Ein Jahr Namibia

Seit 11.1.2019 leben wir nun in Namibia. Zeit für eine Zwischenbilanz. Die ersten Monate waren eine spannende Zeit. Wir lernten viele neue Menschen kennen. Eine für uns unbekannte neue Kultur. Wir bezogen in Rundu unser schönes Haus mit Umschwung ganz in der Nähe unseres Arbeitsplatzes. Wir hatten Zeit, uns ein Bild zu machen über den Arbeitsalltag und unsere neuen Aufgaben im Direktorat und uns im neuen Umfeld einzuleben.

Was waren die Highlights des ersten Jahres?

Ein Highlight war für mich die Möglichkeit, zusammen mit meiner Interteam-Kollegin Christina die landesweite Payroll-Verification für alle 40000 Mitarbeiter des Bildungswesens in Namibia organisieren zu dürfen. Wir erhielten positive Rückmeldungen vom Ministerium aber auch von anderen Regionen. Auch das Ergebnis lies sich sehen. Konnten doch diverse ‚Schlupflöcher‘ geschlossen und somit Millionen an Namibian Dollars eingespart werden. Dieser Erfolg hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich mittlerweile monatlich sämtliche Lohndaten des Bildungsministeriums erhalte. Ich hatte diese ursprünglich beim Chefbuchhalter in Windhoek bestellt, um die Daten für den Aufbau einer Personaldatenbank in unserer Region nutzen zu können. Mittlerweile nutzen wir die Daten aber auch für die Verbesserung der Qualität der Lohndaten. Mithilfe von Hinweisen von Arbeitskolleg-innen haben wir verschiedene Fehler entdeckt. Zum Beispiel Doppel-Zahlungen von Zulagen die versehentlich teilweise bereits seit Jahren ausgerichtet wurden oder Lohnzahlungen für temporäre Angestellte, die nach Vertragsende nicht gestoppt wurden. Ich erhoffe mir, dass die einsparten Mittel zukünftig vermehrt unserer Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen zugute kommt. Sehr motivierend ist für mich auch, dass meine Fach-Kenntnisse von meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen geschätzt werden. Es kommt immer häufiger vor, dass Mitarbeiter von Finanzen und HR aber auch von anderen Abteilungen mich um meinen Rat fragen. Für mich ist das auch ein Vertrauensbeweis. Allgemein empfinde ich die Zusammenarbeit mit meinen Arbeitskolleginnen und Kollegen als sehr angenehm.

Nebst dem Besuch anlässlich des 80. Geburtstags meiner Mutter in der Schweiz und dem Wiedersehen mit unseren Liebsten durften wir auch in unserer Freizeit sehr viele schöne Momente erleben. An erster Stelle sind die diversen Ausflüge in verschiedene Parks mit den Begegnungen mit den Tieren, die hier in freier Wildbahn leben. Aber auch die sehr speziellen Wüsten- und Steppen-und Küsten-Landschaften in den südlicheren Teilen Namibias haben eine grosse Anziehungskraft. Die unberührte Natur und die sehr dünne Besiedelung dieses Landes machen Namibia zu einem Paradies für Camping-Freunde. Unvergesslich wird auch unser Trip nach Kapstadt über die Feiertage bleiben.

Gab es auch schwierige Momente?

Mühe habe ich zum Teil, wie hier mit den knappen Ressourcen umgegangen wird. Wir bereits berichtet, haben wir für dieses Finanzjahr deutliche Budgetkürzungen in Kauf nehmen müssen. Dies erforderte diverse Sparmaßnahmen wie zum Beispiel der Reduktion der Sicherheitsdienste bei den Schulen. Wenn es aber um Einsparungen bei Spesen oder anderen fringe benefits des Personals geht, wird es harzig. Hier sind nur wenige bereit, ihren Teil beizutragen. Allgemein herrscht teilweise eine gewisse Selbstbedienungs-Mentalität. Beispielsweise bei der Verwendung von Dienstfahrzeugen für den privaten Gebrauch. Gerade die Staatsangestellten sind hier privilegiert. Die guten Löhne und die Lohnnebenleistungen lassen sicher ein sorgenfreies Leben zu. Ganz anders sieht es bei den ca. 35 % Arbeitslosen aus, die sich als Tagelöhner versuchen durchs Leben zu schlagen und sich nicht getrauen, die Schulgebühren nicht zu bezahlen. Dazu muss man wissen, dass in Namibia die obligatorische Schulbildung eigentlich kostenlos ist. Wegen der angespannten finanziellen Situation versuchen aber die Schulleiter bei den Eltern (freiwillige) Schulgebühren einzuziehen welche gerade die weniger Privilegierten aus Angst, Scham oder falschem Stolz trotzdem bezahlen.

Der Finanzminister hat kürzlich angetönt, dass auch beim Staat dringend Reformen nötig seien aber Taten sind bis jetzt noch keine in Sichtweite. Es scheint politisch ein sehr schwieriges Thema zu sein. Viele Politiker scheinen sich hier auch von den fast allmächtigen Gewerkschaften zu fürchten. Zu Gunsten der Kinder Namibias hoffe ich hier aber auf ein Umdenken.

Ansonsten gefällt mir mein Leben hier weiterhin. Nach der letztjährigen Dürreperiode regnet es in dieser Regenzeit bis jetzt glücklicherweise reichlich. Zumindest hier im Norden. Dies ist eine Wohltat für Mensch und Tier. Der Kavango führt zur Zeit Hochwasser. Mais und Hirse wachsen. Auch in unserem Garten grünt es wieder. Und die Temperaturen sind einiges erträglicher da der Regen immer auch etwas Abkühlung bringt.

Wir sind gespannt, was uns das 2. Jahr in Namibia bringen wird.

Kavango mit Hochwasser

Südafrika

Am 21.12. überquerten wir in Oranjemund die Grenze nach Südafrika. Landschaftlich blieb vorläufig alles beim gleichen. Ein paar wenige Städte an der Küste mit schönen Stränden und angenehm kühlen Temperaturen. Sobald man ins Landesinnere fährt, wird es aber sofort wieder heiss.

Elands Bay

Da Namibia lange unter südafrikanischem Protektorat stand, sind auch alltägliche Sachen wie der Linksverkehr oder die Einkaufsläden identisch. Die Währung heißt hier Rand, entspricht aber wertmäßig 1:1 dem namibischen Dollar. Nach 2 Übernachtung an der Westküste verbrachten wir die Weihnachtstage in Langebaan, einem Windsurf- und Kiteparadies. Langebaan liegt auch am Rand der West Coast National Parks, den wir per Bike erkundeten.

West Coast NP

Anschließend fuhren wir weiter nach Kapstadt. Dort wartete eine 4 Zimmer AirBnB Wohnung im Gardens Quartier, am Fuss des Tafelbergs auf uns. Die ruhige und sonnige Wohnung war ein idealer Ausgangsort, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Kapregion zu erkunden. Highlights waren unter anderem die Waterfront mit all ihren Kaffees, Bars und Einkaufsmöglichkeiten, und die Wanderungen auf den Tafelberg, den Lions Head und am Kap der guten Hoffnung. Zudem ist Kapstadt für uns Runduaner ein Schlaraffenland. Sogar ein Schweizer Fondue gab’s hier zu kaufen!

descent from Lions Head
am Kap der guten Hoffnung
Waterfront & Tafelberg

Seit dem Neujahrstag sind wir auf dem Heimweg. Den ersten Stopp legten wir in Citrusdal ein. In dieser Region in den Cederbergen werden wie es der Name schon sagt, hauptsächlich Citrusfrüchte angebaut.

Citrusdal
Cuiver tree forest

Die nächste Nacht verbrachten wir in Keetmanshoop. Dieser Ort ist bekannt für den sehr speziellen Köcherbaumwald.

Köcherbaum im Abendlicht
junger Gepard

Heute sind wir wieder in einer tollen AirBnB Wohnung in Windhoek. Diese Gelegenheit nutzte Rahel für einen Besuch im Olympia Schwimmbecken, wo sie seit langem wieder mal richtig schwimmen konnte. Morgen nehmen wir die letzten 720 km bis nach Rundu in Angriff wo dann wieder der Alltag einkehren wird. Von den schönen Erinnerungen an diesen Roadtrip werden wir noch einige Zeit zehren können.

Frohe Weihnachten

Liebe Leserin, liebe Leser

Zur Zeit reisen wir mit verschiedenen Zwischenstopps immer Richtung Süden nach Kapstadt, wo wir unsere Weihnachtsferien verbringen werden. Heute sind wir nach der wahrscheinlich schönsten Autofahrt meines Lebens in Aus, im Süden Namibias angekommen. Den Sonnenaufgang haben wir noch auf den Dünen von Sossusvlei erlebt. Danach ging es von Sesriem via Betta und Helmeringhausen weiter nach Aus. Da kürzlich etwas Regen fiel, erstrahlte die Wüste in herrlichen Pastellfarben und auf der einsamen Fahrt sahen wir bedeutend mehr Wildtiere als Menschen.

Big Daddy, Sossusvlei
Deadvlei

An dieser Stelle möchten wir uns herzlich für euer Interesse an unseren kleinen Episoden aus unserem Leben in Namibia bedanken und wünschen euch allen frohe Weihnachten und alles Gute im neuen Jahr.

best regards from Aus in the South

Rahel & Armin

unterwegs Richtung Aus

Freizeitaktivitäten

Das Freizeitangebot in Rundu ist im Vergleich zur Schweiz doch sehr eingeschränkt. Kommt dazu, dass die Monate Oktober und November auch für hiesige Verhältnisse sehr heiß waren. Die Temperaturen überstiegen regelmäßig die 40 Grad Grenze und so mussten wir in der letzten Zeit auch auf unsere geliebten Bike- und Jogging-Touren verzichten. Einen Ersatz habe ich neben dem Gärtnern im Zeichnen und Malen gefunden. Mittlerweile ist unser Haus und die Büros von Rahel und mir mit diversen „Werken“ verziert. Dies hat sich auch bei unseren Kolleginnen und Kollegen im Direktorat herum gesprochen. Kürzlich kam Gerhalda, die Leiterin der Advisory-Abteilung auf mich zu, und fragte mich, ob ich die Illustrationen für ihr Kinderbuch machen könnte. Sie gab mir eine 2 A4-Seiten lange Beschreibung, auf welchen sie beschrieb, was die insgesamt 15 Bilder zeigen sollten. Darunter waren auch einige etwas herausfordernde Beschreibungen wie zum Beispiel: Originaltext: A picture of an ugly elephant without tusk with short trunk and feet like a cow talking to animals (zebra, elephant, rhino, tow common duiker, monkey, baboon and a sheep) at the water hole. Also ein hässlicher Elefant ohne Stoßzähne mit kurzem Rüssel und Hufen wie eine Kuh, der an einem Wasserloch zu diversen Tieren spricht. Nur, wie sieht ein hässlicher Elefant aus??

Da ich Herausforderung liebe, habe die Aufgabe angenommen. Mittlerweile sind 10 Bilder fertig. Hier eine Auswahl.

a picture of different animals at the waterhole (zebra…)
picture of a male and a female duiker (Antilopenart im südlichen Afrika)
zebra stand proudly with the sun shining on top of the zebra’s body
picture of the sun rising and a pile of different wildlife horns
sds
picture of elephant without tusks with short trunk and hooves like a cow and a long tail

Verlängertes Wahlwochenende

Am 27.11. fanden in Namibia die nationalen Wahlen statt. Damit möglichst viele Leute die Möglichkeit haben, ihre Stimme abzugeben, ist der Wahltag ein Feiertag. Wir nutzen diese Gelegenheit für ein verlängertes Wochenende in der Zambezi-Region und für einen Abstecher nach Kasane in Botswana. Die erste Übernachtung verbrachten wir in einem kleinem Camp in der Kongola-Region. Wir hatten einen wunderschönen Stellplatz mit Sicht auf eine grosse Fläche Schwemmland. Natur pur, grossartiger Sonnenuntergang inklusive.

Camp Mukolo, Kongola

Am nächsten Tag ging es weiter durch den Babwata Nationalpark Richtung Botswana. Unterwegs besichtigten wir die Gondwana Lodge Namushasha. Diese liegt am Kwando und die Eröffnung des Camping2go steht demnächst an. Camping2go sind luxuriös eingerichtete Zelte mit Dusche, WC und Küche. Ideal für Besucher, die keine Campingausrüstung dabei haben aber trotzdem ein Naturerlebnis suchen. Und natürlich auch etwas günstiger als die meist teuren Lodges.

Namushasha Lodge

60 km südlich von Katima passierten wir in Ngoma die Grenze zu Botswana. Hier beginnt auch gleich der riesige Chobe Nationalpark. Von Kasane, der Stadt im 4 Ländereck Sambia – Zimbabwe- Botswana- Namibia aus haben wir heute einen kleinen Teil des Chobe Parks erkundet. Die anspruchsvolle 4×4 Strecke führte uns meist dem Chobe Fluss entlang zurück nach Ngoma. Für die knapp 60 km benötigten wir fast 5 Stunden. Der Park ist wegen der Regenfälle der letzten Tage sehr grün und wir haben auch sehr viele Jungtiere gesehen. Den Park kann man hier auch auf einer geführten Bootstoor erkunden. Das haben wir uns für unseren nächsten Besuch hier schon auf den Wunschzettel geschrieben.

Ca 20 Flusspferde am bädelen
Am Chobe
Im Chobe sollen etwa 45000 Elephanten leben..

Resource Schools

Am letzten Management Meeting lud uns unser Direktor zum Besuch unserer 2 Resource Schools in Kavango Ost ein. Resource School ist der (neue) Begriff für Schulen, die lernschwachen und behinderten Kindern Ausbildungen anbieten. Die einzigen 2 Schulen in unserer Region welche ein solches Angebot führen, befinden sich in Rundu. Zuerst besuchten wir die Schule Dr. Romanus Kampungu. Hier werden 1400 Schüler unterrichtet. 80 dieser Schüler sind lernschwache oder behinderte Schüler. Ein grosser Teil stark Sehbehinderte oder Blinde. Den Sehbehinderten stehen teilweise Braille Maschinen zur Verfügung. Mit diesen Maschinen können die Kindern in der Blindenschrift schreiben. In der zweiten Schule (Andreas H. Kandijmi) werden 60 hauptsächlich hörbehinderte Kinder unterrichtet. Da auch die Klassenzimmer Mangelware sind, werden 2 Klassen mit je 8 Schülern in einem Zimmer unterrichtet. Da nicht alle Lehrer die Zeichensprache beherrschen, braucht es in einigen Klassen zusätzlich einen Übersetzer. Rahel und ihr Team unterstützen diese Schule beim Aufbau von Workshops für eine Basisausbildung von lernschwachen Schülern. Geplant sind ein Workshop für Coiffeure-Coiffeusen, ein Nähworkshop und einer für angehende HilfsmaurerInnen. Die Schüler, die solche zwei jährige Kurse mit Zertifikat absolviert haben, erhöhen ihre Job-Chancen merklich. Alle Management Mitglieder die an diesen Schulführungen dabei waren, waren tief beeindruckt. Einerseits von der Initiative der Schulleitungen, die anstatt zu jammern selbständig Wege suchen, mit der schwierigen finanziellen Situation umzugehen. Andererseits von der Begeisterung der Kinder für das Angebot, dass sie erhalten. Bis vor kurzem wurden behinderte Kinder zu Hause versteckt gehalten. Ein ’normales‘ Leben wie andere Kinder zu führen, ist für sie eine grosse Freude und man spürte ihre Dankbarkeit und ihre Motivation etwas lernen zu dürfen sehr.

hörbehinderte Schueler bereit für die Maurerausbildung
Blinder Schueler mit einer Braille Maschine
Schüler der Andreas H. Kandijimi Primary School
Kinder mit Albinismus leiden oft an Sehschwäche
unser Direktor ist immer für einen Spass zu haben

Wirtschaftliche Lage und Namibische Budgetierung

Seit ca 3 Jahren steckt Namibia und auch der grosse Nachbar Südafrika in einer Rezession. Gemäß den letzten Zahlen vom Juni 2019 betrug das Wachstum -2.6 %. Die Wirtschaft schrumpft also und somit auch die Staatseinnahmen. Nebst der aussergewöhnlich hohen Arbeitslosenrate von ca. 35 % (Jugendarbeitslosigkeit fast 50 %) ist die wachsende Staatsverschuldung ein weiteres grosses Problem in Namibia. Diese hat sich in den letzten 8 Jahren versechsfacht und beträgt zur Zeit ca 46 % des Bruttosozialproduktes. Der Wert in % ist international gesehen akzeptabel, die Entwicklung hingegen ist alarmierend und führt zu einem schlechteren Rating und somit zu höheren Schuldzinsen. Der Anteil der Staatsausgaben für Gehälter ist in Namibia ebenfalls sehr hoch. Ein grosser Teil des Staatshaushaltes fliesst in die Löhne und nicht in Infrastruktur wie Schulen, Strassen, Wasserreservoirs usw. Zu der allgemein schlechten Lage kam in diesem Jahr noch die Dürre hinzu. Mit der schlechten wirtschaftlichen Lage hat sich auch die Arbeit in den Ministerien verändert. Unsere Kollegen erzählen uns von den guten alten Zeiten in denen man Workshops an der Küste und an anderen schönen Orten Namibias veranstaltete; Transport, Kost und Logis alles inklusive. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. An der letzten Budgetkonferenz im März erhielten die Regionen für einige grössere Ausgabenpositionen nur 50 % des Jahresbudgets. Ob und wieviel die Regionen fuefürr die zweite Jahreshälfte erhalten, sollte anlässlich der Oktoberkonferenz kommuniziert werden. Diese fand letzte Woche statt. Eingeladen waren alle Direktoren, sowie die Finanz- und die Personalchefs aller Regionen. Ich war natürlich sehr gespannt auf die Ergebnisse dieser Konferenz. Heute teilte mir dann Pandu mit, dass unser Budget nicht aufgestockt werde. Begründet wurde dies mit den anstehenden Ausgaben für die nationalen Wahlen im November. Für uns heisst das konkret, dass wir den Gürtel massiv enger schnallen müssen und nur noch Geld für die allernotwendigsten Ausgaben wie zum Beispiel für Strom, Wasser, das nationale Essensprogramm (national school feeding program) und den Betrieb der Hostels aufwenden können. Alle übrigen Budgetposten, wie zum Beispiel Workshops, Dienstreisen, Ersatz von Möbeln, Matrazen in den Hostels oder die Bewachung der Schulen durch den Sicherheitsdienst müssen überdacht und mindestens teilweise oder ganz gestrichen werden. Als erstes haben wir uns die Handyrechnung des Direktorates vorgenommen. Und tatsächlich sind wir auf einige Nummern gestossen, die nicht mehr benötigt und somit gekündigt werden können. Diese Einsparungen sind zwar nur ein Tropfen auf einen heissen Stein, aber viele Brösmeli geben auch einen Pfünder.

Diese Tage erhielt ich eine Postkarte aus der Schweiz, die einen Umweg über Burma hinter sich hatte. Interessant ist, dass die Karte bis Burma nur 8 Tage benötigte. Von Burma bis Namibia war sie dann 2 Monate unterwegs. Hat mich trotzdem riesig gefreut. Vielen Dank an den Stamm der Sportgruppe Post!

Gottesdienst und endlich Regen

Gottesdienst

Unser Watchman Muronga ist Laienprediger in der römisch katholischen Kirche St. Monica. Diese befindet sich im Stadtteil Ndama in Rundu. Viele Einwohner dieses Stadtteils leben in sehr einfachen Verhältnissen. So auch Muronga und seine Familie. Die Behausungen sind aus Wellblech und bestehen aus einem Raum. Der Schlafbereich wird meist nur mit einem Tuch vom Wohn- und Essbereich abgetrennt. Viele Bewohner kochen auf dem offenen Feuer und verfügen über keinen Wasseranschluss. Hauptbeschäftigung der Frauen besteht daher aus der Beschaffung von Feuerholz und Wasser. Muronga hat uns schon seit einiger Zeit zum Besuch eines Gottesdienstes in „seiner“ Kirche eingeladen. Letzten Sonntag war es soweit. Wie vereinbart trafen wir uns am Morgen bei seiner Hütte. Zu Fuss ging es weiter zur Kirche. Die Kirchenbesucher tragen Plastikstühle mit, da es in der Kirche weder Bänke noch Stühle gibt. Die Kirche wurde ebenfalls aus Wellblech errichtet. Zur Zeit stehen erst auf zwei Seiten Wände. Auch das Dach, ebenfalls aus Wellblech, ist noch nicht komplett fertig gestellt. Daher sind die wichtigen Schattenplätze beschränkt. Auch die Einrichtung ist sehr simpel. Ein einfacher Altar, ein Holzkreuz und ein kleines Rednerpult. Muronga wünscht sich eine kleine Sakristei, damit er das Predigergewand nicht vor allen Kirchengängern anziehen muss. Aber Priorität hat die Fertigstellung des Daches. Da die Messe in der einheimischen Sprache Rukwangali gehalten wurde, gab uns eine Messdienerin eine englische Bibel und zeigte uns die entsprechenden Bibeltexte. Die ganze Kirche lauschte andächtig der Predigt von Muronga. Sogar die vielen Kinder waren mehr oder weniger bei der Sache. Im Unterschied zu den Gottesdiensten in Europa, ist das Durchschnittsalter der Kirchengänger hier sehr tief. Mitreißend waren dann vor allem die Gesangs- und Tanzeinlagen des Frauenchors. Die Kollekte wurde gleich zweimal gesammelt. Zuerst für die Mission in Rundu und anschliessend für die Erweiterung der eigenen Kirche. Die zweite Kollekte wurde in Form eines Wettbewerbs, Männer gegen Frauen, abgehalten. Sieger ist, wer mehr Geld zusammen bringt. Der Wettbewerb endete mit einem klaren Sieg der Frauen, wobei man sagen muss, dass etwa drei viertel der Anwesenden Frauen waren. Zum Schluss durften Rahel und ich uns kurz vorzustellen und ein paar Worte über uns sagen. Nach dem Gottesdienst wurden wir sehr herzlich verabschiedet und liebenswürdig aufgefordert, bald wieder zu kommen.

Endlich Regen

Anfangs Woche stiegen die Temperaturen auf 38 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 10 %. Die Luft war durch den Wind stets staub- und sandgeschwängert. Am 10.10. viel dann nach mehr als sechs Monaten der lang ersehnte erste Regen. Mit dem Regen sank die Temperatur sofort um einige Grade. Eine Wohltat für Mensch, Tier und Natur. Und mit dem Regen entsteht sofort neues Leben.

Morokeni Namibia

Vor 10 Monaten sind wir in Namibia angekommen. Die ersten Monate waren voller neuer Eindrücke, zwischendurch etwas anstrengend aber stets sehr interessant und abwechslungsreich. Einige schöne Momente habe ich in einem kleinen Video (130 MB) festgehalten. Schaut selbst 🙂 Morokeni Namibia

Besuch aus der Schweiz und PEG/SEG Inspektion

erster Besuch aus der Schweiz

Letzte Woche erhielten wir Besuch von der Familie Joss aus der Schweiz. Jean-Jacques Joss ist bei der Google Suche nach Schweizern in Rundu auf Rahel gestossen und kontaktierte sie per eMail. Vor 30 Jahren leistete er einen einjährigen UN-Einsatz in Rundu. In der Zeit, als Namibia die Unabhängigkeit von Südafrika erlangte. Wir verbrachten gemeinsam einen gemütlichen Abend in der Hakusembe River Lodge mit Geschichten in und um Rundu von damals und heute. Am nächsten Tag zeigten wir der Familie einige Plätze des heutigen Rundu’s. Jean-Jacques interessierte sich speziell für das staatliche Spital, in welchem auch Schweizer Ärzte stationiert waren. Dank der Beziehungen unserer Arbeitskollegin Loide konnten wir auch die Orthopädie-Abteilung besichtigen. Zur Zeit bildet eine indische Delegation gerade einheimische Spezialisten in der Herstellung von Beinprothesen aus. Auf die Frage, welches die häufigsten Gründe für solche Behinderungen seien, antwortete der Stationsleiter: Autounfälle, Landminen aus der Zeit des Angolakrieges (welche mittlerweile aber alle geräumt sein sollen), Schlangen- und Krokodilbisse und Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes. In Zusammenarbeit der Regierungen von Namibia und Indien werden den Behinderten die Prothesen gratis zur Verfügung gestellt. Inbegriffen ist auch ein zweiwöchiges Geh-Training und bei Bedarf nötige Anpassungen der Prothesen. Nach dem Geh-Training sind die meisten Behinderten in der Lage, wieder ohne Krücken zu gehen. Was für eine Steigerung der Lebensqualität!

Loide zusammen mit einer indischen Spezialistin
Besichtigung der Werkstatt in der Orthopädie-Abteilung

PEG/SEG Inspektion

In einem adhoc einberufenen Meeting erklärt uns Pandu, dass wir vom Direktor beauftragt wurden, mehr oder weniger umgehend bei den größten Schulen in Rundu eine Finanzinspektion durchzuführen. Dabei geht es um die Überprüfung, der von den Schulen getätigten Ausgaben. Die Schulen erhalten vom Direktorat einen fixen Betrag (PEG = Primary Education Grant, SEG = Secondary Education Grant) pro Schüler und Jahr. In einem Jahresbudget definieren sie die geplante Verwendung des Geldes. Dies sind zum Beispiel Ausgaben für Photokopien, kleinere Unterhaltsarbeiten, Beschaffung von Heften, Schreibmaterial usw. In den vergangenen Jahren wurden die Inspektionen durch private Firmen durchgeführt. Da die Resultate dieser Inspektionen angezweifelt wurden (Unabhängigkeit der Prüfer) aber auch wegen der hohen Kosten für diese Audits wurde entschieden, dass neu die Finanzabteilung des Direktorates die Prüfungen durchführen. Zusammen mit meinem Kollegen Protasius besuchte ich diese Woche 3 Schulen. Die Prüfungen der ersten 2 Schulen waren gelinde gesagt ernüchternd. Die erste Schulleiterin weigerte sich schlichtweg uns die Unterlagen auszuhändigen. Ausrede war, die zuständige Person ist zur Zeit nicht anwesend und wir sollen doch nach ihrer Pension im Februar 2020 wieder kommen. Auch die 2 Schule war nicht viel besser. Die einzigen vorhandenen Unterlagen waren ein Order gefüllt mit Quittungen. Natürlich unsortiert. Bankbelege, Budget oder ein Einnahmen- Ausgaben-Buch waren nicht vorhanden. Dass es auch anders sein kann, bewies die 3. Schule. Zwar mussten wir auch hier „kämpfen“, bis wir die nötigen Unterlagen erhielten. Diese waren dann aber sauber sortiert und abgelegt und (nahezu) vollständig. Die Überprüfung sämtlicher Schulen wird uns in nächster Zukunft weiter fordern. Ich werde mir überlegen, wie wir die Inspektionen effizienter gestalten können. Zum Beispiel durch die Erstellung eines kleinen Excel-Tools für die Prüfer und eine Vorlage für den Prüfungsbericht, welche eine einheitliche Prüfung und Beurteilung der Schulen sicherstellen sollte. Eine weitere Massnahme könnte eine Schulung der verantwortlichen Personen in den Schulen sein.

neuer Wandschmuck in unserer Kueche
Lilie im Blumenbeet vor unserer Veranda
die zweite Zucchetti-Ernte in diesem Jahr naht

die SCHÖNSTE Jahreszeit, Principal Meeting, RVTC und CleanUp day

Ferien

Ferienzeit ist bekanntlich die schönste Jahreszeit. Aufgrund eines speziellen Anlasses, nämlich dem 80. Geburtstag meiner Mutter, kehrten wir dafür in die Schweiz zurück und verbrachten 16 wundervolle Tage in der Heimat. Wir genossen die Zeit mit unseren Liebsten und trafen einige Freunde. Dank des schönen Spätsommerwetters reichte es auch noch für die eine oder andere Bergtour, ein Bad in einem Bergsee und eine Biketour auf die Hundwiler Höhe. Gut erholt reisten wir am 9. September wieder zurück nach Namibia.

Seealpsee..
80 Jahre jung
Marvin
ein Bad im Bergsee, herrlich erfrischend
Abstieg vom Zuestoll
Ein Jass im Bären, Sturzenegg

Principal Meeting Ndiyona Circuit

An meinem 2. Arbeitstag ging es gleich wieder auf Dienstreise. Diesmal stand das Principal Meeting im Ndiyona Circuit auf dem Programm. Dieser Circuit ist einer von 6 Schulkreisen in unserer Region Kavango East. Die Principals (Schulleiter) treffen sich regelmässig zu einem Austausch im Circuit Office unter der Leitung des Inspectors, dem Leiter des Schulkreises. Wir von der Finanzabteilung durften an diesem Treffen die Ergebnisse der „Payroll Verification“ und das Thema „Universal Grants“ (finanzielle Unterstützung der Schulen durch das Direktorat) präsentieren. Unsere Präsentationen kamen bei den Schulleitern gut an und wir konnten auch viele Fragen beantworten. Nach dem Anlass machten wir einen kurzen Abstecher zum nahen Fluss und entdeckten da tatsächlich zwei Flusspferde. So wird eine Dienstreise gleichzeitig zur Safari 🙂

Entdeckt bei der Mittagspause nach dem Prinzipal-Meeting

RVTC = Rundu Vocational Training Center

Letzten Mittwoch hatte Rahel einen Termin zur Besichtigung des RVTC vereinbart. Diese Chance liess ich mir nicht entgehen und schloss mich Rahel und Mr. Kamasta – einem ehemaligen Ausbilder im RVTC – für die Besichtigung an. Das Vocational Training Center ist eines der wenigen Center in Namibia, welches Praxisausbildungen in verschiedenen Berufen wie Schreiner, Mechaniker, Elektriker usw. anbietet. Diese Ausbildungen sind mittlerweile sehr beliebt und die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Gemäss Auskunft einer Werkstattleiterin gehen für 200 Ausbildungsplätze bis 4000 Bewerbungen ein. Entsprechend treffen wir nur hoch motivierte Studenten an, die uns voller Stolz ihre Arbeiten präsentieren. Wer eine solche Ausbildung erfolgreich absolviert, hat eine Arbeitsstelle praktisch auf „sicher“. Solch zusätzliche Ausbildungsplätze, speziell für Lernschwache und behinderte Lernende zu schaffen, ist das Ziel des Einsatzes von Rahel. Wie man sieht, werden diese dringend benötigt.

Motivierter Student im RVTC

National Cleanup Day

Am 21. September findet in Namibia der nationale Putztag statt. Unser Direktor, Mr Kapapero, forderte sämtliche Angestellten des Direktorates auf, bereits am 19. September ein Zeichen zu setzen und gemeinsam einen Strassenabschnitt in der Nähe des Direktorats vom Unrat und Abfall zu befreien. Mehr oder weniger pünktlich zum Arbeitsbeginn um 8 Uhr trafen wir uns vor dem Managementgebäude. Es wurden Handschuhe und Plastiksäcke verteilt und dann ging es los. In gut 3 Stunden sammelten die ca 70 Teilnehmen Unmengen an Pet- und Glasflaschen, Konserven, alte Schuhe, Zündkerzen, Metallteile usw. ein. Die vollen Säcke wurden am Strassenrand deponiert und von unseren Fahrern auf ihre Pickups aufgeladen und abtransportiert. Eine wirklich sinnvolle Aktion, bei der sich auch unser Direktor (Bildmitte mit Hut) tatkräftig beteiligte.

Start zur Putzaktion
Rahel in Action

Happy Birthday

Vor meinen Ferien fragte mich Pandu, ob ich ihm nicht ein Polo-Shirt aus der Schweiz mitbringen könnte. Seine Anforderungen waren: Grösse L, Polo-Shirt mit 3 Knöpfen, Farbe egal, auf der Brust ein typisch schweizerisches Logo. Der Zufall wollte es, dass ich gleich am zweiten Tag in der Schweiz mit Michi und meinem Enkel Marvin auf die Rigi fuhr. Im Souvenirshop auf Rigi Kulm sah ich das T-Shirt, welches auch das Personal der Rigi-Bahnen trägt, und dachte mir, das passt. Heute, an seinem Geburtstag, trug Pandu zum ersten Mal das Shirt bei der Arbeit. Ich finde, die (Rigi)Farbe steht im sehr gut.

Pandu präsentiert sein Geburtstagsgeschenk

Guten Morgen Namibia