sollte wenn alles gut geht mein Nachfolger aus der Schweiz hier eintreffen. Dies erlaubt es uns, eine geregelte Übergabe der laufenden Geschäfte zu machen. Anschliessend werde ich bis Ende 2022 in einem Teilzeit-Pensum für das Ministerium in Windhoek weiter arbeiten.

Die letzten Wochen und Monate hier sind wieder einmal wie im Flug vorüber gegangen. Ich war oft unterwegs an Schulen, wo wir das administrative Personal und die Schulleitungen im Bereich finanzielle Führung einer Schule weitergebildet haben. Leider kommt es immer wieder vor, dass an den Schulen Gelder missbräuchlich, also nicht zum Wohle der Kinder, verwendet wird. Unsere Buchhaltungstrainings an den Schulen sollen zu mehr Transparenz verhelfen und dass die vorhandenen Ressourcen auch wirklich dem korrekten Zweck zugute kommen.

Leo beim Wissen vermitteln
Meine Unterkunft während der Trainings in Divundu

Dazwischen war ich wochenweise im Ministerium in Windhoek im Einsatz. Dort durfte ich unter anderem bei der Planung des neuen Budgets mitwirken. Vom Finanzministerium wurde eine Budget-Obergrenze vorgegeben, die ohne einschneidende Maßnahmen nicht realisierbar ist. Nächste Woche findet ein Online-Meeting statt, an dem mögliche Einsparpotentiale diskutiert werden sollen. Ich bin sehr gespannt auf den Ausgang dieses Meetings. Bei weiteren Einsparungen auf der operativen Seite, zum Beispiel beim Nicht-Bau von dringend benötigten neuen Klassenzimmern oder bei Einsparungen beim Unterhalt der bestehenden Infrastruktur, wird der Weiterbetrieb eines regulären Unterrichts immer schwieriger. Schon jetzt fehlt es in den Schulen oft am Notwendigsten, wie zum Beispiel an Schulheften, Schreibzeug oder an Kopierpapier. Bis jetzt waren Einsparungen auf der Lohnseite politisch nicht umsetzbar. Zum Beispiel erhalten alle Mitarbeiter 100 % Lohn auch wenn sie nur ein Teilzeit-Pensum ausüben. Auch sind die Löhne im Vergleich zur Privatwirtschaft deutlich zu hoch. Wobei man nicht vergessen darf, dass von einem Einkommen eines Staatsangestellten oftmals Dutzende (weniger privilegierte) Familienmitglieder abhängen. Vielleicht ist jetzt doch die Zeit gekommen, auch hier Anpassungen zu machen. Denn Namibia verschuldet sich immer mehr und die Zinslast drückt schwerer und schwerer.

Kinder an der Kanorombwe Primary School
im Buffalo NP

Zurück in Namibia

Windhoek

Nach einigen erholsamen Wochen in der Schweiz bin ich seit Anfang September zurück in Namibia. Der Winter ist vorbei und bei meiner Ankunft in Windhoek herrschten angenehme Temperaturen. Regula, meine Interteam-Kollegin aus Katima war gerade in Windhoek und holte mich freundlicherweise vom Flughafen ab. Am nächsten Tag ging ich für eine Besprechung ins Bildungsministerium. Mrs Karises, die Finanzchefin fragte mich gleich, ob ich nicht die nächsten 2 Wochen in Windhoek bleiben könnte und anschliessend mit den KollegInnen vom Ministerium an den geplanten Workshop nach Swakopmund fahren wolle. So musste Rundu noch etwas auf mich warten. In Windhoek konnte ich verschiedene Vorbereitungsarbeiten für den Workshop erledigen und auch einen neuen Auftrag von Mrs. Karises entgegen nehmen. Es ging um die Konsolidierung der Expenditure Reports aller Regionen. Diesen nationalen Ausgabenbericht wünscht sie künftig monatlich. Bei meinem nächsten Aufenthalt in Windhoek werde ich einen Kollegen vom Hauptquartier instruieren, damit er diese Aufgabe übernehmen kann.

Swakopmund

Die Fahrt von Windhoek (1700 Meter über Meer) hinunter an die Kueste nach Swakopmund fuehrt durch die Namib Wüste vorbei an der Spitzkoppe, dem bekanntesten Berg Namibias. Der Temperaturunterschied zu Windhoek war frappant. Höchstwerte um die 20 Grad, gefühlt 3-4 Grad weniger wegen des kräftigen Windes. Ziele des Workshops waren die Erstellung eines nationalen Reportings der Payroll-Verification 2021 (physische Überprüfung sämtlicher 40 000 MitarbeitInnen des Bildungsministeriums) und die Zusammenstellung der nötigen Nachweise für die Personen, die nicht verifiziert werden konnten. Z.B. wegen Krankheits- oder Ferienabwesenheiten. Ich bin jetzt schon zum dritten Mal verantwortlich für das nationale Reporting und ich stelle eine deutliche Qualitätssteigerung in der Arbeit der Regionen fest. Die Abläufe sind mittlerweile besser verankert und die Qualität der Daten wird von Jahr zu Jahr etwas besser. Corona forderte die Teams in diesem Jahr aber speziell heraus, da einige Schulen wegen der Pandemie temporär geschlossen oder viele Mitarbeiter in Quarantäne waren. Schlussendlich konnten wir aber doch ein gutes Resultat vorweisen. 96 % der Mitarbeiter wurden am Arbeitsplatz verifiziert. Zum Abschluss des Workshops lud das Ministerium sämtliche Teilnehmer zu einer Bootsfahrt ein. Ein toller Ausflug, mit Sichtungen von Robben, Delphinen, Pelikanen und sogar einem Wal!

Rundu

Die Rückfahrt in den Norden nahm ich dann mit meinen KollegInnen aus Rundu in Angriff. Pandu und ich teilten uns den Fahrerjob auf. Für die 820 km benötigten wir gut 10 Stunden inklusive zweier Pausen. In Rundu ist es der Jahreszeit entsprechend wieder bis 38 Grad heiss. Rahel ist schon seit Ende August zurück. Für uns sind die letzten Monate in Rundu angebrochen. Voraussichtlich werden wir unseren Vertrag um 2 Monate bis Ende Februar verlängern. Dies erlaubt es uns, unsere Aufgaben geordnet an unsere Nachfolger aus der Schweiz übergeben zu können.

Mitte September hatten grosse Teile Rundus kein Wasser, da die Stadtverwaltung die Rechnung des Wasserlieferanten nicht bezahlt hatte. Letzte Woche gab es bereits wieder kein Wasser. Der Grund war diesmal ein defekter Transformator, der ersetzt werden musste. Da die Wasserpumpen mit elektrischer Energie betrieben werden, gibt es bei Stromausfall also auch kein Wasser. Waehrend des Totalausfalls von 3 Tagen war am Rundu Beach Hochbetrieb. Convoys von Autos und Fussgänger mit Petflaschen und anderen Containern waren zum Fluss unterwegs um sich etwas Wasser zu beschaffen. Die Familie von Muronga wohnt ca. 4 km vom Fluss entfernt und kann sich Mineralwasser aus dem Laden nicht leisten. Deshalb war ich für einmal frühmorgens als Wasserlieferant unterwegs.

Sport Games

Corona bedingt vielen die nationalen Sport Games für das Admin-Personal beim Ministry letztes Jahr aus. Ende September fanden nun regionale Turniere mit je 3 Regionen statt. Kavango East, West und Zambezi massen sich in Volleyball, Korbball und Fussball in Divundu. Unsere Region organisierte das Turnier und gewann auch gleich alle Wettbewerbe. Das Finalturnier findet wenn alles gut geht noch dieses Jahr in Swakopmund statt. Da haben sich die Anstrengungen unserer Teams gelohnt!

Von den Auas Bergen in den Auboden

Die erste Hälfte Juni war intensiv, dann kam Covid. Aber der Reihe nach. Seit Juni befindet sich Namibia in der dritten Welle. Diese brachte so hohe Fallzahlen / Tote wie noch nie mit sich. Vor allem die Hauptstadt Windhoek ist / war stark betroffen. Aus diesem Grund wurde der für den 9. bis 11.6. geplante Workshop im Ministerium für die nationale Lohnüberprüfung (National Payroll Verification) erst abgesagt dann aber kurzfristig doch wieder einberufen. Ich reiste am 8.6. mit einer Kollegin von der Personalabteilung und einem Kollegen von Finanzen nach Windhoek. Am ersten Tag, kurz vor Beginn des Workshops erfuhr ich, dass der Personalchef des Ministeriums diese Woche abwesend ist und ich stellvertretend denn Workshop leiten soll. Meine eigentliche Aufgabe wäre die Konsolidierung der Stellenetats sämtlicher Regionen gewesen. Mittlerweile bringen mich solch kurzfristige Planänderungen nicht mehr so schnell aus dem Konzept. Während des ersten Kurstages stellte sich heraus, dass verschiedene Regionen ihr Stellenetat trotz 2 Wochen Vorlaufszeit und Abgabe einer Vorlage noch nicht fertig gestellt haben. Gemeinsam schafften wir es doch noch, bis zum Kursende die Excel-Unterlagen für sämtliche Regionen fertig zu stellen.

Dominga & Mushongo, meine Begleiter in Windhoek

Am Samstag fuhren wir die 720 km zurück nach Rundu. Da einige Teams bereits am Sonntag ausrücken wollten, erfolgte die Schulung in unserer Region am Sonntagmorgen. Die Teams bestanden jeweils aus drei Personen. Da wir neu auch die Stellenetats der Schulen vor Ort überprüfen, wurde jedes Team mit 2 Laptops ausgerüstet. Ich wurde als Fahrer im Schulkreis Shambyu eingeplant, was mich schon fast ein bisschen stolz machte. Endlich werden meine wahren Qualitäten erkannt ;-). Montag bis Mittwoch besuchten wir hauptsächlich die Schulen abseits der Teerstrassen, teilweise tief im Busch. Mit Hilfe von Anwohnern, die uns zu den ganz abgelegenen Schulen begleiteten, haben wir alle Schulen gefunden.

Am Mittwoch Nachmittag fing ich an zu husten und am Abend hatte ich Fieber. Deshalb meldete ich mich bei der Arbeit ab und fuhr am Donnerstag zum Privatspital in Rundu. Auf einer grossen Tafel beim Eingang wurde ich darauf hingewiesen, dass ich mit Covid-Symptomen das Spital nicht betreten darf. Stattdessen soll ich auf eine Hotline Nummer anrufen. Die Hotline verwies mich an ein 100 km entferntes Distrikt Spital. Erst auf meine Rückfrage sagten sie mir, ich könne auch ins staatliche Spital in Rundu gehen. Dort angekommen reihte ich mich erst mal in eine lange Schlange Wartender für die Registrierung ein. Dies draussen unter freiem Himmel bei strahlendem Sonnenschein. Mit Fieber nicht gerade das Angenehmste. Nach einer Stunde war es geschafft. Im Schatten eines Zeltes aber dicht gedrängt! warteten die Testwilligen anschliessend nochmals eine gute Stunde. Ein einziger Tester für eine Stadt mit 120 000 Einwohnern stand in Rundu zur Verfügung. Da sind die langen Wartezeiten nicht verwunderlich. Das Resultat dieses Tests habe ich übrigens nie erhalten.

Mit fiebersenkenden Mitteln und Hustensirup begab ich mich anschliessend zu Hause in Isolation. Eine Woche später konnte ich mich dann doch noch im Privatspital testen lassen. Resultat positiv. Die ärztliche Versorgung in Rundu ist in normalen Zeiten schon am Rande der Überlastung. Die Pandemie brachte das Fass zum überlaufen. Dank unseren Landesprogrammleitern Martin und Iris konnte ich mit der Ambulanz nach Windhoek fahren, wo ich in einem Quarantäne Hotel einquartiert wurde. Dr. Zimba, eine Bekannte von Iris und Martin, besuchte mich ein bis zweimal pro Tag, organisierte die Labortests und versorgte mich mit den nötigen Medikamenten. Auf Anraten von Martin entschied ich mich, sobald als möglich in die Schweiz auszureisen. Das war dann ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Flug war für Samstag, 3.7. um 13 Uhr gebucht. Den negativen Test erhielt ich in der Nacht auf Samstag um 01:00 Uhr nachdem der Test vom Vortag immer noch positiv war. Und so kam es, dass ich von den Auas-Bergen (Umgebung von Windhoek) am Sonntag in der Wirkstatt Auboden ankam, wo ich von meiner Schwester und dem ganzen Auboden-Team herzlich aufgenommen wurde und mich während der ersten 10 Tage in der Schweiz erholte. Voraussichtlich anfangs September werde ich wieder nach Namibia zurückkehren.

Africa day in Utjiliro

Am 25. Mai wird in Afrika die Gründung der Organisation für afrikanische Einheit im Jahr 1963 gefeiert. Wir fuhren an diesem nationalen Feiertag nach Utjiliro. Utjiliro ist das Dorf, in dem unser Security Guard Muronga aufgewachsen ist. Seine Frau und die 3 Jungs verbrachten die 3-wöchigen Schulferien im ‚Village‘. Das Dorf liegt etwa 100 km entfernt von Rundu. Für die letzten 30 km 4×4 Piste durch den Busch benötigten wir gut 90 Minuten. In Utjiliro verfügt einzig die Lehrerin über ein Auto. Eine Mitfahrgelegenheit ist somit sehr begehrt. Öffentliche Verkehrsmittel sind in Namibia nur auf den Hauptverbindungsachsen vorhanden. Überall im ganzen Land sieht man daher Leute am Strassenrand, die ihr Glück mit Autostopp versuchen. Hält ein Auto an, wird ein Preis für die Strecke ausgehandelt. So beteiligen sich die Mitfahrer an den Transportkosten. Damit die Kinder wieder rechtzeitig zum Schulstart nach Rundu kommen, haben wir Muronga versprochen, seine Familie abzuholen. Als wir im Dorf ankamen, versammelte sich schnell die ganze Community. Besucher tief im Busch sind selten. Hier gibt es weder Strom noch Internet. Wasser beziehen die Menschen am einzigen Wasserhahn beim Bohrloch. Auch ein Telefonsignal ist nicht immer verfügbar beziehungsweise muss ‚gesucht‘ werden. Bei einer Führung durch das kleine Dorf unter der Leitung der Nichte von Muronga und ihrem Vater besichtigten wir unter anderem die Schule. Hier werden gegen 50 Schüler unterrichtet. Einige der Schüler kommen aus dem Nachbardorf. Da der Schulweg zu weit wäre, übernachten die Kinder auf dem Schulgelände in einem sogenannten Community Hostel. Dieses Hostel wird nicht vom Staat finanziert sondern die Kosten müssen von den Eltern getragen werden. Der Komfort ist bereits in den staatlichen Hostels sehr bescheiden. Doch der Anblick dieses Hostels stimmte uns dann schon eher traurig. Auch das übliche staatliche nationale school feeding program (NSFP), welches den Kindern eine warme Mahlzeit pro Tag garantiert, fällt in Utjiliro weg beziehungsweise muss ebenfalls von den Eltern gestemmt werden.

Gegen Mittag wollten wir den Heimweg unter die Räder nehmen. Natürlich wurde die günstige Gelegenheit für einen Transport benützt. Schnell war das Auto bis auf den letzten ‚Platz‘ gefüllt. 7 Erwachsene, 3 Kindern, 1 Huhn, Feuerholz, Kürbisse, Mais und verschiedenstes Gepäck fanden Platz in unserem Auto. Auch für den Polizisten am Checkpoint kurz vor Rundu war der Anblick ganz normal und so winkte er uns schnell durch.

Besser als 30 km durch den Sand wandern

Fussball in Afrika

Wir gehen in der Regel zweimal die Woche joggen. Im ersten Jahr oft auch durch das benachbarte Quartier Sauyemwa, welches zu Rundu’s ärmsten Vierteln zählt. Auf dieser Runde begleitete uns meist eine ganze Horde lachender kleiner Kinder. Seit Ausbruch von Corona entschlossen wir uns wegen einer allfälligen Ansteckung, unsere Runden ins nahe Fussballstadion des ansässigen Vereins Cuca Tops zu verlegen. Cuca Tops spielt in Namibias zweithöchsten Liga. Das Stadion ist in einem ziemlich erbärmlichen Zustand. Die Tribüne ist nahe am zusammen brechen, die Garderoben sind verlottert und Rasen gibt es auch keinen (mehr). Das Spielfeld besteht aus Sand, Staub und Steinen. Die Fussballtore haben keine Netze, Seitenlinien oder Eckfahnen sucht man vergebens. Trotzdem wird hier mit viel Enthusiasmus Fussball gespielt. Cuca Tops trainieren viermal die Woche, montags bis donnerstags. Trainingsbeginn ist nach Feierabend um ca. 17:20 Uhr. Trainiert wird aus Mangel einer funktionierenden Platzbeleuchtung bis Sonnenuntergang. Momentan bis ca. 18;30 Uhr. Es sind jeweils ca. 30 Spieler auf dem Platz. Zum Aufwärmen werden erst 2,3 Runden um dem Platz gedreht. Danach folgt eine Trainingseinheit von ca 20 Minuten. In Ermangelung an genügend Bällen erfolgt diese meist ohne Ball. Ein Schuss-oder ein Torhüter-Training wie bei uns in der Schweiz habe ich hier noch nie gesehen. Der Hauptteil des Trainings wird dem abschließenden Spiel gewidmet. Nur ca. die Hälfte der Spieler verfügen über eigentliche Fußballschuhe. Einige spielen in Turnschuhen oder Sneakers, Vereinzelte sogar Barfuss. Die meisten Spieler sind technisch versiert, sehr beweglich und schnell. Die Spiele sind wenig von Taktik geprägt. Der Spieler, der am Ball ist, sucht wenn immer möglich das Dribbling. Ein Zuspiel auf einen besser positionierten Spieler ist nur die zweite Option. Vielleicht ist dies genau der Grund, weshalb sich afrikanische Mannschaften bis heute noch nicht in der Weltspitze festsetzen konnten. An hervorragenden Individualisten fehlt es garantiert nicht. Die eigenen Bedürfnisse zugunsten des Team unter zu ordnen, den Erfolg des Teams an die erste Stelle zu setzen, scheint vielen schwer zu fallen. Gewisse Parallelen sehe ich hier auch im Berufsalltag, aber wir arbeiten daran.

Wohin des Weges?

Fragen über Fragen, die das Gewissen plagen

Wohin des Weges? Diese Frage stellten wir uns vor ziemlich genau 3 Jahren, nachdem wir das Job Assessment bei INTERTEAM erfolgreich durchlaufen hatten. Wir erhielten 3 Wochen Bedenkzeit, in der wir uns Gedanken machten, was für und was gegen einen Einsatz in der personellen Entwicklungsarbeit spricht. Während Rahel eher Mühe mit dieser Entscheidung hatte, war es für mich ziemlich schnell klar, dass ich dieses Abenteuer eingehen möchte. Nach 3 Jahren stehen wir nun wieder vor einer wichtigen Entscheidung. Unser Arbeitsvertrag läuft Ende 2021 aus. Schon Ende letzten Jahres war für uns klar, dass wir unseren Einsatz in Rundu nicht verlängern möchten. Die Arbeit hier ist und war für uns eine Bereicherung und eine sehr wertvolle Lebenserfahrung, andererseits aber ist es auch eine grosse Herausforderung. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Obwohl Namibia über 20 Prozent des Staatsbudgets in die Bildung steckt, fehlen die Mittel an allen Ecken und Enden. Die Infrastruktur ist vernachlässigt, es fehlt an Klassenzimmern, Stühlen und Tischen, Büchern und Schreibmaterial. 50 Schüler und mehr in einem Klassenzimmer, die teilweise am Boden sitzen muessen, sind keine Seltenheit. Gerade die Ausbildung der Basic Prevoc-Klassen ist sehr kostenintensiv, da für die praktische Ausbildung von z.B. Schreinern natürlich auch Maschinen und Material benötigt werden. Mittlerweile fliessen fast 90 % der Ausgaben in der Bildung in Löhne, Zulagen und Sozialabgaben. Der Anteil für operative oder bauliche Ausgaben wird Jahr für Jahr kleiner. Dies, weil Reformen auf der Personalkosten-Seite einen sehr (zu) schweren Stand haben und die Prioritäten beim Geld ausgeben (aus meiner Sicht) nicht immer Zielgruppen orientiert, sprich nicht immer zugunsten der Schüler sind. Nach über 2 Jahren hier in Rundu habe ich das Gefühl, dass ich meine Inputs zur Verbesserung der Situation deponieren und auch einige Erfolgserlebnisse verbuchen konnte. Darüber bin ich sehr dankbar. Jetzt ist die Zeit gekommen, meine angefangenen Arbeit hier abzugeben, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Input weiter geführt wird.

Dann ist ja alles klar, Ende 2021 Rückkehr in die Schweiz. Könnte man meinen, wenn da nicht das verlockende Angebot aus Windhoek wäre. Ms Karises, die Finanzchefin des Bildungsministeriums hat mir ein Angebot für einen Transfer nach Windhoek nach Ablauf meines Vertrages in Rundu gemacht. Mittlerweile habe ich bereits temporär je eine Woche im März und eine Woche im April im Hauptsitz gearbeitet. Dies ermöglichte mir einen Blick ins Tagesgeschäft zu werfen und verschiedene Ideen und Vorschläge einzubringen. Die Arbeit in der Zentrale wäre definitiv eine neue Herausforderung. Und eigentlich fühle ich mit mit knapp 59 Jahren auch noch fit, eine solche zu übernehmen. Trotzdem fällt mir die Entscheidung diesmal bedeutend schwerer als vor 3 Jahren. Für ein Bleiben in Namibia sprechen nebst den interessanten Aufgaben auch die Corona Situation, die hier in Namibia deutlich entspannter ist, als ich sie aus Europa mitbekomme. Auch das Freizeitangebot in der Hauptstadt und Umgebung hat einiges zu bieten. Nebst den kulturellen und sportlichen Veranstaltungen gibt es Badeseen, Berge zum Wandern oder Biken in der Nähe und auch das Meer ist nicht weit entfernt. Zudem sind die Jobaussichten für einen 59 – Jährigen in der Schweiz nicht gerade rosig und eigentlich fühle ich mich noch nicht reif für eine Frühpension. Wieso also nicht noch etwas länger in Namibia bleiben?

Vor drei Jahren hatte Rahel Mühe mit der Entscheidung, diesmal bin ich es. Damals hatten wir 3 Wochen Bedenkzeit, diesmal sind es noch 2 Monate.

Ostern im Caprivi

Am 21.3. feierte Namibia zum einunddreissigsten Mal den Unabhängigkeitstag. Da dieser auf einen Sonntag fiel, wurde der Feiertag am Montag kompensiert. Wir nutzten das verlängerte Wochenende mit einem Ausflug nach Divundu. Divundu liegt 200 km östlich von Rundu im sogenannten Caprivi Streifen. Hier biegt der Kavango Fluss Richtung Süden ab, nachdem er über einige hundert Kilometer ostwärts floss und die Grenze zu Angola bildete. Nach ca. 50 km erreicht er Botswana und versandetet später im Okavango Delta, eine der grossen Attraktionen für Tier- und Wildnis-Liebhaber in Botswana. In Divundu kenne ich mittlerweile fast alle Lodges, unter anderem auch wegen der Leadership-Workshop, die hier im Februar und März stattfanden. Die Lodges überbieten sich im Kampf um die wenigen Touristen mit Sonderangeboten. Und so leisten wir uns zwischendurch ein solches, anstelle der günstigeren Camping-Variante. In Divundu beginnt auch der Bwabwata Nationalpark, der sich bis ins 200 km östlich gelegene Kongola erstreckt. Speziell an diesem Park ist, dass mit Ausnahme der sogenannten Core-Areas in grossen Teilen des Parks die traditionellen Bevölkerungsgruppen leben. Auch die Wildtiere können sich frei bewegen und migrieren (auch ohne PCR-Test) je nach Jahreszeit zwischen den angrenzenden Ländern. Im Bwabwata findet man (wenn man Glück hat) nebst vielen anderen Tieren, 4 der 5 „big fives“, das sind Loewen, Leoparden, Elefanten und Büffel. Nur Nashörner gibt es hier im Norden keine. Ueber Ostern ging’s dann schon wieder Richtung Osten. Diesmal bis zur Namushasha Lodge zum Camping direkt am Kwandofluss, der später zum Linyanti und schließlich zum Chobe wird. Am Samstag unternahmen wir einen Gamedrive im Mudumu Nationalpark. Gemäss Register am Parkeingang waren wir die einzigen Gäste an diesem Tag. Die Dame an der Rezeption empfahl uns nur wenige Strecken des gut 700 km2 grossen Parks. Aber auch die uns empfohlenen Strecken waren teilweise sehr sandig und nur mit der Getriebeuntersetzung befahrbar. Am späten Nachmittag gönnten wir uns eine Flussfahrt auf einem der vielen Nebenarme des Kwandos, die hier in einer einmaligen Sumpflandschaft meandern. Nebst vielen Vögeln erfreuten wir uns auch an den Flusspferden und an der wunderbaren Abendstimmung.

Besuch aus Frankreich

Dieses Wochenende waren Morgane & Loic (https://moloavelo.wordpress.com/) für 3 Tage bei uns zu Gast. Das junge Paar aus Frankreich ist seit September letzten Jahres mit dem Fahrrad unterwegs. Bis Ende 2020 radelten sie durch verschiedene Länder Europas. Zwischendurch mussten sie dabei wegen geänderten Corona-Regeln fluchtartig ihr aktuelles Land wechseln. Im Januar flogen sie dann von der Türkei nach Nairobi in Kenia. Anschliessend bereisten sie Tansania und Sambia. Nach einem Besuch der berühmten Victoria Fälle rollten sie bei Katima Mulilo in Namibia ein. Über die Touren-Velo-Fahrer-Plattform warmshowers.org kontaktierten sie mich, und fragten ob wir sie für ein paar Tage beherbergen könnten. Ich habe mich vor meiner letzten grösseren Veloreise im 2018 auf dieser Plattform registriert. Sie dient Veloreisenden zum Austausch von Informationen, als Möglichkeit, Velofahrer zu beherbergen beziehungsweise als Tourenfahrer eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Während in Europa ein Überangebot an Gastgebern besteht, ist hier in Afrika die Anzahl der Gastgeber sehr bescheiden und beschränkt sich fast ausschließlich auf grössere Städte. Bis jetzt wurde ich von einzelnen Veloreisenden zur Lage in Namibia angefragt. Seit Ausbruch der Pandemie wurde es aber ziemlich ruhig auf dieser Plattform. Morgane und Loic waren nun die ersten Warmshowers-Gäste, die wir beherbergen durften. Für uns war es eine schöne Abwechslung, wieder Mal Gäste aus Europa zu haben und Morgane und Loic haben das weiche Bett und die warme Dusche sehr geschätzt.

Guten Morgen Namibia