Wohin des Weges?

Fragen über Fragen, die das Gewissen plagen

Wohin des Weges? Diese Frage stellten wir uns vor ziemlich genau 3 Jahren, nachdem wir das Job Assessment bei INTERTEAM erfolgreich durchlaufen hatten. Wir erhielten 3 Wochen Bedenkzeit, in der wir uns Gedanken machten, was für und was gegen einen Einsatz in der personellen Entwicklungsarbeit spricht. Während Rahel eher Mühe mit dieser Entscheidung hatte, war es für mich ziemlich schnell klar, dass ich dieses Abenteuer eingehen möchte. Nach 3 Jahren stehen wir nun wieder vor einer wichtigen Entscheidung. Unser Arbeitsvertrag läuft Ende 2021 aus. Schon Ende letzten Jahres war für uns klar, dass wir unseren Einsatz in Rundu nicht verlängern möchten. Die Arbeit hier ist und war für uns eine Bereicherung und eine sehr wertvolle Lebenserfahrung, andererseits aber ist es auch eine grosse Herausforderung. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Obwohl Namibia über 20 Prozent des Staatsbudgets in die Bildung steckt, fehlen die Mittel an allen Ecken und Enden. Die Infrastruktur ist vernachlässigt, es fehlt an Klassenzimmern, Stühlen und Tischen, Büchern und Schreibmaterial. 50 Schüler und mehr in einem Klassenzimmer, die teilweise am Boden sitzen muessen, sind keine Seltenheit. Gerade die Ausbildung der Basic Prevoc-Klassen ist sehr kostenintensiv, da für die praktische Ausbildung von z.B. Schreinern natürlich auch Maschinen und Material benötigt werden. Mittlerweile fliessen fast 90 % der Ausgaben in der Bildung in Löhne, Zulagen und Sozialabgaben. Der Anteil für operative oder bauliche Ausgaben wird Jahr für Jahr kleiner. Dies, weil Reformen auf der Personalkosten-Seite einen sehr (zu) schweren Stand haben und die Prioritäten beim Geld ausgeben (aus meiner Sicht) nicht immer Zielgruppen orientiert, sprich nicht immer zugunsten der Schüler sind. Nach über 2 Jahren hier in Rundu habe ich das Gefühl, dass ich meine Inputs zur Verbesserung der Situation deponieren und auch einige Erfolgserlebnisse verbuchen konnte. Darüber bin ich sehr dankbar. Jetzt ist die Zeit gekommen, meine angefangenen Arbeit hier abzugeben, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Input weiter geführt wird.

Dann ist ja alles klar, Ende 2021 Rückkehr in die Schweiz. Könnte man meinen, wenn da nicht das verlockende Angebot aus Windhoek wäre. Ms Karises, die Finanzchefin des Bildungsministeriums hat mir ein Angebot für einen Transfer nach Windhoek nach Ablauf meines Vertrages in Rundu gemacht. Mittlerweile habe ich bereits temporär je eine Woche im März und eine Woche im April im Hauptsitz gearbeitet. Dies ermöglichte mir einen Blick ins Tagesgeschäft zu werfen und verschiedene Ideen und Vorschläge einzubringen. Die Arbeit in der Zentrale wäre definitiv eine neue Herausforderung. Und eigentlich fühle ich mit mit knapp 59 Jahren auch noch fit, eine solche zu übernehmen. Trotzdem fällt mir die Entscheidung diesmal bedeutend schwerer als vor 3 Jahren. Für ein Bleiben in Namibia sprechen nebst den interessanten Aufgaben auch die Corona Situation, die hier in Namibia deutlich entspannter ist, als ich sie aus Europa mitbekomme. Auch das Freizeitangebot in der Hauptstadt und Umgebung hat einiges zu bieten. Nebst den kulturellen und sportlichen Veranstaltungen gibt es Badeseen, Berge zum Wandern oder Biken in der Nähe und auch das Meer ist nicht weit entfernt. Zudem sind die Jobaussichten für einen 59 – Jährigen in der Schweiz nicht gerade rosig und eigentlich fühle ich mich noch nicht reif für eine Frühpension. Wieso also nicht noch etwas länger in Namibia bleiben?

Vor drei Jahren hatte Rahel Mühe mit der Entscheidung, diesmal bin ich es. Damals hatten wir 3 Wochen Bedenkzeit, diesmal sind es noch 2 Monate.

4 Gedanken zu „Wohin des Weges?“

  1. Heute wären wir in Windhoek angekommen, wenn wir nicht verschoben hätten. Aber wenn ich das oben lese treffen wir uns vielleicht doch noch in Namibia? Michael Hug (www.michlmichl.ch) war heute bei mir im Büro und hat einen Wettbewerbspreis für dich vorbeigebracht. Was soll ich noch ins Päckli packen? Schoggi? Fondue? Schüga?
    Liebe Grüsse Werner

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