Besuch aus der Schweiz in Zeiten von Corona

Am Abreisetag unserer ersten Besucher aus der Schweiz werden in Namibia die ersten zwei positiv getesteten Corona-Fälle bekannt. An diesem Samstag Vormittag erhalte ich über unseren WhatsApp-Management Chat die gleich sehr restriktiven Massnahmen der namibischen Regierung. Unter anderem werden per sofort sämtliche Schulen für einen Monat geschlossen und alle Direktflüge von und nach Europa gestrichen. In einem solchen sollten meine Freunde am Sonntag in Windhoek ankommen. Als ich ihnen diese Nachricht weiterleite, sind sie bereits auf dem Weg zum Flughafen. Nach einigen Stunden überlegen und abwägen der Möglichkeiten entschliessen sie sich für das Angebot der Fluggesellschaft und nehmen einen Flug über Johannesburg nach Windhoek. Die Einreise via Südafrika ist noch möglich. Nach der Übernahme des Camping-Fahrzeugs inkl. 2 Dachzelten geht die Reise über den Erindi Game Park und Waterberg nach Rundu. Ab hier macht uns Corona den zweiten Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollten wir die Victoria Fälle besichtigen. Die Einreise nach Botswana ist mittlerweile für Reisende aus dem Schengen Raum nicht mehr möglich. Da es in Namibia genügend Ausweichmöglichkeiten gibt, ist das aber nicht weiter schlimm. Wir verbringen zwei Tage in einer schönen Lodge im Babwata Nationalpark. Die erste Nacht in einem luxuriösen Camp2Go, einem komplett eingerichteten Zelt mit allem was man braucht. Die zweite auf einem sehr schönen Camp in unseren Dachzelten direkt am Fluss Kwando. Die Flusspferde, die wir nachts hörten, sahen wir am Tag darauf gleich dutzendweise. Erst auf dem Spatziergang dem Fluss entlang und später auf der Flussfahrt mit dem Boot der Lodge. Auf dem Gamedrive (geführte Fahrt durch den Nationalpark) sahen wir hingegen nur wenige Tiere. Dies bedingt dadurch, dass die Tiere während der Regenzeit genügend Wasser finden und deshalb nicht zwingend an den Fluss müssen.

Camp2Go Namushasha Lodge
Python hinter dem Zelt
Internationale Kooperation
Hyppos im Kwando

Am nächsten Tag reisen wir weiter an den Zambezi Fluss, der sich ca 100 km weiter östlich die Victoria Fälle hinunter stürzt. Bei den momentan grossen Wassermengen sicher ein riesen Spektakel. Hier wollen wir wegen der etwas schlechteren Wetteraussichten ebenfalls 2 Nächte verbringen. Am zweiten Tag fahren wir nach Katima Mulilo, die Hauptsadt der Zambezi Region. Leider kommt es hier zu einer höchst unangenehmen Erfahrung für uns alle. Diebe schlagen kräftig zu und nehmen uns sämtliche Wertsachen ab. Eine kleine Mitschuld tragen wir selber indem wir etwas zu leichtsinnig waren und für uns gewöhnlicherweise selbstverständliche Sicherheitsmassnahmen ausser acht liessen. Glück im Unglück haben wir dann doch noch. Zum einen hatte ich mein Handy noch und konnte so sofort Alarm schlagen. Zum anderen arbeiten 2 Kolleginnen von Interteam in Katima wo wir uns für die nächsten 2 Nächte einquartieren durften bis all die administrativen Angelegenheiten erledigt waren. Speziell in Erinnerung bleiben wird uns die Aufnahme der Anzeigen bei der Polizei, die fast einen ganzen Tag in Anspruch nahm und unsere Geduld zwischenzeitlich etwas strapazierte.

da braut sich etwas zusammen
Openmarket Katima Mulio
Spuren einer lehrreichen Erfahrung

In diesen Tagen spitzte sich die Lage bezüglich Corona weiter zu. Martin, unser Landesprogrammleiter versorgte uns laufend mit den relevanten Informationen. Die Gefahr, dass meine Kollegen in Namibia „stranden“, stieg. Als uns Martin informierte, dass ab 27.3. Schweizer Touristen mit Flügen, die die deutsche Botschaft organisiert hat, mitfliegen dürfen, war der Entscheid zum Abruch der Reise gefallen. Sehr schade, dass diese Reise so enden musste. In Anbetracht der Umstände wohl aber die richtige Entscheidung.

Unsere Freunde schafften es gerade noch nach Windhoek. Seit 27.3. befinden sich die Regionen Khomas und Erongo im Lockdown und somit sind Reisen in diesen Regionen stark eingeschränkt. Seit 3 Tagen stecken sie in Windhoek fest. Immerhin sind sie in der Nähe des Flughafens. Heute hätten sie ausreisen sollen. Leider waren nur noch zwei Plätze übrig. Daher entschieden sie, alle oder keiner. Die Ausreise sollte nun am 30.3. klappen. Wir drücken die Daumen.

Unsere persönliche Situation in Rundu sieht wie folgt aus: Seit 27.3. arbeiten wir im Home Office. Da wir über private Laptops und Internet verfügen, können wir doch noch einiges von zu Hause aus machen. Im Gegensatz zu den meisten unserer Kollegen, die weder über Laptops noch Internet verfügen. Die Schulen sind schon seit zwei Wochen geschlossen. Zur Zeit gibt es in Namibia 11 bestätigte Corona-Fälle. Die Dunkelziffer dürfte jedoch einiges höher ein. Wir stehen im Kontakt mit unserer Landesprogramm-Leitung in Windhoek. Diese haben sehr gute Kontakte zu den lokalen Behörden. Uns geht es gut, wir bleiben zu Hause und halten uns an die Vorgaben der Regierung. Sollte sich die Lage verschlimmern, besteht die Möglichkeit einer Evakuation. Wir hoffen, es kommt nicht soweit und wir können hier bleiben. Bis jetzt ist die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt. Hamsterkäufe waren bisher keine auszumachen. Liebe Grüsse und bx (bliibed xund).

unser Home Office

Otjiwarongo

Die letzten Tage waren etwas hektisch aber auch interessant und abwechslungsreich. Ich bin auf Einladung unserer Finanzchefin Ms Karises seit letzen Sonntag in Otjiwarongo. Otjiowarongo liegt 460 km südlich von Rundu an der B1 Richtung Windhoek. Mündlich wurde ich bereits Mitte Februr über dieses Meeting informiert. Aber die schriftliche Einladung musste ich letzten Freitag schlussendlich selber schreiben. Denn ohne offizielle Einladung gibt es hier keine Bewilligung für eine Dienstreise. Schliesslich war in unserer Region kein Dienstfahrzeug mehr verfügbar. Pandu konnte am Samstag aber noch eine Mitfahrgelegenheit organisieren. So konnte ich am Sonntag mit einer Bibliotheksangestellten mitreisen, die von einem unserer Fahrer nach Swakopmund chauffiert wurde. Natürlich waren die 2 weiteren freien Plätze im Auto ebenfalls besetzt. Allerdings mit inoffiziellen Fahrgästen. In Otjiwarongo sind wir 10 Leute. Meine Aufgabe ist die Erstellung sämtlicher Reportings der Mitarbeiter-Überprüfungen (Ghost-Teacher) der letzten 2 Jahre. Siehe auch meinen letzten Beitrag. Die übrigen Leute kümmern sich um die Berechnung der finanziellen Auswirkungen. Also mit den Verlusten, die nicht mehr eingefordert werden können, weil die Mitarbeiter die zu viel Lohn erhalten haben, in der Zwischenzeit zum Beispiel nicht mehr beim Staat arbeiten, pensioniert oder verstorben sind. Es stellte sich heraus, dass die Überprüfung im Jahr 2018 in den Regionen uneinheitlich durchgeführt wurden. Entsprechend chaotisch waren auch die mir zur Verfügung gestellten Unterlagen. Ich durfte aus mehreren Dutzend Excel-Listen in unterschiedlichen Formaten Daten zusammenführen, was mir aber schlussendlich doch recht gut gelang. Die Reports darf ich nun morgen vor meiner Rückreise präsentieren. Ausser arbeiten, essen, schlafen und am Abend noch ein paar Runden joggen im nahe gelegenen Parises Sport Park habe ich nicht viel gesehen von Otjiwarongo. Heute Nachmittag bot sich dann doch noch die Gelegenheit, um die im Stadtzentrum gelegene Krokodil-Farm zu besichtigen. Auf einer 30-minütigen Führung erfuhr ich viel Wissenswertes über die afrikanischen Nil-Krokodile. Auf dieser Zuchtfarm leben gegen 3000 Tiere. Die grössten werden gut 6 Meter lang und bis zu 130 Jahre alt. Jedes Jahr gibt es ca 1000 Jungtiere. Die meisten davon werden im Alter von 3 Jahren geschlachtet. Alles wird verwertet. Im Restaurant stehen u.a. Krokodil-Filets auf der Speisekarte. Im Shop sind Krokodilledergürtel ab 100 CHF zu haben. Die meisten Häute gehen aber in den Export.

knapp 2 jähriges Exemplar
Krokodile wachsen bis an ihr Lebensende, sind also eigentlich nie ausgewachsen

Muronga und Glück und Frust

Muronga

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt habe, wird bzw wurde unser Wohnhaus von Muronga und Magnus unseren beiden Wachmännern bewacht. Wurde deshalb, da wir von unserer Zentrale aufgrund von Sparmassnahmen seit November kein Budget für die Bezahlung der Sicherheitskosten mehr erhalten. Der Vertrag mit der Sicherheitsfirma wurde in den letzten Monaten nur noch monatsweise verlängert und konnte so ohne Kündigungsfrist beendet werden. Etwa 140 Wachleute, die an verschiedenen Schulen, Privathäusern und Bibliotheken beschäftigt waren wurden so von einem Tag auf den andren arbeitslos. Ein harter Schlag für alle Betroffenen. In Namibia gibt es keine Arbeitslosenentschädigung und die Perspektiven für schlecht Qualifizierte, einen neuen Job zu finden sind bei dieser hohen Arbeitslosigkeit praktisch gleich null. Mit Muronga und seiner Familie blieben wir weiterhin in Kontakt. Er konnte mir bei verschiedenen Gartenarbeiten helfen und so einen Zustupf verdienen. Anna, seine Frau nähte mit Unterstützung von Rahel ihr erstes Näh-Projekt, ein Kissen. Und für die zwei Jungs sind die Besuche bei uns immer ein Highlight. Sie lieben unsere Hängematte und können es jeweils kaum erwarten, bis es etwas zu essen gibt. Dann hauen sie jeweils kräftig rein. Erstaunlich, welche Mengen die zwei vertilgen können. Einmal hatten wir den Projektor vom Geschäft bei uns zu Hause und nutzten die Gelegenheit für eine Kinovorstellung. Die Kleinen waren während der Tim & Struppi Vorführung mucksmäuschenstill und starrten gebannt auf die Leinwand bis dann nach einer Weile Amadeus, der Kleinere, ob der vielen Eindrücke etwas überfordert, einschlief..

Für letztes Wochenende hat mich Muronga in sein im Busch gelegenes Dorf eingeladen. Er wollte mir den Ort zeigen, wo er aufwuchs. Auch eine gemeinsame Jagd auf Springböcke war geplant. Als ich ihn am Samstag Morgen anrief, sagte er mir, dass er leider verhindert sei. Er arbeite seit 2 Tagen wieder als Wachmann bei einer Schule. Ich habe mich noch nie so über eine Absage gefreut.

Anna ist stolz auf ihr erstes Nähprojekt

Glück und Frust

Das Glück und Frust manchmal nahe beieinander liegen, durfte ich kürzlich wieder einmal erfahren. Wie schon verschiedentlich erwähnt, ist der Staat Namibia wegen der herrschenden Rezession finanziell ziemlich angeschlagen. Bei uns im Bildungssektor wird hauptsächlich auf der operativen Seite gespart. Zum Beispiel werden nur wenige der dringend benötigte neue Klassenzimmer gebaut und der Unterhalt der Schulen und Hostels wird vernachlässigt. Dies führte auch schon dazu, dass Hostels aus hygienischen Gründen geschlossen und die Kinder nach Hause geschickt werden mussten. Der Anteil Löhne und Zulagen am Budget ist so mittlerweile auf ca 83 % angewachsen. Die Sparmöglichkeiten im operativen Bereich sind nahezu ausgeschöpft. Diese unbefriedigende Situation hat mich veranlasst, verschiedene Einsparungsmöglichkeiten auf der Lohnseite zusammenzustellen. Unsere Landesprogrammleitung in Windhoek hat bei einer günstigen Gelegenheit unserer Finanzdirektorin von meinen Ideen erzählt und so erhielt ich die Möglichkeit, diese in Windhoek zu präsentieren. Letzten Montag fuhr ich also nach Windhoek. Das Meeting war für Dienstag Nachmittag angesagt. Noch auf der Fahrt nach Windhoek erhielt ich die Meldung, dass ich bereits am Dienstag Morgen im Ministerium erwartet werde. Es gebe eine dringende Aufgabe für mich. Wie sich herausstellte, verlangte die Premierministerin von unserem Ministerium eine Nachprüfung der physischen Präsenz der Mitarbeiter in 6 von 14 Regionen und zwar fuer das Jahr 2018. Um diese aufwändige Übung zu organisieren gab uns die Premierministerin genau eine Woche Zeit (und ich staune, mit welcher Gelassenheit unsere Kollegen hier mit solchen Schnellschuss-Entscheiden umgehen). Mein Part war, wie bereits im letzten Jahr zusammen mit Christina, die Aufbereitung der elektronischen Daten für die Prüfer-Teams. Diese Aufgabe nahm fast 2 Tage in Anspruch. Zwischendurch durfte ich doch noch meine Spar-Ideen präsentieren.

Zum Titel: Glück deshalb, da ich die Ideen bei unserer Finanzchefin präsentieren durfte und sie diese auch dankbar entgegen nahm. Frust, weil praktisch im gleichen Atemzug aus politischen Gründen sehr viel Geld für eine zweifelhafte Übung mit alten Daten ausgegeben wird.

Mein Rezept in solchen Situationen: mich auf die Dinge konzentrieren, die ich beeinflussen kann und die anderen akzeptieren auch wenn es nicht immer leicht fällt.

Ein Jahr Namibia

Seit 11.1.2019 leben wir nun in Namibia. Zeit für eine Zwischenbilanz. Die ersten Monate waren eine spannende Zeit. Wir lernten viele neue Menschen kennen. Eine für uns unbekannte neue Kultur. Wir bezogen in Rundu unser schönes Haus mit Umschwung ganz in der Nähe unseres Arbeitsplatzes. Wir hatten Zeit, uns ein Bild zu machen über den Arbeitsalltag und unsere neuen Aufgaben im Direktorat und uns im neuen Umfeld einzuleben.

Was waren die Highlights des ersten Jahres?

Ein Highlight war für mich die Möglichkeit, zusammen mit meiner Interteam-Kollegin Christina die landesweite Payroll-Verification für alle 40000 Mitarbeiter des Bildungswesens in Namibia organisieren zu dürfen. Wir erhielten positive Rückmeldungen vom Ministerium aber auch von anderen Regionen. Auch das Ergebnis lies sich sehen. Konnten doch diverse ‚Schlupflöcher‘ geschlossen und somit Millionen an Namibian Dollars eingespart werden. Dieser Erfolg hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich mittlerweile monatlich sämtliche Lohndaten des Bildungsministeriums erhalte. Ich hatte diese ursprünglich beim Chefbuchhalter in Windhoek bestellt, um die Daten für den Aufbau einer Personaldatenbank in unserer Region nutzen zu können. Mittlerweile nutzen wir die Daten aber auch für die Verbesserung der Qualität der Lohndaten. Mithilfe von Hinweisen von Arbeitskolleg-innen haben wir verschiedene Fehler entdeckt. Zum Beispiel Doppel-Zahlungen von Zulagen die versehentlich teilweise bereits seit Jahren ausgerichtet wurden oder Lohnzahlungen für temporäre Angestellte, die nach Vertragsende nicht gestoppt wurden. Ich erhoffe mir, dass die einsparten Mittel zukünftig vermehrt unserer Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen zugute kommt. Sehr motivierend ist für mich auch, dass meine Fach-Kenntnisse von meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen geschätzt werden. Es kommt immer häufiger vor, dass Mitarbeiter von Finanzen und HR aber auch von anderen Abteilungen mich um meinen Rat fragen. Für mich ist das auch ein Vertrauensbeweis. Allgemein empfinde ich die Zusammenarbeit mit meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen als sehr angenehm.

Nebst dem Besuch anlässlich des 80. Geburtstags meiner Mutter in der Schweiz und dem Wiedersehen mit unseren Liebsten durften wir auch in unserer Freizeit sehr viele schöne Momente erleben. An erster Stelle sind die diversen Ausflüge in verschiedene Parks mit den Begegnungen mit den Tieren, die hier in freier Wildbahn leben. Aber auch die sehr speziellen Wüsten- und Steppen-und Küsten-Landschaften in den südlicheren Teilen Namibias haben eine grosse Anziehungskraft. Die unberührte Natur und die sehr dünne Besiedelung dieses Landes machen Namibia zu einem Paradies für Camping-Freunde. Unvergesslich wird auch unser Trip nach Kapstadt über die Feiertage bleiben.

Gab es auch schwierige Momente?

Mühe habe ich zum Teil, wie hier mit den knappen Ressourcen umgegangen wird. Wir bereits berichtet, haben wir für dieses Finanzjahr deutliche Budgetkürzungen in Kauf nehmen müssen. Dies erforderte diverse Sparmaßnahmen wie zum Beispiel der Reduktion der Sicherheitsdienste bei den Schulen. Wenn es aber um Einsparungen bei Spesen oder anderen fringe benefits des Personals geht, wird es harzig. Hier sind nur wenige bereit, ihren Teil beizutragen. Allgemein herrscht teilweise eine gewisse Selbstbedienungs-Mentalität. Beispielsweise bei der Verwendung von Dienstfahrzeugen für den privaten Gebrauch. Gerade die Staatsangestellten sind hier privilegiert. Die guten Löhne und die Lohnnebenleistungen lassen sicher ein sorgenfreies Leben zu. Ganz anders sieht es bei den ca. 35 % Arbeitslosen aus, die sich als Tagelöhner versuchen durchs Leben zu schlagen und sich nicht getrauen, die Schulgebühren nicht zu bezahlen. Dazu muss man wissen, dass in Namibia die obligatorische Schulbildung eigentlich kostenlos ist. Wegen der angespannten finanziellen Situation versuchen aber die Schulleiter bei den Eltern (freiwillige) Schulgebühren einzuziehen welche gerade die weniger Privilegierten aus Angst, Scham oder falschem Stolz trotzdem bezahlen.

Der Finanzminister hat kürzlich angetönt, dass auch beim Staat dringend Reformen nötig seien aber Taten sind bis jetzt noch keine in Sichtweite. Es scheint politisch ein sehr schwieriges Thema zu sein. Viele Politiker scheinen sich hier auch von den fast allmächtigen Gewerkschaften zu fürchten. Zu Gunsten der Kinder Namibias hoffe ich hier aber auf ein Umdenken.

Ansonsten gefällt mir mein Leben hier weiterhin. Nach der letztjährigen Dürreperiode regnet es in dieser Regenzeit bis jetzt glücklicherweise reichlich. Zumindest hier im Norden. Dies ist eine Wohltat für Mensch und Tier. Der Kavango führt zur Zeit Hochwasser. Mais und Hirse wachsen. Auch in unserem Garten grünt es wieder. Und die Temperaturen sind einiges erträglicher da der Regen immer auch etwas Abkühlung bringt.

Wir sind gespannt, was uns das 2. Jahr in Namibia bringen wird.

Kavango mit Hochwasser

Südafrika

Am 21.12. überquerten wir in Oranjemund die Grenze nach Südafrika. Landschaftlich blieb vorläufig alles beim gleichen. Ein paar wenige Städte an der Küste mit schönen Stränden und angenehm kühlen Temperaturen. Sobald man ins Landesinnere fährt, wird es aber sofort wieder heiss.

Elands Bay

Da Namibia lange unter südafrikanischem Protektorat stand, sind auch alltägliche Sachen wie der Linksverkehr oder die Einkaufsläden identisch. Die Währung heißt hier Rand, entspricht aber wertmäßig 1:1 dem namibischen Dollar. Nach 2 Übernachtung an der Westküste verbrachten wir die Weihnachtstage in Langebaan, einem Windsurf- und Kiteparadies. Langebaan liegt auch am Rand der West Coast National Parks, den wir per Bike erkundeten.

West Coast NP

Anschließend fuhren wir weiter nach Kapstadt. Dort wartete eine 4 Zimmer AirBnB Wohnung im Gardens Quartier, am Fuss des Tafelbergs auf uns. Die ruhige und sonnige Wohnung war ein idealer Ausgangsort, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Kapregion zu erkunden. Highlights waren unter anderem die Waterfront mit all ihren Kaffees, Bars und Einkaufsmöglichkeiten, und die Wanderungen auf den Tafelberg, den Lions Head und am Kap der guten Hoffnung. Zudem ist Kapstadt für uns Runduaner ein Schlaraffenland. Sogar ein Schweizer Fondue gab’s hier zu kaufen!

descent from Lions Head
am Kap der guten Hoffnung
Waterfront & Tafelberg

Seit dem Neujahrstag sind wir auf dem Heimweg. Den ersten Stopp legten wir in Citrusdal ein. In dieser Region in den Cederbergen werden wie es der Name schon sagt, hauptsächlich Citrusfrüchte angebaut.

Citrusdal
Cuiver tree forest

Die nächste Nacht verbrachten wir in Keetmanshoop. Dieser Ort ist bekannt für den sehr speziellen Köcherbaumwald.

Köcherbaum im Abendlicht
junger Gepard

Heute sind wir wieder in einer tollen AirBnB Wohnung in Windhoek. Diese Gelegenheit nutzte Rahel für einen Besuch im Olympia Schwimmbecken, wo sie seit langem wieder mal richtig schwimmen konnte. Morgen nehmen wir die letzten 720 km bis nach Rundu in Angriff wo dann wieder der Alltag einkehren wird. Von den schönen Erinnerungen an diesen Roadtrip werden wir noch einige Zeit zehren können.

Frohe Weihnachten

Liebe Leserin, liebe Leser

Zur Zeit reisen wir mit verschiedenen Zwischenstopps immer Richtung Süden nach Kapstadt, wo wir unsere Weihnachtsferien verbringen werden. Heute sind wir nach der wahrscheinlich schönsten Autofahrt meines Lebens in Aus, im Süden Namibias angekommen. Den Sonnenaufgang haben wir noch auf den Dünen von Sossusvlei erlebt. Danach ging es von Sesriem via Betta und Helmeringhausen weiter nach Aus. Da kürzlich etwas Regen fiel, erstrahlte die Wüste in herrlichen Pastellfarben und auf der einsamen Fahrt sahen wir bedeutend mehr Wildtiere als Menschen.

Big Daddy, Sossusvlei
Deadvlei

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für euer Interesse an unseren kleinen Episoden aus unserem Leben in Namibia bedanken und wünschen euch allen frohe Weihnachten und alles Gute im neuen Jahr.

best regards from Aus in the South

Rahel & Armin

unterwegs Richtung Aus

Freizeitaktivitäten

Das Freizeitangebot in Rundu ist im Vergleich zur Schweiz doch sehr eingeschränkt. Kommt dazu, dass die Monate Oktober und November auch für hiesige Verhältnisse sehr heiß waren. Die Temperaturen überstiegen regelmäßig die 40 Grad Grenze und so mussten wir in der letzten Zeit auch auf unsere geliebten Bike- und Jogging-Touren verzichten. Einen Ersatz habe ich neben dem Gärtnern im Zeichnen und Malen gefunden. Mittlerweile ist unser Haus und die Büros von Rahel und mir mit diversen „Werken“ verziert. Dies hat sich auch bei unseren Kolleginnen und Kollegen im Direktorat herum gesprochen. Kürzlich kam Gerhalda, die Leiterin der Advisory-Abteilung auf mich zu, und fragte mich, ob ich die Illustrationen für ihr Kinderbuch machen könnte. Sie gab mir eine 2 A4-Seiten lange Beschreibung, auf welchen sie beschrieb, was die insgesamt 15 Bilder zeigen sollten. Darunter waren auch einige etwas herausfordernde Beschreibungen wie zum Beispiel: Originaltext: A picture of an ugly elephant without tusk with short trunk and feet like a cow talking to animals (zebra, elephant, rhino, tow common duiker, monkey, baboon and a sheep) at the water hole. Also ein hässlicher Elefant ohne Stoßzähne mit kurzem Rüssel und Hufen wie eine Kuh, der an einem Wasserloch zu diversen Tieren spricht. Nur, wie sieht ein hässlicher Elefant aus??

Da ich Herausforderung liebe, habe die Aufgabe angenommen. Mittlerweile sind 10 Bilder fertig. Hier eine Auswahl.

a picture of different animals at the waterhole (zebra…)
picture of a male and a female duiker (Antilopenart im südlichen Afrika)
zebra stand proudly with the sun shining on top of the zebra’s body
picture of the sun rising and a pile of different wildlife horns
sds
picture of elephant without tusks with short trunk and hooves like a cow and a long tail

Verlängertes Wahlwochenende

Am 27.11. fanden in Namibia die nationalen Wahlen statt. Damit möglichst viele Leute die Möglichkeit haben, ihre Stimme abzugeben, ist der Wahltag ein Feiertag. Wir nutzen diese Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende in der Zambezi-Region und für einen Abstecher nach Kasane in Botswana. Die erste Übernachtung verbrachten wir in einem kleinem Camp in der Kongola-Region. Wir hatten einen wunderschönen Stellplatz mit Sicht auf eine grosse Fläche Schwemmland. Natur pur, grossartiger Sonnenuntergang inklusive.

Camp Mukolo, Kongola

Am nächsten Tag ging es weiter durch den Babwata Nationalpark Richtung Botswana. Unterwegs besichtigten wir die Gondwana Lodge Namushasha. Diese liegt am Kwando und die Eröffnung des Camping2go steht demnächst an. Camping2go sind luxuriös eingerichtete Zelte mit Dusche, WC und Küche. Ideal für Besucher, die keine Campingausrüstung dabei haben aber trotzdem ein Naturerlebnis suchen. Und natürlich auch etwas günstiger als die meist teuren Lodges.

Namushasha Lodge

60 km südlich von Katima passierten wir in Ngoma die Grenze zu Botswana. Hier beginnt auch gleich der riesige Chobe Nationalpark. Von Kasane, der Stadt im 4 Ländereck Sambia – Zimbabwe- Botswana- Namibia aus haben wir heute einen kleinen Teil des Chobe Parks erkundet. Die anspruchsvolle 4×4 Strecke führte uns meist dem Chobe Fluss entlang zurück nach Ngoma. Für die knapp 60 km benötigten wir fast 5 Stunden. Der Park ist wegen der Regenfälle der letzten Tage sehr grün und wir haben auch sehr viele Jungtiere gesehen. Den Park kann man hier auch auf einer geführten Bootstoor erkunden. Das haben wir uns für unseren nächsten Besuch hier schon auf den Wunschzettel geschrieben.

Ca 20 Flusspferde am bädelen
Am Chobe
Im Chobe sollen etwa 45000 Elephanten leben..

Resource Schools

Am letzten Management Meeting lud uns unser Direktor zum Besuch unserer 2 Resource Schools in Kavango Ost ein. Resource School ist der (neue) Begriff für Schulen, die lernschwachen und behinderten Kindern Ausbildungen anbieten. Die einzigen 2 Schulen in unserer Region welche ein solches Angebot führen, befinden sich in Rundu. Zuerst besuchten wir die Schule Dr. Romanus Kampungu. Hier werden 1400 Schüler unterrichtet. 80 dieser Schüler sind lernschwache oder behinderte Schüler. Ein grosser Teil stark Sehbehinderte oder Blinde. Den Sehbehinderten stehen teilweise Braille Maschinen zur Verfügung. Mit diesen Maschinen können die Kindern in der Blindenschrift schreiben. In der zweiten Schule (Andreas H. Kandijmi) werden 60 hauptsächlich hörbehinderte Kinder unterrichtet. Da auch die Klassenzimmer Mangelware sind, werden 2 Klassen mit je 8 Schülern in einem Zimmer unterrichtet. Da nicht alle Lehrer die Zeichensprache beherrschen, braucht es in einigen Klassen zusätzlich einen Übersetzer. Rahel und ihr Team unterstützen diese Schule beim Aufbau von Workshops für eine Basisausbildung von lernschwachen Schülern. Geplant sind ein Workshop für Coiffeure-Coiffeusen, ein Nähworkshop und einer für angehende HilfsmaurerInnen. Die Schüler, die solche zwei jährige Kurse mit Zertifikat absolviert haben, erhöhen ihre Job-Chancen merklich. Alle Management Mitglieder die an diesen Schulführungen dabei waren, waren tief beeindruckt. Einerseits von der Initiative der Schulleitungen, die anstatt zu jammern selbständig Wege suchen, mit der schwierigen finanziellen Situation umzugehen. Andererseits von der Begeisterung der Kinder für das Angebot, dass sie erhalten. Bis vor kurzem wurden behinderte Kinder zu Hause versteckt gehalten. Ein ’normales‘ Leben wie andere Kinder zu führen, ist für sie eine grosse Freude und man spürte ihre Dankbarkeit und ihre Motivation etwas lernen zu dürfen sehr.

hörbehinderte Schueler bereit für die Maurerausbildung
Blinder Schueler mit einer Braille Maschine
Schüler der Andreas H. Kandijimi Primary School
Kinder mit Albinismus leiden oft an Sehschwäche
unser Direktor ist immer für einen Spass zu haben

Wirtschaftliche Lage und Namibische Budgetierung

Seit ca 3 Jahren steckt Namibia und auch der grosse Nachbar Südafrika in einer Rezession. Gemäß den letzten Zahlen vom Juni 2019 betrug das Wachstum -2.6 %. Die Wirtschaft schrumpft also und somit auch die Staatseinnahmen. Nebst der aussergewöhnlich hohen Arbeitslosenrate von ca. 35 % (Jugendarbeitslosigkeit fast 50 %) ist die wachsende Staatsverschuldung ein weiteres grosses Problem in Namibia. Diese hat sich in den letzten 8 Jahren versechsfacht und beträgt zur Zeit ca 46 % des Bruttosozialproduktes. Der Wert in % ist international gesehen akzeptabel, die Entwicklung hingegen ist alarmierend und führt zu einem schlechteren Rating und somit zu höheren Schuldzinsen. Der Anteil der Staatsausgaben für Gehälter ist in Namibia ebenfalls sehr hoch. Ein grosser Teil des Staatshaushaltes fliesst in die Löhne und nicht in Infrastruktur wie Schulen, Strassen, Wasserreservoirs usw. Zu der allgemein schlechten Lage kam in diesem Jahr noch die Dürre hinzu. Mit der schlechten wirtschaftlichen Lage hat sich auch die Arbeit in den Ministerien verändert. Unsere Kollegen erzählen uns von den guten alten Zeiten in denen man Workshops an der Küste und an anderen schönen Orten Namibias veranstaltete; Transport, Kost und Logis alles inklusive. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. An der letzten Budget-Konferenz im März erhielten die Regionen für einige grössere Ausgabenpositionen nur 50 % des Jahresbudgets. Ob und wie viel die Regionen für die zweite Jahreshälfte erhalten, sollte anlässlich der Oktober-Konferenz kommuniziert werden. Diese fand letzte Woche statt. Eingeladen waren alle Direktoren, sowie die Finanz- und die Personalchefs aller Regionen. Ich war natürlich sehr gespannt auf die Ergebnisse dieser Konferenz. Heute teilte mir dann Pandu mit, dass unser Budget nicht aufgestockt werde. Begründet wurde dies mit den anstehenden Ausgaben für die nationalen Wahlen im November. Für uns heisst das konkret, dass wir den Gürtel massiv enger schnallen müssen und nur noch Geld für die aller notwendigsten Ausgaben wie zum Beispiel für Strom, Wasser, das nationale Essens-Programm (national school feeding program) und den Betrieb der Hostels aufwenden können. Alle übrigen Budgetposten, wie zum Beispiel Workshops, Dienstreisen, Ersatz von Möbeln, Matratzen in den Hostels oder die Bewachung der Schulen durch den Sicherheitsdienst müssen überdacht und mindestens teilweise oder ganz gestrichen werden. Als erstes haben wir uns die Handyrechnung des Direktorates vorgenommen. Und tatsächlich sind wir auf einige Nummern gestossen, die nicht mehr benötigt und somit gekündigt werden können. Diese Einsparungen sind zwar nur ein Tropfen auf einen heissen Stein, aber viele Brösmeli geben auch einen Pfünder.

Diese Tage erhielt ich eine Postkarte aus der Schweiz, die einen Umweg über Burma hinter sich hatte. Interessant ist, dass die Karte bis Burma nur 8 Tage benötigte. Von Burma bis Namibia war sie dann 2 Monate unterwegs. Hat mich trotzdem riesig gefreut. Vielen Dank an den Stamm der Sportgruppe Post!

Guten Morgen Namibia